Werbung | Stille Resignation

„Für einen Politiker ist es gefährlich , die Wahrheit zu sagen, die Leute könnten sich dran gewöhnen, die Wahrheit hören zu wollen.“

George Bernard Shaw

Um es gleich vorweg zu nehmen: Im Folgenden geht es ganz Allgemein um das Verhältnis der Bürger eines Staates zu ihrer Politik und ihren Repräsentanten. Es werden Beispiele aus Deutschland genannt, ohne damit sagen zu wollen, dass es hier besser, genauso gut/schlecht oder schlimmer ist, als in anderen Ländern. Es werden Beispiele im Bezug auf Parteien genannt, ohne damit sagen zu wollen, dass es bei dieser oder jener Partei besser, genauso gut/schlecht oder gar schlechter wäre.

Was ist nur los mit uns? Wir können uns doch sicher noch daran erinnern, als wir noch Kinder waren, auch, wenn das bei dem einen oder anderen schon etwas länger her sein kann. Wenn wir was kaputt gemacht haben, oder unartig waren, wir darauf von den „Erwachsenen“ angesprochen wurden, und sei es auch auf frischer Tat ertappt worden zu sein, etwa noch mit dem Henkel der Porzellankanne in der Hand, während die andere Hälfte gerecht auf dem Boden in tausende kleine Stücke verteilt lag, war unser allererster Reflex die Antwort: „Ich war das nicht!“ Natürlich nicht, es ist ja auch so bequem, anstelle der unangenehmen Wahrheit, einfach zu lügen. Soweit so schlecht. Aber, wir wurden dann von eben jenen Erwachsenen mit ernsten Gesichtern darauf hingewiesen, dass Lügen kurze Beine hätten und man seinen Gegenüber gerade zutiefst enttäuschte (meist haben die Erwachsenen dann auch bitter ernst drein geschaut, um der Tragweite dieser Aussage den gebührenden Rahmen zu verschaffen). Wurde man dann erneut bei Lügen erwischt, konnte das tatsächlich ernstere Konsequenzen haben (TV-, Playmobil- oder Legoverbot etwa – heutzutage eher Playstation- oder Handyverbot).

Uns wurde also eingeimpft, dass lügen sich nicht gehört und Konsequenzen
nach sich zieht, und sei es „nur“ die Enttäuschung und Wut des
Angelogenen.

Was aber ist daraus im Laufe des Lebens geworden? Ich meine, wir werden
ununterbrochen angelogen, man lügt uns dreist ins Gesicht, ein Lächeln
auf den Lippen, ohne Scham und wenn und aber. Von der Politik, unseren
Repräsentanten. Mal sind es Steuersenkungen, die definitiv kommen
werden, mal sind es höhere Kosten für die Energiewende, die wir nicht zu
tragen brauchen, oder es sind Hilfen für marode Länder, bei denen ja
gar kein „echtes“ Geld fließe, es sich nur um Bürgschaften handle und
uns das überhaupt nichts kosten werde. Im Gegenteil! Ja nee, is klar!

Und wir? Was ist unsere Reaktion auf die immer dreisteren Lügen, das
immer größere Gekungel, die mangelnde Transparenz? Demonstrationen? Ein
organisierter Widerstand? Abstrafung bei den nächsten Wahlen? Weit
gefehlt.Wir nehmen es hin. Wortlos. Müde. Resigniert. Stumm. Warum? Weil
Politiker so clever Lügen, dass uns das nicht auffällt? Ach was! Wenn
sich ein Phillip Rösler im Morgenmagazin des ZDF auf die Frage, ob wir
uns etwas zumindest so fragwürdiges wie das Betreuungsgeld tatsächlich
für 1,3 Mrd. Euro (oder etwas in der Richtung) tatsächlich leisten
sollten, allen Ernstes Antwortet, dass die FDP es ja erreicht habe, dass
das Betreuungsgeld erst im August 2013 kommt, und wir somit schon
etliche Millionen gespart hätten, die wir jetzt woanders investieren
könnten, müssen einem ob dieser Dreistigkeit doch eigentlich die
Cornflakes wieder hochkommen. Ich meine, die Logik unseres
hochtalentierten FDP-Chefs ist also, dass es ok ist, wenn ich mir trotz
der Tatsache, das mein Dispo fast ausgeschöpft ist, einen völlig
unnötigen neuen Tablet-PC kaufe, sofern ich bei der
Ratenzahlungsvereinbarung darauf achte, dass die erste Rate erst ein
halbes Jahr später fällig wird. Da bin ich dann zwar noch immer pleite,
aber bis dahin ist es ja noch hin. Und weil ich ja jetzt sechs Monate
die Raten für die überflüssige Anschaffung, die ich mir eigentlich nicht
leisten kann, „gespart“ habe, kann ich mir mit dem „gesparten“ Geld
doch gleich eine schicke Ledertasche, eine Dockingstation und extra
Speicherkarte für das Gerät gönnen. Rösler-Logik live erlebt!

