Bargeld ist nicht mehr sexy – wird Deutschland bargeldlos?

Die Deutschen sind bekannt dafür, dass sie ihr Bargeld lieben. Beim Einkaufen oder Restaurantbesuch ist es immer noch empfehlenswert, Bargeld bei sich zu haben. Allerdings: das bargeldlose Bezahlen ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. In anderen Ländern wie zum Beispiel Großbritannien gehört es schon lange zum Alltag, auch kleine Beträge kontaktlos mit Karte oder Smartphone zu bezahlen.

Warum so skeptisch?

Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel werden 76% aller Einkäufe immer noch bar beglichen – vor allem kleinere Beträge bis zu 15 EUR. Warum ist das so?

Deutsche Konsumenten waren lange skeptisch, ob digitale oder Online-Zahlungen sicher sind. Auch wenn die Bereitschaft da ist, mangelt es teilweise an nutzerfreundlichen Angeboten: es fehlen genügend oder geeignete Zahlungsmethoden, Zahlungen funktionieren nicht, oder es müssen lange Formulare ausgefüllt werden.

Bargeldlose Zahlungsmethoden sind auf dem Vormarsch

Doch der Trend ist eindeutig: vor allem das kontaktlose Bezahlen ist inzwischen sehr beliebt. Laut einer aktuellen Befragung im Auftrag der Deutschen Bundesbank nutzen 32 Prozent der Besitzer von kontaktlosen Debitkarten diese Möglichkeit – bei Kreditkarten mit Kontaktlosfunktion sind es sogar 39 Prozent.

Bezogen auf den Gesamtumsatz überholten im Jahr 2018 Kartenzahlungen im Einzelhandel erstmals Zahlungen mit Bargeld.

Die wesentlichen Gründe für die verbesserte Akzeptanz sind:

  • Einfachheit: Beim kontaktlosen Bezahlen im Geschäft mit der Kredit- oder Debitkarte genügt es, die Karte an das Terminal zu halten – bis zu einem Betrag von 25 EUR ist hierzu keine PIN-Eingabe erforderlich.   
  • Bessere Verfügbarkeit: Die Quantität und Qualität der angebotenen Zahlungsmethoden verbessert sich ständig.  
  • Hygiene: Das kontaktlose Bezahlen ist hygienischer, da weder Bargeld noch das Terminal berührt werden muss.

Beim Internetshopping sind Online-Bezahldienste am beliebtesten

Neben Giro- und Kreditkarten setzen sich die Online-Bezahldienste immer mehr durch. Hier gibt es unterschiedliche Methoden. Der Online-Einkauf kann beispielsweise über einen Dienstleister laufen. Dieser überweist die fällige Summe an den Shop und zieht diese Summe später von Ihrem Girokonto ein oder er belastet die hinterlegte Kreditkarte. Auf der anderen Seite kann der Kunde sich über einen Dienstleister in seinem Online-Banking einloggen. Die Kaufsumme wird in diesem Fall direkt vom Girokonto abgebucht. Letztens nutzen Kunden eine Prepaid-Kreditkarte, die aufgeladen und bei einem Bezahlsystem hinterlegt wird. Mit dem Guthaben kann dann bei teilnehmenden Shops eingekauft werden. Die bekanntesten und verbreitesten Bezahldienste in Deutschland sind unter Anderem, Paypal, Giropay, Sofortüberweisung, Postpay und Paydirekt.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Paypal hat die Nase vorn

Im mobilen Commerce werden am häufigsten Kleidung und Accessoires (53 %) und Tickets (30 %) gekauft, sowie Rechnungen bezahlt (30 %). PayPal ist mit 68 % die beliebteste Bezahlmethode bei Online-Käufen. Dass Paypal so erfolgreich ist, liegt vor allem an der…

  • Einfachheit: Im privaten Umfeld lassen sich Geldbeträge an eine andere Person mit einem Paypal-Konto ganz einfach anhand der E-Mail-Adresse senden.
  • Verfügbarkeit: Weltweit sehr hohe Verbreitung.
  • Anonymität: Keine Übermittlung von Bank- oder Kreditkartendaten an Online-Händler.
  • Sicherheit: Sicherer Datentransfer.
  • Flexibilität: Bezahlsystem kann auch für Online-Überweisungen genutzt werden.
  • Kostenfreiheit: Das PayPal-Konto ist für Privatnutzer kostenlos.

