Kratzer im Lack – wer haftet?

Für Kratzer im Lack haftet grundsätzlich immer der Verursacher

Kratzer im Lack sind ein Ärgernis für die meisten Autofahrer. Dabei muss es nicht unbedingt das nagelneue und teure Fahrzeug sein, das zerkratzt ist. Jeder, der sein Fahrzeug liebt, ärgert sich, wenn Kratzer „aus heiterem Himmel“ auftauchen. Natürlich lassen sich Kratzer nicht komplett vermeiden. Insbesondere dann nicht, wenn es sich um Fremdverschulden handelt. Aber hier weiß der Autobesitzer häufig nicht, wie der Kratzer in den Lack gekommen ist und wer dafür verantwortlich ist. Was kann aber im Vorfeld getan werden, ehe doch zum Beispiel zum VW Lackstift gegriffen und versucht wird, selbst die Optik aufzubessern?

Greift hier eine Versicherung?

Welche Versicherung könnte hier greifen, wenn Kratzer ausgebessert werden sollen, die durch Fremdverschulden entstanden sind? Gibt es überhaupt eine Aussicht auf Erfolg, um von der Versicherung den Schaden ersetzt zu bekommen?

Haftpflicht des Versicherers

Natürlich ist die Haftpflichtversicherung des Verursachers dazu verpflichtet, den Schaden zu ersetzen. Allerdings müssen hierfür ein paar Voraussetzungen erfüllt sein. Ein großes Problem stellt bereits die Tatsache dar, dass der Verursacher von Kratzern im Lack meistens nicht bekannt ist. In diesem Fall ist es unmöglich, die Haftpflichtversicherung des Verursachers zu kontaktieren. Ist dieser bekannt, muss er den Schaden der Versicherung melden, damit diese sodann die Kosten für die Reparatur übernimmt. Um sicher zu gehen, dass der Verursacher richtig handelt, kann es in gewissen Fällen vorteilhaft sein, wenn die Polizei gerufen wird. So stellen Sie sicher, dass der Verursacher bzw. dessen Versicherung den Schaden übernimmt. Es ist auch wichtig, dass Sie Fotos von den Kratzern machen.

Teilkasko – Sonderfall Vandalismus

Kratzer im Fahrzeug, die durch Fremdverschulden entstanden sind, werden nur unter bestimmten Umständen zum Vandalismus gezählt. Nämlich dann, wenn auch größere Schäden vorhanden sind wie zum Beispiel Dellen, Glasbruch oder Feuerschäden. Auf Kratzer allein beschränkt kommt die Teilkasko daher nicht zur Anwendung. Besteht tatsächlich Vandalismus, so greift die Teilkasko.

Vollkasko

Diese Variante ist für Lackschäden am effektivsten, aber auch die teuerste Versicherung. Die Vollkasko zahlt grundsätzlich immer, außer man hat grob fahrlässig gehandelt. Sie ist allerdings auch meistens mit einem Selbstbehalt verbunden. Daher ist die Vollkasko Versicherung nicht immer lohnenswert, da die Reparaturkosten meistens geringer sind als die Selbstbeteiligung. Ein weiterer Nachteil dieser Variante liegt darin, dass meistens auch eine Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse erfolgt.

Kratzer selbst entfernen

Nun gut, nicht jeder ist technisch so bewandert, um tiefe Kratzer profimäßig aus dem Fahrzeug zu bekommen. Aber bei leichteren Kratzern gibt es gute Chancen, das Fahrzeug selbst wieder optisch auf Vordermann zu bringen. Besonders kleinere Kratzer lassen sich häufig herauspolieren. Das gelingt mit wenig Aufwand und ist wohl die günstigste Variante. Handelt es sich um einen tieferen Kratzer, so empfiehlt es sich, auf einen Lackstift zurückzugreifen. Dieser ist für viele Fahrzeugmarken und Farben erhältlich und bietet eine gute Möglichkeit, um den Kratzer zu entfernen, auch wenn kein Profi am Werk ist. Den Kratzer selbst zu entfernen ist vor allem dann empfehlenswert, wenn kein Fremdverschulden vorliegt. In diesem Fall ist es meistens nicht lohnenswert, die Versicherung damit zu betrauen. Liegt allerdings Fremdverschulden vor, so kann das Ausbessern durchaus die Versicherung des Verursachers übernehmen bzw. die Kosten dafür tragen.

Fazit

Für Kratzer im Lack haftet grundsätzlich immer der Verursacher. Ist dies eine fremde Person, die sich beim Fahrzeugbesitzer meldet, so erfolgt die Bezahlung des Schadens über die Haftpflichtversicherung des Verursachers. Ist dieser jedoch nicht bekannt, wie das meistens der Fall ist, kann die eigene Vollkaskoversicherung den Schaden übernehmen. Ist die Schadenshöhe jedoch sehr gering, sollten Autoinhaber davon Abstand nehmen, da die Selbstbeteiligung dann höher sein könnte als der tatsächliche Schaden. Eine Teilkaskoversicherung übernimmt Lackschäden grundsätzlich nicht, außer es handelt es sich um Vandalismus und es sind weitere Beschädigungen wie Dellen, Glasbruch usw. vorhanden. Reine Lackschäden werden nicht übernommen.