Gefahren und Bedenken zum Digitalisierungstrend

Die Digitalisierung schreitet in unserer Welt immer weiter fort. Nahezu alles was wir mit uns führen ist mittlerweile digital und kann noch viel mehr als es eigentlich können sollte. Selbst unsere MP3 Player besitzen schon die gleichen Funktionen wie unsere Smartphones. Fahrzeuge haben mittlerweile integrierte Computer, die selbst von großen Chipherstellern gebaut werden. Grafikkartenhersteller NVidia zeigt sich hier für einige der ersten und bisher am besten funktionierenden Systeme verantwortlich. In unserem Zuhause reicht teilweise schon eine Aufforderung an unseren Sprachassistenten und dieser ist in der Lage das gesamte Haus zu regeln, oder Zucker nachzubestellen. Unsere Uhren sagen uns das wir uns heute zu wenig bewegt haben und warnen uns vor anstehendem Gewitter während unser Fernseher zeitgleich als Spielekonsole, Internetcomputer und Videotelefon genutzt werden kann.

Schöne neue Welt sollte man meinen, doch hat natürlich auch die zunehmende Digitalisierung einige Schattenseiten. Über Szenarien wie in Hollywood Blockbustern, als bestes Beispiel dient hier wohl die Terminator Reihe, hat man lange genug diskutiert. Auch die theoretisch möglichen Dinge, die uns in Zukunft erwarten und/oder bedrohen hat man bereits tausende Male in Artikeln behandelt. Aus diesem Grund wollen wir uns realen Bedrohungen stellen. Was ist aktuell, was passiert heute bereits nachweislich und wie kann das weitergehen und vor allem wo befinden wir bereits weiter als Hollywood, denn auch diese Szenarien gibt es bereits!

Abbildung 1 Quelle: Pixabay, CC0 Lizenz, Public Domain

Der gläserne Mensch

In Zeiten von Android und I-Phone nutzen wir unsere Smartphones für nahezu alles. Es gibt sogar Menschen die rigoros ihre Computer verbannt haben und all ihre Geschäfte und Informationen nur noch übers Smartphone erhalten. Das ist auch nicht schlecht, denn unsere Gesellschaft wird seit vielen Jahren immer schneller, Alle wollen Alles und am besten sofort.

Allerdings werden über die Nutzer von Smartphones auch Daten gespeichert und das nicht wenige. So kann man, als Nutzer eines Android Smartphone (99% aller Smartphones außer I-Phone), zum Beispiel einen Teil der über einen selbst gespeicherten Daten einsehen. Hier der Link zu ihren bei Google gespeicherten Daten. Dieser Link führt auf die Seiten von Google My Activities. Sofern sie auf ihrem PC eingeloggt sind können sie nun alles sehen was ihr Google Konto in den letzten Wochen so getrieben hat. Wenn man Einträge liest wie: „angesehen Region nahe Niederkassel“ dann fragt man sich warum Google sogar zufällige Google Maps Öffnungen speichert die weniger als eine Sekunde gedauert haben.

Wer hier einmal unter dem unscheinbaren Punkt „Voice & Audio“ schaut der wird sich wundern, denn Google ha jede einzelne Spracheingabe dokumentiert. Besonders interessant sind hier die Punkte die mit „kein Transskript verfügbar“ bezeichnet wurden, denn das sind zufällige Auslösungen der Funktion „OK Google“. Oder man schaut einmal unter „andere Googleaktivitäten“ und wählt „Standortverlauf“ auch das ist durchaus interessant.

Wer zum Beispiel nach dem Suchbegriff „Alphonso“ sucht, der wird auf den ersten 10 Seiten bei Google maximal Infos über den ehemaligen DSDS Gewinner Alphonso Williams finden, aber lediglich ein einziger Eintrag verweist auf das US amerikanische Startup Alphonso, dessen Software mittlerweile in über 1000 Handyapps und Spielen integriert ist. (Quelle: New York Times)

Abbildung 2 Quelle: Pixabay, CC0 Lizenz, Public Domain

Alphonso ist allerdings keine Software mit der man singen kann, obwohl sie das Mikrofon des Mobilen Endgerätes nutzt. Davon bekommt der Nutzer aber gar nichts mit. Die Software ist gedacht um die TV Gewohnheiten der Nutzer herauszufinden. Sie analysiert gesehene TV Sendungen, Werbespots und co. die Privatsphäre bleibt dabei auf dem trockenen, denn die Geräte müssen 24/7 Daten an die Server übertragen. Die komprimierten Audio Streams die immer wieder aufgezeichnet werden könnten aber nicht nur für Werbezwecke genutzt werden, ansonsten könnte das Unternehmen bei Installation einer App auch ganz klar darauf hinweisen! Immerhin lassen sich damit nicht nur gesehene TV Sendungen und Werbespots erfassen und somit künftige Werbung personalisiert werden, sondern es lassen sich auch Rückschlüsse auf Videospielvorliebe, Musikgeschmack und mehr treffen. Wie würde es ihnen zum Beispiel gefallen wenn sie einen Kredit bei der Bank beantragen wollen und ihr Bankberater in seinen Computer schaut, die Augenbraue hebt und antwortet:“… hmmm sie spielen Online Poker im Internet!? Wieviel verlieren sie da in der Regel monatlich?“. Das passiert zwar so noch nicht, aber unrealistisch ist das nicht. Immerhin entwickeln Amerikaner auch gerade eine Software die Behandlungschancen bei Patienten errechnen soll und dann selbstständig entscheidet: „Ja der Kollege bekommt Aspirin“ oder: „Nein das könnte mit 80% Wahrscheinlichkeit Krebs sein, lass ihn sterben, wird zu teuer!“.

