Es gibt sie an jeder Ecke, ihre Werbung ist aggressiv und allgegenwärtig und auch wenn wir es nicht gern zugeben, aber jeder von uns war bereits in einem drin und fast jeder hat dort auch schon einmal etwas gekauft:
Nein, ich rede hier nicht von Erotik-Shops, sondern von Technik-Märkten. Es ist noch nicht allzu lange her, da spielte ich mit dem Gedanken, mir für zu Hause einen Beamer zu kaufen. Weil ich mir das Ding nicht als Ersatz für meinen Fernseher anschaffen wollte, sondern nur als Ergänzung für besondere TV-Events, dachte ich, mir ja nicht unbedingt das beste und teuerste Gerät holen zu müssen, und suchte einen Technik-Markt auf. Wie ich es nicht anders erwartet hatte, fühlte ich mich bei Erreichen des Beamer-Sektors wie Will Smith in „I am legend“, soll heißen, ich war allein auf weiter Flur.
Natürlich war Will Smith ja in dem Film nicht wirklich allein, die Erde wurde ja von Zombie-ähnlichen Gestalten bewohnt, und so hatte auch ich mit einer ähnlichen Spezies zu kämpfen: Den anderen Kunden. Alle irrten wir orientierungslos durch die Verkaufsräume, auf der Suche nach einer Spezies, die wohl längst ausgestorben ist: Einem hilfsbereiten Verkäufer. Als ich nach kurzen anderthalb Stunden des Suchens, während ich mir die Zeit vertrieb, mir schon einmal die ersten Geräte anzuschauen, endlich einen Verkäufer fand, hab ich ihn fest umarmt, an mich gedrückt, in sein Poloshirt geweint und ihn gebeten, mich nie wieder so lange allein zu lassen. Ich konnte ihn noch gerade so davon abhalten, den Sicherheitsdienst zu rufen, als er sich aus meiner Umklammerung löste und sich mein Anliegen anhörte. Ich schilderte ihm, dass ich kein High-End-Produkt benötige, den Beamer nur ab und zu bräuchte, und mir deshalb ein ganz einfaches Teil völlig genügen würde.

Mein Finger zeigte auf ein kleines Gerät, das 299,00 EUR kostete und ich fragte ihn, ob das nicht genügen würde. Nicht nur entsetzt, sondern mich echtem Ekel und echter Abscheu schaute mein Gegenüber mich an, schüttelte sich und erklärte mir mit zittriger Stimme, dass dieses Gerät allenfalls für etwaige Powerpoint-Präsentationen ausreiche, aber doch nicht für ein Homekino-Erlebnis! Als er mir ein Gerät für schlanke 699,00 EUR (also ein mehr als doppelt so teures) Teil zeigte, sah ich ihn blöd Grinsen und nicken, nur weil ich auf sein „Schnäppchen“ äußerte, dass ich wohl dumm gewesen sei, zu glauben, man käme günstiger bei einer solchen Anschaffung weg. Langsam begann ich den Schock des Preises zu verdauen, da nahm der Verkäufer meine Hand, um mich ins „Audio-Paradies“ zu führen. Dort wurde mir der „günstigste“ der „vernünftigen“ Tuner für schlappe 399,00 EUR gezeigt und natürlich das zufällig gerade im Sonderangebot befindliche Boxensystem für 299 EUR.
Fast 1.400,00 EUR, nur, um alle Wochen mal eine DVD zu sehen? Auf meine höfliche Frage hin, ob der Herr Verkäufer mir eingangs eventuell nicht zugehört habe und ob er zufällig völlig geisteskrank sei, merkte ich, wie er zu seinem Funkgerät griff, um den Sicherheitsdienst -diesmal tatsächlich- zu holen. Ein jähes Ende unserer schönen Beziehung, die mit wartender Sehnsucht begann, körperlicher Nähe weiterging, tollen Gesprächen fortgeführt wurde, einem Streit eskalierte und durch Ordnungshüter endgültig beendet wurde! Ich hasse Technik-Märkte!
PS: Oder hatte er Recht? War es wirklich so dumm, zu glauben, ich käme unter 1.400,00 EUR davon? Tue ich den Technik-Märkten allgemein und diesem Verkäufer speziell Unrecht?

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