Paypal wird gerne mit Ebay in Verbindung gebracht: schließlich waren beide 16 Jahre lang Partner, nach der Akquise von Paypal durch Ebay im Jahre 2002. Ebay-Händler schätzen an Paypal v. a. die schnellen Auszahlungszeiten.

Schnelle Ein- und Auszahlung mit E-Wallets

Neben Paypal haben sich inzwischen weitere E-Wallets am Markt durchgesetzt; beliebte Anbieter sind Amazon Payments, Postpay, Skrill und Neteller. Diese sind auch bei Online-Casinos, -Wetten und -Gaming inzwischen Standard.

Hierbei lädt der Kunde eine virtuelle bzw. digitale Geldbörse mit einem von ihm festgelegten Betrag auf. Die bevorzugten Zahlungsweisen hängen vom Anbieter ab; überlicherweise erfolgt das Aufladen per Kreditkarte, Überweisung oder Lastschrift.

Nutzer schätzen an den E-Wallets vor allem die Anonymität: bei der Ein-oder Auszahlung wird lediglich die Mailadresse angegeben, mit der das E-Wallet-Konto eröffnet wurde, sowie ein Passwort oder ein Code. Die Ein- und Auszahlung ist extrem schnell, und E-Wallets gelten als sicher.

Das Portal Gambling.com Deutschland  gibt einen Überblick, welche Zahlungsanbieter die schnellsten Auszahlungen anbieten. Auch die Bezahlung mit der Kryptowährung Bitcoin ist inzwischen bei einigen Casinos akzeptiert. Die Bezahlung mit Paypal ist in Online-Casinos in Deutschland seit 2019 nicht mehr möglich.

Immer beliebter: Mit dem Smartphone bezahlen

Auch das Bezahlen mit dem Smartphone ist inzwischen nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Das mobile  Bezahlen funktioniert ähnlich wie das kontaktlose Bezahlen per Kredit- oder Debitkarte. Der Bezahlprozess an der Kasse läuft dann über eine App, die vorher mit Geld aufgeladen oder mit einem anderen Zahlungsmittel verbunden wurde.

Die am häufigsten verwendete Bezahllösung ist Payback Pay (12 %), dicht gefolgt von Apps der Sparkassen und VR-Banken (11 %). Google Pay und Apple Pay sind zwar sehr bekannt (über 40 %), werden bisher aber noch wenig genutzt (unter 5 %).

Quelle: Deutsche Bundesbank

Quo vadis Bargeld – wo geht die Reise hin?

Die Geschwindigkeit, mit der neue bargeldlose Bezahlmethoden auf den Markt kommen, ist überwältigend. Andere Länder machen vor, wohin die Reise gehen könnte:

In Schweden zahlt kaum noch jemand mit Bargeld – stattdessen nutzt jeder zweite Schwede die App Swish. Diese kam 2012 auf den Markt; in wenigen Sekunden lässt sich damit der gewünschte Betrag an einen beliebigen Empfänger überweisen.

Internationaler Vorreiter ist allerdings China: dort lassen sich sogar Bettler ihre Spenden per Smartphone überweisen. Marktführer ist Alipay, die Bezahl-App des Alibaba-Konzerns: hier erfolgt die Zahlung über Gesichtsscan und Handynummer. Auch deutsche Händler haben Alipay bereits in ihre Systeme integriert – für Besucher aus China.

Die Möglichkeiten sind endlos, wenn es um die Zukunft des bargeldlosen Bezahlens geht. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wie virtuell der Euro auch in Deutschland in den nächsten Jahren noch wird.