Abbildung 3 Quelle: Pixabay, CC0 Lizenz, Public Domain

Die Realität der Überwachung

Während das Amazon Echo (Abbildung oben) die Möglichkeit bietet das Mikrofon abzuschalten, hoffen wir einfach das es das dann auch macht, bekommen wir von Handyspielen oder der „OK Google“ Funktion diese Option nur über Umwege. Dazu kommt aber auch das es selbst für privat Nutzer schon Spionageapps gibt mit denen man seinen Partner abhören kann. Auch normale Haushaltsgeräte wie Spielkonsolen haben heute Mikrofone und Kameras, Sprachfernbedienungen wie die ebenfalls von Amazon stammende Fire TV Fernbedienung oder Smart TV´s ab der Mittelklasse bieten die Chance von Lauschangriffen.

Aber über diese ganze Technik hinaus sind wir selbst das größte Problem in unserer Gesellschaft. Schnuppert man einfach mal durch die sozialen Medien. Wer zum Beispiel in einer Suchmaschine danach sucht wie viele Menschen gerade öffentlich bei Facebook, Twitter, Pinterest, Instagramm und co. gepostet haben das sie in Urlaub sind, im Krankenhaus liegen oder erst in 3 Tagen wieder zurück sind, der wird erschrocken sein wie sehr diese Menschen darum betteln das man bei ihnen einbricht. Es wäre ein einfaches das persönliche Profil so einzustellen das diese Posts nicht öffentlich einsehbar sind, aber kaum einer schert sich darum. Aber selbst die Einschränkungsfunktion bringt nicht viel wenn „Freunde von Freunden“ ebenfalls unsere Posts sehen können!

Es sind aber gerade auch soziale Medien wie Instagram, Pinterest oder Twitter auf denen die Menschen sich selbst präsentieren wollen. Anstatt wir darüber nachdenken unsere Urlaubsbilder nach dem Urlaub zu posten muss das heute ja direkt noch währenddessen sein. Schön wenn man dann auf einer Kreuzfahrt noch 120 Euro fürs Internet bezahlt hat um die Einbrecher auf dem laufenden zu halten.

Abbildung 4 Quelle: Pixabay, CC0 Lizenz, Public Domain

Der Mensch ist das Problem, nicht die Technik!

Der Trend alles zu digitalisieren ist nicht schlecht. Wir können es nur befürworten wenn ihr diese Seite demnächst auch direkt nach dem aufstehen im Badezimmerspiegel ansehen könnt, warum auch nicht. Ein Kühlschrank mit integrierter Kamera, im Idealfall mit einer RFID Inhaltsliste mit Ablaufdaten, auch eine tolle Sache. Ein Auto das wir auf dem Parkplatz anrufen können und akustische und optische Signale auslösen können, damit wir es wiederfinden, auch toll. Per Zuruf Tierfutter nachbestellen oder uns vom Sprachassistenten daran erinnern lassen das wir morgen noch ein Geburtstagsgeschenk für Oma kaufen müssen, ebenfalls sehr wünschenswert, aber wir selbst sind das größte Problem.

Wenn wir die Problematik der sozialen Medien und der permanenten Selbstdarstellung die wir gerade behandelt haben, einmal weiterführen, dann werden wir schnell merken das die eigentliche Medien Kompetenz der angehenden Influencer Superstars und darüber hinaus auch all ihrer Fans, in der Regel meist sehr gering ist. Eines der besten Beispiele ist das Thema Netzneutralität. Selbst in einem Land wie den USA waren 2/3 aller Wähler, quer durch alle politischen Lager, gegen eine Abschaffung der Gesetze zu freiem und ungehindertem Internet! Ein Land in dem man 75% der Bevölkerung noch einreden kann der Klimawandel sei eine Lüge und man sollte mehr Kohle abbauen und überall Fracking betreiben wo es Ressourcen gibt!

Abbildung 5 Quelle: Pixabay, CC0 Lizenz, Public Domain

Die möglichen Folgen aktueller Entwicklungen

Natürlich wollen wir an dieser Stelle besonders realistisch bleiben und uns an Fakten halten und keinerlei Weltuntergangsszenarien malen. Die in diesem Abschnitt aufgelisteten Folgen sind auch nur mögliche und theoretische, wenn auch wahrscheinliche Folgen der aktuellen Entwicklungen. Aus diesem Grund kann natürlich niemand sagen ob es jemals so kommen wird oder nicht.

