E-Sports – von einem Jugendtrend zu einer Sportindustrie

Jubelnde Massen und Spieler, die sich auf dem Rasen den Ball zupassen – bis endlich das ersehnte Tor fällt. Ganz klar, hier geht es um Fußball. Richtig, aber nicht in einer Art und Weise, wie es viele Sportfans kennen. Fußballer bestehen nur aus Bits und Bytes. Die Kontrolle über Spieler auf dem Rasen liegt in den Händen nur einer Person – die hinter einem Bildschirm sitzt.

Es geht um E-Sport. In den letzten Jahren hat dieses Segment ein sehr starkes Wachstum erlebt. Heißt: Mittlerweile finden in der Szene Großevents statt, die zehntausende Zuschauer anziehen. Wer bei diesen Veranstaltungen auflaufen kann, wird von den Fans frenetisch gefeiert.

Wo liegen die Wurzeln des E-Sport? Angefangen hat das Ganze in den USA und Asien. Eine besondere Stellung nimmt in diesem Zusammenhang Südkorea an. Mittlerweile sind E-Sports Events ein Phänomen, das aufgrund seiner Popularität nicht nur Spieler rund um den Globus in seinen Bann zieht. Publisher und Sportmarken verfolgen das Geschehen heute mit dem gleichen großen Interesse wie Sportverbände.

Letztere sind inzwischen teils sogar bei den Veranstaltungen namentlich mit vertreten. Was macht die Politik mit dem Thema? Eigentlich wollte sich die Regierung in Berlin mit E-Sports beschäftigen. Allerdings ist von diesen Bemühungen – so das Magazin Giga – derzeit nicht viel zu spüren.

E-Sports gehören mittlerweile zum alltäglichen Leben und gewinnen auch hierzulande immer mehr an Bedeutung. Quelle: @ Gorodenkoff – 169659639 / Fotolia.com

Was ist E-Sport genau?

Der Begriff E-Sport ist in Deutschland seit Jahren immer wieder zu hören. Konkret geht es dabei um einen Wettkampf, den Protagonisten allerdings nicht auf dem Sportplatz oder einer Matte austragen – sondern Mithilfe des PC oder einer Konsole. Mittlerweile ist die Palette der Spiele im E-Sport so breit, dass:

  • Individual-Wettkämpfe
  • Team-Wettkämpfe

stattfinden. Letztere setzen beispielsweise ein sehr gutes taktisches Verständnis bezüglich der Stärken und Schwächen der Gruppe voraus.

E-Sportler brauchen unter anderem:

  • eine ausgezeichnete Hand-Auge-Koordination
  • hohe Reaktionsgeschwindigkeiten
  • sehr ausgeprägtes räumliches Denken
  • ein umfassendes Spielverständnis.

Welche Spiele gibt es im E-Sport?

Die Palette der Spiele geht heute relativ weit. Verbreitet ist das Spielen von Sportgames, zu denen unter anderem:

  • Titel der FIFA-Serie
  • Motorsport-Titel
  • Basketball-Spiele

gehören. Eine sehr große Fangruppe interessiert sich aber auch für Spiele, die keine Sportart simulieren.

Hier haben sich in den letzten Jahren besonders Titel wie Counter-Strike oder DoTA und Starcraft hervorgetan. Weitere Beispiele sind League of Legends oder World of Tank. Einige dieser Titel sind bereits echte Klassiker, die schon Videospielgeschichte geschrieben haben. Gerade in den letzten Jahren haben sich die Entwicklungen sowohl bei den Videospielen als auch im E-Sportsbereich jedoch geradezu überschlagen. Vom ersten Videospiel „Spacewar“ aus dem Jahr 1961 bis zur ersten PlayStation (1994) sind über 30 Jahre vergangen. Schaut man sich hingegen nur die Entwicklung der letzten 15 Jahre an, ist vor allem im technischen Bereich eine Menge passiert.

Die E-Sports-Spiele verbindet teils eine Gemeinsamkeit: Es treten mehrere Spieler in einem Team gegeneinander an. Damit überträgt sich der – aus dem Online Multiplayer Gaming bekannte – Clangedanke auch auf den E-Sport. Was solche Spiele zur besonderen Herausforderung macht, sind die hohen taktischen Anforderungen im Zusammenwirken der einzelnen Spieler. Hintergrund: Häufig übernehmen die einzelnen Spieler unterschiedliche Funktionen.

Ligabetrieb: E-Sports wird professionell

In den letzten Jahren hat die Bedeutung des E-Sports in einer Form zugenommen, die zur Gründung verschiedener Ligen und Verbände geführt hat. Bekannt geworden ist zum Beispiel die Entstehung der NBA 2K League, welche sich an der Spielserie NBA 2K orientiert.

Eine der ältesten Marken im Bereich E-Sport kommt übrigens aus Deutschland. Es handelt sich dabei um die Deutsche Clanliga (DeCL), welche heute als ESL auftritt. Letztere vermittelt einen guten Eindruck davon, wie professionell der E-Sport inzwischen geworden ist. Unter anderem ist die ESL verantwortlich für die:

  • ESL One Series
  • Pro League
  • ESL WC3L Series.

Einen erheblichen Schub erhielt die Szene durch die Beteiligung der Spiele-Publisher an den Ligen und Events sowie durch die Tatsache, dass inzwischen auch Dachverbände wie das IOC (Internationales Olympisches Komitee) auf die Szene aufmerksam geworden sind und – etwa aus Anlass der olympischen Spiele – Veranstaltungen initiieren.