Ach ja, dass der kleine Phillip „vergessen“ hat, den Leuten da draußen
zu erzählen, dass wir trotz des Spartalents unseres Rösli-Spar-Fuchses
die Hilfen für arme Länder kürzen und somit faktisch die ärmsten der
Armen mit ihrem Leid dafür bezahlen, dass Mutti-Schmidt in Rosenheim ihr
Bauern-Balg zuhause lassen kann, das mag keiner so recht sagen.

Und wie war das doch gleich mit der Energiewende? Keine Angst, ihr
Trottel-Wähler, ganz entspannt, die wird Euch doch kaum etwas kosten.
Und dann? Hoppla, wir mussten die großen Firmen ja vor Mehrkosten
verschonen, sonst ziehen die alle sofort ab dem 01.01.2013 mit ihrem
gesamten Betrieb, der gesamten Fabrikanlage und der Infrastruktur nach
China. Ich habe auch schon gesehen, wie einige aus dem Mercedes-Vorstand
die Schaufeln gezückt haben, um die Autobahn als Geisel mit nach China
zu nehmen, sollten die größeren Firmen tatsächlich an den Kosten der
Energiewende beteiligt werden. Tja, und wer darf stattdessen blechen:
Wir natürlich, der Durchschnittsbürger und Wähler-Trottel. Aber, psst..
nicht zu laut darüber reden, sind ja schließlich bald wieder Wahlen.

Wie war das mit den Hilfen für Griechenland? Unabhängig davon, ob
selbige notwendig waren/sind und ob das Schicksal der EU und der
restlichen freien Welt davon abhing und abhängt, warum werden wir dreist
angelogen? Hey Leute, haltet doch alle mal schön Euren Rand, das ist
kein Geld, das sind Bürgschaften, die werden eh nie fällig. Hm. Also ist
es jetzt nicht so, dass es unser Steuergeld ist, dass im kommenden Jahr
quer durch Europa fliegt? Also ich hätte schon Lust, eine fette Villa
in Berlins Edelbezirk Grunewald für 6.000,00 € monatlich zu mieten. Wenn
mich der Vermieter dann nach einem Bürgen fragen sollte, schiebe ich
einfach Schäuble mit zur Vertragsunterschrift. Wenn der mich dann
fragend anschaut, warum er mit seinem Privatvermögen für den völlig
unwahrscheinlichen Fall, dass ich mir die so günstige Villa (Hallo? Die
hat nen Pool!) in der Folge doch nicht leisten kann, haften soll, werde
ich ihn mit einem Lächeln im Gesicht darauf hinweisen, dass das doch
kein Geld ist, für das er dort unterschreiben soll, es ist doch nur eine
Bürgschaft. Tja, Wolfi, tut weh, wenns ums eigene Geld geht, nicht
wahr?!

Gut, die Steuersenkungen sind ja wirklich gekommen, nur leider nicht zu
mir. Schade, dass ich kurze Zeit vorher mein 5-Sterne-Hotel verkauft
habe und sich der Erwerber nun über das Geschenk unserer Freunde freuen
kann. Naja und von den Geschenken an die Apotheker habe ich leider auch
nichts, hatte das Hotel leider samt Apotheke im Erdgeschoss verkauft.

Über den Fall des Herrn Wulff und die Krönung der Abgezocktheit möchte
ich mich gar nicht mehr aufregen, befürchtend, dass bei vergleichbaren
Behauptungen eines Bürgers mit Migrationshintergrund und rudimentären
Deutschkenntnissen solche Einlassungen als Schutzbehauptungen, denen man
keinen Glauben schenken sollte, eingestuft worden wären. Achsooo, Herr
Angeklagter, die Mutti Ihrer Frau hat ihr zu Weihnachten 8 Monate vorher
das Geld geschenkt, welches sie zuhause lagerten, obwohl Ihr Konto mit
2.000,00 € zu monatlich 16% Zinsen im Dispo war und dann Ihrem
Geschäftspartner in Bar in einer Hotellobby ohne Quittung überreichten.
Na klar. Wie nachvollziehbar. Freispruch! Um nur ein Beispiel von
unzähligen zumindest fragwürdigen Einlassungen in der Causa Wulff zu
erwähnen…

Die Liste der Beispiele lässt sich noch so lange fortsetzen (die
Wiedervereinigung wird den Bürger keine Mark kosten?! Gut, Mark nicht,
dafür aber noch heute etliche Euro) und es wäre zum totlachen, wenn es
nicht so traurig wäre. Eigentlich müssten wir uns empören, wir müssten
auf die Straße gehen, irgendeine erträgliche Kleinpartei mit Stimmen
zuschütten (gibt’s die grauen Panther noch?) und streiken, boykottieren,
etc., etc. – eigentlich. Aber leider machen wir gar nichts. Wir nehmen
es hin und resignieren stumm. Irgendwie schade.

Foto – © Marko Cerovac – Fotolia.com