Die maximale digitale Überwachung

Jeder Mensch ist mittlerweile überall auffindbar, abhörbar und man kann sogar Videomaterial von seiner Umwelt bekommen. Theoretisch ist das heute alles keine Schwierigkeit mehr. Mit einer Software wie Alphonso, die alles aufzeichnen kann, GPS Positionsbestimmung und über Fake Anrufe oder benachrichtigungen sorgt man dafür das Mobiltelefone aus der Tasche genommen werden, wodurch beide Kameras abgefragt werden können. Unser Kühlschrank zuhause weiß was sich darin befindet!? Tolle Sache, hilft beim Einkauf, zusammen mit den Geschwindigkeitsdaten und Fahrstrecken unseres Autos, der Daten aus unserer Fitness App und unserer Smartwatch kann eine Krankenkasse wunderbar entscheiden wer versichert wird und wer nicht. Natürlich kann man auch abschätzen wenn ein notorischer Raser bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wird, das dieser weiterrasen wird, weil er hat ja auch nichts aus seinen 2 Herzinfarkten gelernt, im Kühlschrank liegt ja immer noch die Großpackung Mettwurst und 25 Eier die wöchentlich nachbestellt werden, also wird er auch daraus nicht gelernt haben. Jeder ist Jederzeit und Überall abhörbar, ansehbar, einsehbar und einschätzbar, da man statistische Daten über jeden und alles hat! Das beste Beispiel ist Amazons erster Supermarkt! Den betreten die Menschen, packen ein was sie haben wollen und verlassen den Supermarkt wieder. Per Kamera erfasst Amazon was wir gekauft haben und bucht die Summe vom Konto ab. Damit verlieren dann alle Kassierer ihren Job und das Unternehmen weiß von jedem Teil das wir gekauft haben.

Das Ende der freien Meinung

Nachdem die Netzneutralität fällt wird zuerst das Angebot und die Konkurrenz für große Internethandelshäuser wie Amazon oder E-Bay vernichtet. Mit horrenden Gebühren, deren Ausfall von den Großkonzernen an die Provider erstattet wird, macht man neuen Shops das leben schwer, sobald sie die Großkonzerne unterbieten. Weiterhin ist die Kontrolle von Informationen und Nachrichten natürlich an der Tagesordnung. Selbst Großunternehmen wie Youtube, die in Zukunft ihre großen Partner alle händisch kontrollieren wollen, bevor etwas online geht, könnten dazu gebracht werden einzelne Inhalte zu entfernen. Kritische Videos werden einfach langsamer dargestellt oder kritische Websites abgeschaltet. Die Internetnutzer werden in eine bestimmte Richtung gelenkt wodurch Wahlen manipulierbar sind, Meinungen und Ergebnisse von Umfragen und Abstimmungen jederzeit beeinflusst werden können, selbst der Ausgang eines Gerichtsprozesses, vor allem bei Geschworenengerichten, kann im Vorfeld beeinflusst werden in dem entlastende Fakten geblockt werden und Belastende Fakten gefördert werden.

Analysen beeinflussen Lebensqualität

Natürlich kann man das Ganze auch weiterspinnen. Dieser Fall ist zwar höchst unwahrscheinlich da ethisch und gesellschaftlich absolut nicht öffentlichkeitswirksam erklärbar, aber das wird niemanden daran hindern es trotzdem zu tun. Arbeitgeber schauen heute schon auf Profile in den sozialen Medien, wissen dadurch unheimlich viel über ihre Mitarbeiter oder ihre zukünftigen Mitarbeiter. Das Ganze kann durchaus von Banken zur Kreditvergabe genutzt werden, Menschen die gerne im Online Casino spielen bekommen keinen Kredit fürs Haus, notorische Raser keine Autofinanzierung und Krebskranke Menschen keinen Fernseher auf Raten. Unfallversicherungen lehnen die Zahlung ab weil jemand Extremsportarten mag und gerne neues probiert, die Krankenkasse fordert das Geld für Ernährungsberatung zurück weil man im Anschluss 25 mal in 2 Monaten im Fast Food Restaurant war und so weiter. Genauso könnte man Kindern, deren Eltern seit 3 Generationen keinen Realschulabschluss gemacht haben den Weg aufs Gymnasium verbieten um keine Staatsgelder zu verschwenden.

Abbildung 6 Quelle: Pixabay, CC0 Lizenz, Public Domain

Die Möglichkeiten und Wege die die Digitalisierung auf negativer Basis gehen kann sind vielfältig. Wir wollen mit diesem Artikel auch niemandem Angst machen, sondern viel mehr aufrütteln und dafür sorgen das sich jeder wieder mehr für einfache Dinge interessiert, wie Datenschutz und was man wirklich braucht. Muss man wirklich seine Heizung per App einstellen können, so das sie anfängt zu heizen wenn man einen bestimmten Umkreis um die Wohnung erreicht? Müssen wir wirklich den ganzen Tag unseren Puls von der Smartwatch gemessen bekommen? Was halte ich persönlich von der Netzneutralität und wie gut bin ich darüber informiert? Vielleicht reicht es ja nicht einfach nur die Kamera vom Laptop abzukleben!