Privates Carsharing: Mein Auto ist euer Auto

Carsharing ist, vor allem im städtischen Bereich, in aller Munde. Ein Auto, viele Fahrer. Doch in den allermeisten Varianten in Form eines Abo-Modells: Man zahlt dafür, dass man jederzeit Zugriff auf ein Auto des Carsharing-Unternehmens hat. Doch braucht es dazu überhaupt eine Firma? Kann man die Sache im Nachbarschafts-, Kollegen-, oder WG-Kreis nicht auch auf dem ganz kleinen Dienstweg erledigen? Der folgende Artikel geht der Frage nach.

Privates Carsharing ≠ Privates Carsharing

Leider muss dieser Artikel jedoch mit einer Klarstellung beginnen, denn der Begriff „Privates Carsharing“ ist momentan von zwei Systemen besetzt, die aber völlig unterschiedlicher Natur sind:

  1. Man stellt sein Auto privat als Carsharing-Mobil zur Verfügung. Dafür gibt es auf dem Markt mehrere Dienstleister, die als Vermittlungsportal fungieren. Immer dann, wenn man den Wagen nicht benötigt, kann man das per App an das Unternehmen melden, das Auto wird dann zum Sharen freigegeben. Dafür bekommt man Geld. Allerdings, wer das Auto fährt, darauf hat man keinen Einfluss.
  2. Ein Auto wird von einer engen, miteinander bekannten Personengruppe besessen. Alle zahlen formlos in einen Topf ein, sodass die Unterhalts- (und oft auch Anschaffungs-) Kosten des Fahrzeugs bezahlt werden. Daran ist kein Dienstleister, kein Unternehmen beteiligt.

Im folgenden Artikel wollen wir uns ausschließlich auf letzteres fokussieren. Vor allem, weil es eine so einfache Variante ist, die sich gerade für Nachbarschaften (Stichwort Senioren auf dem Land) oder WGs ganz hervorragend eignet.

Warum es Sinn macht

Ein normales, privates Automobil steht ungefähr 23 Stunden am Tag nur herum – kostet aber 24/7/365 Versicherung und Unterhalt. Marktwirtschaftlich gesehen ist das eine Verschwendung reinsten Wassers. Vor allem deshalb, weil das Fahrzeug in der Zeit, in der sein Halter etwa im Büro sitzt, problemlos auch von anderen genutzt werden könnte.

Gleichzeitig befinden wir uns, gesamtgesellschaftlich gesehen, an einem Punkt, an dem Mobilität für viele Menschen unerschwinglich teuer wird – sowohl in privater Form wie ÖPNV-Natur. Ein eigenes Auto ist für viele einfach nicht drin, gleichzeitig sind aber andere Verkehrsmittel, besonders außerhalb der großen Städte, nicht immer eine Alternative. Die Folge: Flucht in die Städte, Wohnungsnot etc.

Hier kommt das private Carsharing ins Spiel. Die zweite Variante, ohne irgendwelche Anbieter. Rein im Kreis von Nachbarn, WG-Genossen, von guten Freunden. Diese Form verbindet viele Vorteile miteinander.

  • Das Auto wird nur von Menschen gefahren, die sich kennen
  • Alle teilen sich die Kosten – und zwar nach einem Prinzip der gleichgroßen Kuchenstücke
  • Die Nutzung bzw. deren Absprache erfolgt formlos, ohne Strohmann, ist somit spontan
  • Es bringt Menschen näher zusammen; kann aus einer vielleicht anonymen Nachbarschaft eine Gemeinschaft machen
Wohngemeinschaften sind längst etabliert – und beileibe nicht nur unter jungen Menschen. Die „Autogemeinschaft“ ist letztendlich nichts anderes.

Vor allem sollte man auch nicht den Effekt vernachlässigen, den ein solches Carsharing bei ländlich lebenden Senioren haben kann. Auf den Dörfern stirbt Infrastruktur seit längerem ab, mit ihr gehen diejenigen im arbeitsfähigen Alter. Zurück bleiben Senioren – die durch das gemeinsame Auto Hilfe zur Selbsthilfe erhalten.

Die rechtliche Seite

Kann ein Auto mehreren Personen gehören? Jein. Rein rechtlich gesehen ist das in Deutschland nicht vorgesehen. Aber die Machbarkeit ergibt sich aus der Erläuterung dreier wichtiger Rechtsbegriffe:

  • Der Besitzer ist der rechtmäßige Eigentümer des Fahrzeugs. Also derjenige, dem das Fahrzeug im rechtlichen Sinne gehört, weil er es beispielsweise gekauft hat. Das ist meistens eine Person oder ein Unternehmen, kann aber auch genau so aus mehreren Einzelpersonen bestehen.
  • Der Halter ist derjenige, der das Verfügungsrecht über das Auto hat. Er ist derjenige, der in den Fahrzeugpapieren als Halter eingetragen ist, der steuerpflichtig ist – wem wer sich ein Auto kauft und auf sich zulässt, ist Besitzer und Halter in Personalunion. Und, ganz wichtig, er ist für die Sicherheit des Autos und seine Verkehrstauglichkeit verantwortlich.
  • Der Fahrer hat nur die momentane Verfügungsgewalt über das Auto. Diese kann ihm entweder durch den Halter oder den Besitzer eingeräumt werden.

