Steigende Lebenshaltungskosten, mehr Konsum: Wie verschuldet sind die Deutschen?

Sieben Millionen Deutsche überschuldet

Knapp sieben Millionen Deutsche über 18 Jahren und damit fast jeder Zehnte hat zu hohe Schulden. Während einige Investitionsschulden getätigt haben, aus denen hoffentlich irgendwann Gewinne erwachsen, kämpfen andere mit sogenannten Konsumschulden. Die Überschuldungsquote in Deutschland geht aktuell zwar ein wenig zurück, doch noch immer haben viele Deutsche Schwierigkeiten, ihren finanziellen Verpflichtungen gerecht zu werden. Damit die Schulden nicht irgendwann existenzbedrohend werden, ist es wichtig, die eigene Bonität richtig einzuschätzen.

Verschiedene Arten von Schulden

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Schulden: Investitionsschulden und Konsumschulden. Investitionsschulden sind in der Regel bei Unternehmen anzutreffen. Diese investieren in ihren Ausbau, in eine moderne Technologie oder in die Weiterbildung ihrer Belegschaft. Solche Investitionen zahlen sich langfristig aus und sorgen für Kostenersparnisse oder höhere Gewinne. Im privaten Umfeld treten Investitionen eher in kleinerem Rahmen auf. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn man selbst eine Schulung bezahlt, mit der man bessere Chancen am Arbeitsmarkt hat, oder etwa in Aktien und Anleihen investiert.

In den meisten Fällen sind bei Privatleuten jedoch Konsumschulden anzutreffen. Hierbei handelt es sich um Schulden, die beim Kauf bestimmter Produkte oder Dienstleistungen entstehen. Vor allem Finanzierungsmodelle und Ratenkredite sorgen für eine steigende Zahl an Konsumschulden. Der Nachteil hieran besteht darin, dass sie nicht irgendwann zu steigenden Einnahmen führen, sondern im Gegenteil Kosten in Form von Zinsen verursachen. Deswegen ist es wichtig, solche Konsumschulden so gering wie möglich zu halten und sicherzustellen, dass man seinen Verpflichtungen jederzeit nachkommen kann.

Konsumschulden in Deutschland nehmen zu

Im Jahr 2017 hatten die Deutschen rund 238 Milliarden Euro an Konsumentenkrediten aufgenommen. Diese haben sie eingesetzt, um verschiedene Konsumgüter zu erwerben. Hierbei wurde besonders viel Geld für neue technische Geräte wie Smartphones oder Laptops ausgegeben, aber auch die Finanzierung eines eigenen Autos wird häufig über Konsumentenkredite abgedeckt. Zudem ist es vielen Deutschen wichtig, Freizeitaktivitäten finanzieren zu können und beispielsweise in einem Fitnessstudio angemeldet zu sein oder die Dienste eines Streaming-Anbieters zu nutzen. All dies kostet Geld, das immer wieder durch Konsumentenkredite beschafft wird.

Wer lediglich auf einen einzigen Konsumentenkredit setzt, kann dessen Verpflichtungen in der Regel nachkommen. Allerdings haben viele Deutsche mehrere solcher Kredite laufen, um sich eine Vielzahl von Konsumgütern leisten zu können. Hier kann schnell der Überblick verloren gehen und schon gerät man mit einer oder gar mehreren Raten in Rückstand. Schnell kommen zu Zinsen und Tilgung noch Mahnkosten und Verzugszinsen hinzu, die die regelmäßigen Kosten deutlich erhöhen. Wer hier nicht aufpasst, gerät schnell in eine Abwärtsspirale von steigenden Kosten, die irgendwann nicht mehr finanzierbar sind. Die Folge ist eine Überschuldung oder im schlimmsten Fall sogar eine Zahlungsunfähigkeit.

Die Wahl des passenden Kredits ist entscheidend

Bei der Auswahl eines passenden Kredits ist es darum wichtig, auf einen passenden Anbieter zu setzen, der ein Darlehen auch trotz „Altlasten“ nicht verwehrt. So kann es beispielsweise sehr hilfreich sein, wenn in einer Ausnahmesituation die Zahlungen einmal ausgesetzt werden können. Zudem sollten die Kreditkonditionen so gewählt werden, dass sie möglichst günstig sind und zum eigenen Konsumverhalten passen. Deswegen ist es entscheidend, einen umfassenden Anbietervergleich durchzuführen und auf einen Kredit zu setzen, der zu den individuellen Voraussetzungen am besten passt.

Trotz der vielfältigen attraktiven Finanzierungsmöglichkeiten ist es natürlich immer die bessere Alternative, von Anfang an Schulden zu vermeiden oder zumindest Wege aus der Schuldenfalle zu nutzen. Hierfür ist es wichtig, sich genau zu überlegen, ob ein bestimmtes Produkt tatsächlich gebraucht wird und gekauft werden muss. Diese Frage ist gerade bei Jugendlichen entscheidend, da diese häufig noch kein großes Einkommen zur Verfügung haben, sich aber viele Dinge leisten wollen. Die wichtigste Regel lautet, dass Kredite und das Leihen von Geld die Ausnahme bilden sollten. Damit dies funktioniert, müssen die eigenen Finanzen genau geregelt und kontrolliert werden. Hierbei helfen beispielsweise ein Haushaltsbuch und eine regelmäßige Kontrolle der Kontoauszüge. So sehen die Betroffenen immer auf einen Blick, welche Einnahmen welchen Kosten gegenüberstehen und können gegebenenfalls Anpassungen vornehmen und Geld einsparen.

