Aktuelle Infos zum Kurzarbeitergeld für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Die Corona-Krise stellt Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor bislang ungeahnte Herausforderungen. Vor allem dann, wenn Abstandsregeln gelten und eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden muss, sehen sich viele erschwerten Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Einige Unternehmen müssen außerdem Kurzarbeit anmelden. Wenn sie in Kurzarbeit geschickt werden, sind die meisten Arbeitnehmer verunsichert und haben viele Fragen im Kopf. Wir zeigen, was es mit der Kurzarbeit auf sich hat und welche Regeln in der Corona-Pandemie für Arbeitnehmer und -geber gelten.

Was hat es mit Kurzarbeit auf sich?

Um Mitarbeiter zu schützen, haben sich zahlreiche Unternehmen für Home-Office während der Corona-Krise entschieden. Doch nicht in jeder Branche ist es möglich, von zuhause aus zu arbeiten. Nicht nur deswegen stehen Produktionsunternehmen vor einer großen Herausforderung. Gibt es weniger Arbeit für die Angestellten, stellt sich die Frage: Wie Arbeitsplätze sicherstellen ohne den finanziellen Ruin in Kauf nehmen zu müssen? Für diesen Fall wurde das Modell der Kurzarbeit ins Leben gerufen. Kurzarbeit bedeutet, dass die Beschäftigten weniger Stunden arbeiten als in ihrem Arbeitsvertrag festgelegt ist. So kann Konjunkturflauten entgegengewirkt werden, etwa wenn Aufträge und Umsätze fehlen. Für die Arbeitnehmer- und die Arbeitgeberseite ergeben sich dadurch wichtige Vorteile. Immerhin können Beschäftigung und Know-how erhalten bleiben. Ob alle Beschäftigten oder nur ein Teil des Betriebes von Kurzarbeit betroffen sind, spielt für den Arbeitnehmer selbst eine untergeordnete Rolle. Wesentlich interessanter sind die genauen Zahlen für Arbeitgeber, können diese unter bestimmten Voraussetzungen doch staatliche Unterstützung beantragen. Dazu gehört nicht nur, dass ein Teil der Entgeltkosten übernommen wird, auch Sozialversicherungsbeiträge können bezuschusst werden.

Momentan trifft die Kurzarbeit die Bundesländer unterschiedlich stark. Hessen hat die meisten Kurzarbeiter, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Im Dezember waren dort schätzungsweise 7,4 % bzw. 196.000 der Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Aber auch die Bewohner Baden-Württembergs (6,7 % bzw. 321.000 Menschen), Niedersachsens und Bremens (6,6 % bzw. 223.000 Menschen) trifft die Corona-Krise hart.

Sinnvoll mit Kurzarbeit umgehen

Man könnte meinen, Arbeitgeber täten ihren Angestellten etwas Gutes, wenn sie diese in Kurzarbeit schicken. Immerhin haben diese dann mehr Freizeit. Tatsächlich jedoch müssen Betroffene mit einem geringeren Lohn zurechtkommen. Doch es gibt Mittel und Wege, gestärkt aus der Kurzarbeit hervorzugehen. Weiterbildungen während der Kurzarbeit können dabei helfen, die frei gewordene Zeit sinnvoll zu nutzen. Arbeitnehmer bekommen durch Qualifizierung die Chance, sicher durch die Krise zu gehen. Und auch Arbeitgeber profitieren von gut geschultem Personal.

Eine weitere Möglichkeit: einen Nebenjob annehmen und damit die finanziellen Einbußen ausgleichen.

Wann kann Kurzarbeitergeld beantragt werden?

Weil die Corona-Pandemie zahlreiche Branchen vor große Herausforderungen stellt, hat die Bundesregierung Regelungen für einen erleichterten Zugang zum Kurzarbeitergeld getroffen. Musste früher mindestens ein Drittel aller Arbeitnehmer von Kurzarbeit und einem Lohnausfall von mindestens 10 % betroffen sein, genügt nun, wenn mindestens 10 % der Beschäftigten einen Entgeltausfall von mehr als 10 % haben.