Sportvereine haben mittlerweile E-Sports-Abteilungen

Dass E-Sport mittlerweile plattformübergreifend eine Rolle spielt und auch für reale Sportvereine interessant ist, lässt sich an einem Beispiel zeigen. Anlässlich des Launchs von FIFA 18 hat die Major League Soccer (MLS) mit dem Publisher die eMLS ins Leben gerufen. Und die Mehrheit der MLS-Vereine hat eigene E-Sports Mannschaften unterhalten.

Inzwischen sind viele professionelle Sportvereine dazu übergegangen, eigene Abteilungen zu gründen, in denen sich alles um den elektronischen Sport dreht. In Deutschland trifft dies unter anderem auf:

  • FC Bayern München
  • FC Nürnberg
  • Hertha BSC

zu.

Können Akteure von E-sports leben?

Lange wurden E-Sportler belächelt und waren namentlich nur einem kleinen Kreis bekannt. Spätestens mit den ersten großen LAN-Partys, eGaming-Messen und der Verbreitung des schnellen Internets hat sich daran grundlegend etwas geändert. Heute sind professionelle Spieler Stars der Szene. Ob sich E-Sport für die Akteure auch finanziell auszahlt, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt. Wie sieht die Situation in der Praxis aus?

Mit Turnierpreisgeldern lassen sich Millionen einnehmen. Dieser Eindruck entsteht bei einer sehr oberflächlichen Betrachtung. Zu pauschal sollte das Thema nicht betrachtet werden. Generell haben E-Gamer die Chance (mit dem Aufstieg in die Pro-Liga) auf Gehälter in fünfstelliger bis sechsstelliger Höhe. Allerdings ist dafür regelmäßiges Training erforderlich. Nicht vergessen werden darf zudem, dass E-Sports eine gewisse Hardware und Reisefreudigkeit voraussetzen.

Parallel darf eines nicht vergessen werden: Es geht oft um Teams. 1 Million USD durch 10 geteilt sind noch 100.000 USD pro Nase. Top Spieler kommen in den Mannschaften schnell auf Gehälter von mehr als 100.000 Euro pro Jahr. Einige wenige Profis werden von Teams sogar mit mehreren Millionen pro Jahr bezahlt. Aber: Hierbei handelt es sich um eine Minderheit – quasi die Besten der Besten.

Übrigens: Einige Teams übernehmen für ihre Spieler sogar Ausgaben wie die Krankenversicherung und stellen eine Gemeinschaftsunterkunft. Deren Zwecke besteht darin, möglichst viel gemeinsame Trainingszeit zu ermöglichen.

Wie groß ist das Zukunftspotenzial?

In welche Richtung wird sich E-Sports entwickeln, ist fast schon eine rhetorische Frage. Aufgrund der zurückliegenden Entwicklung ist eines klar: Die Szene ist der Nische längst entwachsen. Inzwischen übertragen Fernsehsender Mitschnitte der großen Turniere. Parallel schaut ein großer Teil der Community online bei den Live Streams zu.

Das Ergebnis ist eine stetig wachsende Fangemeinde. Und damit wird die Szene natürlich noch interessanter – für Publisher genauso wie für Sportvereine, die im E-Sports ein neues Tätigkeitsfeld entdecken.

Mit diesem Zuwachs an Aufmerksamkeit winken für den E-Sport natürlich völlig neue Möglichkeiten. Auf der einen Seite können die Turniere in Zukunft noch größer werden und sich zu riesigen „Happenings“ der Szene entwickeln. Andererseits wird sich die Entwicklung auch für die Spieler zunehmend bezahlt machen – durch höhere Preisgelder.

Risiko Kommerzialisierung

Die Aufblähung und Kommerzialisierung der E-Sport Szene stellt auf der anderen Seite eine gewisse Gefahr dar. Es droht ein Ausverkauf, welcher bei Gamern auf zunehmende Kritik stoßen kann. Dieser Widerspruch ist nicht neu. Vielmehr handelt es sich um eine Entwicklung, welche bereits in verschiedenen Sportarten zu beobachten ist. Gerade wenn Großevents anstehen, stellen sich viele Sportfans (und Kritiker der Kommerzialisierung) die Frage, wie viel Werbung und Marketing für den Sport noch gut ist. Die gleiche Entwicklung könnte auch dem E-Sport drohen.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Branche weiterentwickelt. Quelle: @ ohishiftl – 165636006 / Fotolia.com

Fazit: E-Sport ist ein Massentrend

Mit dem Begriff E-Sport können inzwischen nicht nur ein paar wenige „Nerds“ etwas anfangen. Heute ist der elektronische Sport salonfähig geworden und hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickeln können. Die Akzeptanz geht inzwischen soweit, dass E-Sport in einigen Ländern bereits als Sportart anerkannt wird. Deutschland hält sich diesbezüglich noch etwas zurück. Allerdings ist die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Dafür sorgen nicht allein die Preisgelder, welche auf verschiedenen Turnieren ausgeschüttet werden. E-Sports ist in den letzten Jahren auch für professionelle Sportvereine interessant geworden. Und hier ergeben sich ganz neue Möglichkeiten – auch aufgrund der finanziellen Ausstattung. Das Risiko, E-Sport zu einer leeren Hülle auszuhöhlen und den ursprünglichen Gedanken unkenntlich werden zu lassen, darf aber nicht unterschätzt werden.

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