Die Überschuldungsquote in Deutschland

Die mittlere Verschuldung der deutschen ist von 38.000 Euro im Jahr 2006 auf knapp unter 30.000 Euro im Jahr 2019 zurückgegangen. Viele Forscher gehen davon aus, dass dies auf die wachsende Zahl an Bürgerinnen und Bürgern in der Bundesrepublik Deutschland zurückzuführen ist. Die positive Entwicklung zeigt sich beispielsweise auch in der rückläufigen Zahl der Privatinsolvenzen.

Andere Entwicklungen sind hingegen sehr besorgniserregend. So hat sich die Zahl der Menschen über 70, die überschuldet sind, von 2013 bis 2019 verdreifacht. Hinzu kommt, dass auch bei den 60-69-jährigen eine Zunahme der Verschuldung festzustellen ist. Es droht also eine Altersarmut, da viele ältere Menschen ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Hierbei ist die Verschuldung in Deutschland ganz unterschiedlich verteilt. Während in Süddeutschland vor allem 5%-10% der Bevölkerung verschuldet sind, sind es in Sachsen-Anhalt oder Berlin häufig 15-20%. Die stärkste Verschuldung ist in Bremerhaven festzustellen, wo 22% der über 18-Jährigen zu hohe Schulden haben.

Gründe für eine zu hohe Überschuldung der Deutschen

Es gibt viele unterschiedliche Gründe, die zu einer Überschuldung führen können. In 20,2% der Fälle ist jedoch die Arbeitslosigkeit ein Hauptgrund dafür, dass eine Überschuldung entsteht. Der Verlust des Arbeitsplatzes führt zu einer erheblichen Reduktion der Einnahmen, die bestehenden Verbindlichkeiten müssen aber weiterhin bezahlt werden. Mit 17% auf Platz zwei sind Erkrankungen, Sucht oder Unfälle als Gründe für eine Überschuldung zu nennen. Betroffene müssen sich zumeist auf die schnelle Genesung konzentrieren, weshalb währenddessen in aller Regel die Ausübung des Berufes unmöglich wird, was wiederum geringere Einnahmen zur Folge hat. Das führt schnell zu noch höhere Schulden.

Immer wieder kommt es allerdings auch vor, dass eine schlechte Haushaltsführung zu einer Überschuldung führt. Die Menschen kaufen und gönnen sich Dinge, die sie sich eigentlich nicht leisten können. 13,5 % der Fälle einer Überschuldung sind hierauf zurückzuführen. Es gibt noch viele weitere Gründe, die zu einem solchen Dilemma führen können. Hierzu gehören beispielsweise eine Scheidung oder eine gescheiterte Selbstständigkeit.

Hinzu kommt, dass die Lebenshaltungskosten in den vergangenen Jahren stark angestiegen sind. Das ist insbesondere an der Mietpreisentwicklung erkennbar. Heute müssen Mieter deutlich höhere Mieten aufbringen als noch vor zehn oder zwanzig Jahren, was ebenfalls klaffende Löcher in die Haushaltskasse reißt. Auch in anderen Bereichen haben die Preise teils stark angezogen. Das zeigt sich etwa an den Kosten für Lebensmittel oder an den Versicherungskosten wie zum Beispiel für eine Kfz-Versicherung. Somit ist nicht nur ein gestiegener Konsum, sondern auch gestiegene Preise für die Überschuldung verantwortlich.

Die eigene Bonität richtig einschätzen

Um sich bestmöglich vor Schulden zu schützen, ist es wichtig, die eigene Bonität richtig einzuschätzen. Daher ist es vor jeder größeren Anschaffung unabdingbar, sich die tatsächliche Notwendigkeit vor Augen zu führen. Ebenso obligatorisch sollte es sein, sich die langfristigen Konsequenzen einer Entscheidung bewusst zu machen. Wer beispielsweise eine Bürgschaft für eine andere Person eingeht, kann hierdurch seine eigene Bonität gefährden.

Ein weiteres Kriterium, das in Bezug auf die Bonität zu berücksichtigen ist, ist die Niedrigzinspolitik der EZB. Durch diese werden Kredite zwar vermeintlich günstiger und es lohnt sich, Anschaffungen zu tätigen. Allerdings sollte die Gefahr einer Konsumentenüberschuldung nicht verharmlost werden. Hinzu kommt, dass durch diese Politik das Sparen absolut uninteressant geworden ist. Immer mehr Geldinstitute gehen dazu über, Negativzinsen auf Spareinlagen zu erheben. Auch hierdurch entstehen Kosten, die bei der Einschätzung der eigenen Bonität unbedingt berücksichtigt werden müssen.

Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass mannigfaltige Gründe für die Überschuldung der deutschen Haushalte verantwortlich sind. Mit ein wenig Überblick über die eigenen Finanzen und einer Prise Selbstdisziplin kann einer solchen Situation jedoch schon beizeiten entgegengewirkt werden.

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