Angezeigt werden muss die Kurzarbeit vom Arbeitgeber. Dabei sollte dieser wie folgt vorgehen:

  1. Kurzarbeit anzeigen: Zunächst sollte die zuständige Agentur für Arbeit darüber informiert werden, dass im Betrieb Kurzarbeit notwendig ist. Für die Mitteilung kann das Formular „Anzeigen eines Arbeitsausfalls“ verwendet werden.
  2. Bewilligung der Anzeige: Im nächsten Schritt überprüft die Agentur für Arbeit die Anzeige. Sofern alle Voraussetzungen erfüllt werden, kann der Arbeitgeber jeden Monat Kurzarbeitergeld beantragen.
  3. Vorauszahlung durch Arbeitgeber: Das Arbeitsentgelt für geleistete Arbeitsstunden sowie das Kurzarbeitergeld muss der Arbeitgeber an seine Beschäftigten auszahlen.
  4. Erstattung beantragen: Anschließend kann der Arbeitgeber Monat für Monat die Erstattung des Kurzarbeitergeldes beantragen. Dafür müssen die Abrechnungsliste und der Antrag ausgefüllt und unterschrieben an die Arbeitsagentur übermittelt werden. Aufgrund der unter Corona erleichterten Bedingungen kann bis zum 31.12.2021 anstatt des normalen Antrages auch der Kurz-Antrag verwendet werden.
  5. Rückwirkende Erstattung: Im letzten Schritt prüft die Agentur für Arbeit den Antrag. Werden alle Voraussetzungen erfüllt, wird das Kurzarbeitergeld rückwirkend für den vergangenen Monat an den Arbeitgeber ausbezahlt.

Im Gegensatz zur vorherigen Regelung, dass Kurzarbeitergeld für längstens 12 Monate bezogen werden kann, gilt bis Ende 2021 eine maximale Bezugsdauer von 24 Monaten.

Welche neuen Regelungen gibt es zum Kurzarbeitergeld?

Neben den bereits angesprochenen veränderten Regelungen zum Bezug von Kurzarbeitergeld wurden noch weitere Änderungen eingeführt. Hintergrund des Ganzen ist, dass durch die Corona-Krise mögliche Insolvenzen weitgehend abgewendet werden sollen. Hierfür wurden nicht nur erleichterte Zugangsvoraussetzungen geschaffen, sondern auch die jeweiligen Leistungen erhöht.

Nachfolgend eine Übersicht über alle wichtigen Änderungen am Kurzarbeitergeld im Schnellüberblick:

  • Ab sofort müssen statt ein Drittel nur noch 10 % der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sein.
  • Mussten vorher Arbeitszeitsalden auch dann aufgebraucht werden, wenn diese aufgrund von Arbeitszeitschwankungen vertraglich vereinbart sind, abgebaut werden, wird darauf nun teilweise oder vollständig verzichtet.
  • Bislang waren Leiharbeitnehmer vom Anspruch auf Kurzarbeit ausgenommen. Mit der Neuregelung können fortan auch Leiharbeitnehmer Kurzarbeitergeld beziehen.
  • Ebenso neu ist, dass die Agentur für Arbeit die Sozialversicherungsbeiträge vollständig erstattet. Die alte Regelung sah vor, dass diese Beiträge während des Bezugs von Kurzarbeitergeld weiter vom Arbeitgeber gezahlt werden müssen.
  • Wird während der Kurzarbeit einer geringfügig entlohnten Beschäftigung nachgegangen, wird das dort erzielte Einkommen beim Kurzarbeitergeld nicht angerechnet.
  • Empfänger von Kurzarbeitergeld können nun bis zu 80 % bzw. 87 % (mit mindestens einem Kind) ihres Nettoentgelts bekommen.

Antworten zu häufig gestellten Fragen beim Kurzarbeitergeld beantwortet die Agentur für Arbeit direkt auf ihrer Homepage. Arbeitnehmer und -geber können sich dort detailliert über den steuerrechtlichen Umgang mit Kurzarbeitergeld, der Frage ob auch Auszubildende Kurzarbeitergeld bekommen können und andere Regelungen informieren.

Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld für Beschäftigte?

Auch wenn mit dem Kurzarbeitergeld schwierige Phasen überbrückt werden sollen, müssen sich Arbeitnehmer auf finanzielle Einbußen einstellen. Für die Zeit der Kurzarbeit bekommen sie 60 % ihres Netto-Entgelts als Kurzarbeitergeld ausbezahlt. Beschäftigte mit mindestens einem Kind erhalten 67 %.

Aufgrund der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung auch hier Änderungen eingeführt. Wer Kurzarbeitergeld spätestens erstmalig für März 2021 erhält, kann bis zum 31. Dezember 2021 von einer Erhöhung profitieren. In diesem Fall erhöht sich das Kurzarbeitergeld

  • ab dem 4. Bezugsmonat auf 70 % (Beschäftigte mit mindestens einem Kind: 77 %)
  • ab dem 7. Bezugsmonat auf 80 % (Beschäftigte mit mindestens einem Kind: 87 %)

Voraussetzung ist, dass der Entgeltausfall im jeweiligen Bezugsmonat bei mindestens 50 % lag.