“Clean Beauty” – was steckt wirklich hinter dem Kosmetik-Trend?

Ob auf Blogs, YouTube oder Instagram: Wer sich im vergangenen Jahr auf einem “jungen” Medium mit dem Thema Hautpflege oder Kosmetik auseinandersetzt hat, dürfte dabei auch über den “Clean Beauty”-Trend gestolpert sein. Ein genauerer Blick auf die Entwicklung des Trends zeigt, wie aus einer guten Ursprungsidee schnell ein einfacher Marketing-Trick für große Kosmetikunternehmen wurde.

Was ist “Clean Beauty”?

Die Diskussion um bestimmte Inhaltsstoffe in Kosmetik, Hautpflege- und Beauty-Produkten ist nicht neu – sie wird nur immer wieder auf neue Art und Weise geführt. Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem die Naturkosmetik auf dem Vormarsch war, macht sich nun ein neuer Trend breit, der ursprünglich aus den USA kommt: “Clean Beauty”. Was zunächst nach einem besser vermarktbaren Begriff für Naturkosmetik klingt, hat tatsächlich einen leicht anderen Ansatz und lässt sich leider – wie es bei so vielen Trends aus diesem Bereich der Fall ist – nur sehr schwer allgemeingültig definieren. Grundlegend geht es den “Clean Beauty”-Anhänger:innen darum, auf sämtliche Inhaltsstoffe zu verzichten, deren Auswirkungen auf Haut, Körper und Umwelt bislang nicht zu 100 % zuverlässig geklärt wurden. Das bedeutet: Jeder Inhaltsstoff, der die Haut auf irgendeine Art und Weise reizen könnte, darf in den Produkten nicht verarbeitet werden.

Wo liegen die Unterschiede zwischen “Clean Beauty”-Produkten und Naturkosmetik?

Im ersten Moment klingt die grundsätzliche Ausrichtung von “Clean Beauty” natürlich nach einem Ansatz, der in der Naturkosmetik seit jeher gang und gäbe zu sein scheint. Tatsächlich verbirgt sich dahinter aber ein sehr weitverbreiteter Irrtum: Dass ein Stoff einen natürlichen Ursprung hat, bedeutet nicht zwangsläufig, dass er auch unbedenklich und gut verträglich für jeden Menschen bzw. Hauttyp ist.

Ein Lied davon können beispielsweise Menschen singen, die mit Hauterkrankungen wie gewöhnlicher Akne (Akne vulgaris) zu kämpfen haben und ihre Hautpflege dahin gehend anpassen müssen. Naturseifen setzen beispielsweise häufig auf Olivenöl als eine der Grundzutaten. Was anschließend als natürliche, besonders gut verträgliche Seife vermarktet wird, kann bei Betroffenen von Akne schnell zu einem Auslöser neuer Hautunreinheiten werden, da die ohnehin empfindliche Haut zusätzlich negativ auf das Olivenöl reagiert. “Clean Beauty” möchte den Grundansatz der Naturkosmetik also weiterdenken und alle Inhaltsstoffe, die in irgendeiner Art und Weise schädlich sein könn(t)en aus den Produkten verbannen. Das Ziel ist es, ein “Label” für die Produkte zu entwickeln, die tatsächlich für jeden Menschen gut verträglich sind.

Auf welche Inhaltsstoffe wird bei Clean Beauty verzichtet?

Da die allgemeingültige Definition für Clean Beauty bisher fehlt, wird auch ständig unterschiedlich interpretiert, welche Produkte und Inhaltsstoffe denn tatsächlich noch unter den Begriff fallen. So findet man bei sämtlichen Herstellern, Online-Shops und Blogs mittlerweile ganz unterschiedliche Listen – die natürlich auch häufig ein gutes Stück weit an die eigenen Produkte, die mit in die “Clean-Beauty”-Kategorie fallen sollen, angepasst werden. Umso wichtiger ist es auch, “Clean Beauty”-Versprechen auf der Verpackung nicht auf eine Stufe mit Kosmetik-Siegeln, die tatsächlich eine feststehende Bedeutung haben, zu setzen. Dennoch gibt es einige Inhaltsstoffe, die auf fast jeder dieser Listen auftauchen. Zu den bekanntesten gehören dabei unter anderem:

  • Silikone
  • Parabene (Konservierungsmittel)
  • Duftstoffe
  • Paraffine (Mineralöle)
  • Alkohole (z. B. Ethanolamine)
  • BHA (Butyliertes Hydroxyanisol – Konservierungsmittel)

“Clean Beauty” als Trend – wo liegen die Probleme?

Ein Grund für die großen Unterschiede in den Listen: “Clean Beauty” orientiert sich bisher zu einem großen Teil an Vermutungen und Erfahrungswerten. Für viele Inhaltsstoffe fehlen bisher die wissenschaftlichen Belege. Der Vorwurf aus vielen Richtungen lautet deshalb: “Clean Beauty” erzeugt vor allem Angst vor vielen Produkten, die bislang als völlig unbedenklich angesehen werden – und es vermutlich auch sind.

Ganz unrecht dürften die Kritiker wohl nicht haben, denn auch beim “Clean-Beauty”-Hype lässt sich etwas beobachten, was sich innerhalb der Kosmetik-Branche mit den Jahren selbst zu einer Art Negativtrend entwickelt hat: Was als gute Idee beginnt, wird von großen Unternehmen für das eigene Marketing übernommen und verliert schnell seine ursprüngliche Bedeutung. “Clean Beauty”-Kategorien findet man mittlerweile in fast jedem Online-Shop für Kosmetik- und Hautpflege-Produkte. Statt den Kunden wirklich einen Hinweis auf die Beschaffenheit der Produkte zu geben, wurde der Begriff selbst aber mittlerweile so weit verwässert, dass er nur noch wenig mit der vermuteten Bedeutung zu tun hat. Da “Clean Beauty” als Begriff nicht geschützt ist, wird er mittlerweile häufiger dazu genutzt, auf die wachsende Nachfrage nach Naturkosmetik aufzuspringen – welche Stoffe sich letztendlich wirklich in den damit beworbenen Produkten befinden, spielt häufig nur noch eine untergeordnete Rolle.

Wer sich wirklich für den ursprünglichen Ansatz der “Clean Beauty”-Bewegung interessiert, darf sich deshalb leider nicht auf Labels oder Kategorien verlassen, sondern muss sich selbst in das Thema einlesen. Sogenannte “INCI-Tester” geben einen sehr guten Überblick über die potenziellen Risiken, die mit bestimmten Stoffen einhergehen und mittlerweile lässt sich auch jeder Barcode in der Drogerie einfach mit einer Inhaltsstoffe-App scannen, um auf einen Blick die wichtigsten Informationen zu erhalten. Grundsätzlich hilft es auch immer, auf den eigenen Körper zu hören und mit der Zeit selbst herauszufinden, welche Inhaltsstoffe die eigene Haut am besten verträgt.