Das bedeutet, ein Auto kann zwar nur einen Halter haben (etwa, wenn man ein Auto least, dann ist die Leasingfirma der Besitzer, man selbst aber der Halter), aber rein rechtlich kann es – zunächst – so viele Fahrer geben, wie Halter/Besitzer zulassen. Damit ist auch die Legalität des Carsharings gegeben.

Der Kauf

Ist sich eine Gruppe darüber einig geworden, dass man zusammen ein Auto besitzen möchte, steht nach dem Auswahlverfahren von Bauformen und Modellen letztlich der Kauf an. Hier empfiehlt es sich, sofern das Auto erst angeschafft werden muss (also nicht einer sein Auto allen zur Verfügung stellen will), an, das Ganze vertraglich so aufzusetzen, dass tatsächlich alle Beteiligten als Besitzer des Fahrzeugs auftreten – ferner sollte der Vertrag einen Bevollmächtigten nennen, der als Käufer im Kaufvertrag aufgeführt wird (die einschlägigen Kaufvertragsvorlagen haben meist nicht genug Platz, damit die ganze Gruppe sich eintragen kann).

Die Kaufsumme sollte exakt durch die Anzahl der „Sharer“ geteilt werden. Und sofern alle unterschrieben haben, ist die Sache auch rechtlich wasserdicht.

Zulassung und Versicherung

In Deutschland kann nur eine Person als Halter eingetragen werden. Die Sharer-Gruppe sollte diesen also per Votum bestimmen.

Das Auto wird, wie bereits erwähnt, auf eine Person aus dem Besitzerkreis angemeldet, die dann als Halter auftritt. Wer das ist, sollte auch mit Hinblick auf die Versicherung sorgsam ausgewählt werden. Denn: Die Höhe der letztendlichen Zahlung hängt nur von der Schadenfreiheitsklasse ab. Je länger derjenige, auf den der Wagen versichert wird, unfallfrei gefahren ist, desto höher seine Klasse und desto günstiger die Versicherungskosten.

Allerdings kann die reine Tatsache, dass das Auto für Carsharing genutzt wird, ein Ausschlusskriterium sein. Nicht alle Versicherer erlauben das. Die größten Widerstände gibt es zwar gegen die „andere Form“ des privaten Carsharings, doch auch bei dieser freundschaftlichen, nichtgewerblichen Variante kann es mitunter Probleme geben. Daher gilt: Am besten schon vor der Kaufentscheidung Versicherer kontaktieren.

Die Planung

Kommen wir zu einem nicht ganz einfachen Punkt: Wer bekommt das Auto wann für wie lange? Diese Abstimmung kann knifflig sein oder ganz einfach. Sie kann starr oder flexibel sein, je nachdem, wie man es angeht.

  • Die simpelste, aber starre Lösung ist ein Wochen- oder Monatskalender aus Papier. Da trägt einfach jeder ein, wann er das Auto wie lange benötigen wird.
  • Auch simpel, aber ungleich flexibler sind Gruppen- bzw. Familienkalender-Apps respektive die ähnlich gelagerte Funktion von Google. Jeder Besitzer hat dann den Kalender auf seinem Smartphone und sobald etwas eingetragen wird, wird es für alle synchronisiert.
  • Komplex aber auch flexibel ist die Variante, bei der einfach alle in einer Whatsapp-Gruppe angemeldet sind. Komplex deshalb, weil es hier keine Möglichkeit gibt, etwas längerfristig, übersichtlich festzuhalten.

Wie man es letztendlich macht, ist Geschmackssache. Wichtig ist nur, dass dabei keiner übervorteilt wird.

Die Kosten

Bei Geld hört die Freundschaft auf. Damit genau das wegen des privaten Sharing-Autos nicht passiert, empfiehlt sich eine hieb- und stichfeste Lösung: Nachdem die Fixkosten, sprich, Versicherung und Steuern ausgerechnet wurden, setzt jeder Besitzer von seinem Konto einen Dauerauftrag auf das des Halters (weil von diesem die Summen abgebucht werden).

Beim Kraftstoff kann man ebenfalls so verfahren, dass ebenfalls jeder eine fixe Summe überweist (das kann dann mitunter aber zu wenig sein und zu Reibereien führen, wenn einer auf eigene Kosten nachtanken muss). Sicherer ist jedoch die Mietwagen-Variante: Jeder tankt den Wagen, nachdem er ihn benutzt hat, einfach wieder randvoll. So bezahlen alle nur das, was sie tatsächlich verfahren.

Und für TÜV, Reparaturen und Inspektionen sollten dann einfach alle gemeinsam in einem Topf zusammenlegen – oder der Halter legt vor.

Fazit

Ein Auto im privaten Rahmen zu teilen hat viele Vorteile. Nicht nur für das Portemonnaie aller Beteiligten, sondern auch in einem viel größeren Maßstab. Wenn fünf Leute nur ein Auto statt fünf benötigen, muss nur eines produziert werden. Und wo die fünf nur ein Auto haben, sind weniger gleichzeitig unterwegs oder verstopfen die Parkplätze.

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