Der neueste Trend in der Bundesliga: Ich leihe mir einen Fußball-Star

Fan-Artikel spülen Geld in die Kasse

Das Spektakel Fußball erfordert immer wieder neue Attraktionen. Wenn sich ein Verein unsicher hinsichtlich eines gewünschten neuen Spielers ist oder nicht über genügend finanzielle Reserven verfügt, dann greift er in letzter Zeit gerne zur Leihe. So haben beide Seiten Gelegenheit zu testen, ob man zueinander passt und ob die Erwarten erfüllt werden können.

Photo by KlausHausmann, Pixabay CC0 Public Domain

Fan-Artikel spülen Geld in die Kasse

Fußball ist schließlich auch in Deutschland ein riesiger Wirtschaftszweig geworden, Investitionen müssen gut überlegt werden. Die Zeiten, wo Fußballfans mit einem Wiener Würstchen das Match auf den schmucklosen Stehplätzen verfolgt haben, sind lange vorbei. Rund um die Spiele hat sich eine große Unterhaltungsindustrie entwickelt.

Das gilt nicht nur für die Stadien, sondern auch für die Zeit davor und danach. Damit die Fans auch in der fußballfreien Zeit ihre Dosis des runden Leders abbekommen, haben die Vereine längst ihr Betätigungsfeld auch auf die Spieleindustrie ausgedehnt. Bekannte Hersteller nutzen Lizenzen, um die Fanlieblinge und ihr Spiel auf die Bildschirme zu bringen. Beim EA Sports-Klassiker FIFA wird der Gamer selbst zum seinem Lieblingsspieler. Er kann dessen Moves nachspielen und sein Team zum Sieg führen. Bei der PokerStars Innovation namens Live Football Studio taucht man in jene Atmosphäre ein, die Fans so sehr am Fußball lieben. Live-Kommentare und Video-Animationen schaffen eine täuschend ähnliche Illusion eines echten Spiels, bei dem man auch auf die Ergebnisse setzen kann. Wer jetzt noch dabei ein aktuelles Bundesliga-Trikot seines bevorzugten Bundesliga-Vereins trägt, hat sich das Spiel endgültig in sein Zuhause geholt. Fan-Artikel zählen zu den beliebtesten Merchandising-Produkten überhaupt. Die Umsätze in Deutschland beliefen sich zuletzt laut Statistia auf 183 Millionen Euro pro Saison. Sie sorgen mit dafür, dass sich die Deutsche Fußball-Bundesliga an der Spitze der besten Ligen der Welt halten kann.

Eine Leihe eröffnet mehrere Optionen

Die Vereine der Deutschen Fußball-Bundesliga haben nur noch wenig Zeit. Am Montag, den 2. September 2019 läuft um 18.00 Uhr die Frist für die Verpflichtung neuer Spieler für die laufende Saison ab. Man kann also davon ausgehen, dass jene Klubs, die noch dringend auf der Suche nach Verstärkungen sind, spätestens jetzt ins Schwitzen geraten sind.

Doch im Vergleich zu früher, haben die Verantwortlichen auf beiden Seiten mittlerweile mehrere Optionen, die das Risiko verringern und einen schnellen Vereinswechsel doch noch möglich machen können. War eine Leihe früher die Ausnahme, so hat sie in letzter Zeit deutlich an Attraktivität gewonnen. Gerade wenn es um die Verpflichtung teurer Stars geht, wollen die Vereine immer weniger das Risiko eines Totalflops eingehen. Mit einer Leihe ist dies in jeder Hinsicht begrenzt. Die Vertragslaufzeit lässt sich reduzieren, die Kosten sind überschaubar und wenn sich der hochgelobte Spieler als Flop erweist, wird er einfach wieder zurückgeschickt. Um ganz sicher zu gehen, dass man ein Top-Talent oder einen Star nicht verliert, wenn er sich als Glücksgriff erwiesen hat, bauen die Manager einfach eine Kaufoption in den Leih-Vertrag mit ein. So ist gewährleistet, dass man bei Bedarf weiterhin Zugriff auf die Dienste des Fußballers hat.

Bayern München macht es vor

Der deutsche Serienmeister hat nicht nur Erfahrung mit dem Thema, sondern auch schon davon profitiert. Die besten Beispiele aus der Vergangenheit sind James Rodriguez aus Kolumbien und Renato Sanches aus Portugal. Ersterer galt als kommender Superstar und konnte sich bei Real Madrid nicht durchsetzen. Er wechselte als Leihgabe zu Bayern München, das nach Ablauf des Vertrages keinen Wert mehr auf die Kaufoption legte. Rodriguez kehrte daraufhin zu Real Madrid zurück. Den umgekehrten Weg nahm der als Riesentalent gepriesene Renato Sanches. Er kam zu Bayern München, konnte die in ihn gesteckten hohen Erwartungen aber nicht erfüllen. Statt ihn zu verkaufen, verliehen ihn die Bayern zunächst an Swansea City. Nach seiner Rückkehr spielte er neuerlich für die Münchnern und wurde in der laufenden Saison endgültig an OSC Lille verkauft.

Offenbar war man in München mit den Abläufen zufrieden, denn auch der aktuelle Top-Transfer basiert auf einem Leihvertrag. Philippe Coutinho wurde vom FC Barcelona ausgeliehen. Der Deutsche Meister spart sich so eine dreistellige Millionenablöse und kann in Ruhe beobachten, ob der Brasilianer in Deutschland einschlägt. Barcelona hingegen erspart sich die Zahlung von Coutinhos Millionengehalt. Nach einem Jahr wird neu verhandelt.

In der Deutschen Fußball-Bundesliga haben längst auch andere Vereine diese Lösung gewählt. Der beste BVB-Torjäger der abgelaufenen Saison Paco Alcáce war ebenfalls eine Leihgabe des FC Barcelona. Christian Pulisic wurde von Borussia Dortmund an den FC Chelsea verkauft und sofort wieder für die Rückrunde geliehen. Borussia Dortmund hat jedenfalls in der Vergangenheit immer wieder Kreativität bei seinen Transfers bewiesen, gut möglich, dass diese ausreichen um nach 2011 und 2012 wieder Meister zu werden. 

Photo by Pexels, Pixabay CC0 Public Domain

Flexibilität ist angesagt

Mit dieser Entwicklung reiht sich auch der Fußball in die schöne neue digitale Welt ein. Die Zukunft wird zeigen, ob diese neuen Vertragsmodelle auch von anderen Vereinen verstärkt in Anspruch genommen werden. Bisher kamen sie vor allem dann zum Einsatz, wenn Eile geboten, oder man sich unsicher, ob der Leistungsfähigkeit von Spielern, war. Eines steht jedenfalls fest: Die Vertrags-Modalitäten im modernen Fußball gleichen sich immer mehr der Wirtschafts-Logistik an, in der Waren blitzartig hin und her verschoben werden. Ob das dem Fußball gut tut oder nicht, bleibt derzeit noch offen.