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Ford Mustang GT Fastback – Euro-Pony

Einmal wie Steve McQueen im Ford Mustang mit V8 über die Straßen von San Francisco eilen – für die meisten ein unerfüllbarer Traum. Zumal man bei auch nur leicht erhöhter Geschwindigkeit fest mit beiden Beinen hinter schwedische Gardienen wandern würde. Bei Frank Bullit aus dem gleichnamigen Hollywood-Klassiker, sah es aber unglaublich cool aus, wie er die Kriminellen mit seinem grünen 1968er Mustang Fastback verfolgte. Ein Traum, der hier in Deutschland seine Reinkarnation feiern kann.

Ok, erwischt: Unser Ford Mustang 5.0 Fastback ist nicht grün. Dafür wirkt sein Deep-Impact Blue mindestens genauso passend und steht ihm ganz ausgezeichnet. Natürlich unterscheiden den Klassiker und das aktuelle Modell Welten, doch was zählt ist der Geist der Geschichte, der in jedem Quadratzentimeter wohnt. Wie sein historisches Vorbild fährt er mit einem großvolumigen Achtzylinder-Motor vor, bollert bereits im Stand vernehmlich, ist hier und da mit einem Pony versehen und hat dieses typische „Fließheck“. Aber bleiben wir lieber beim Ausdruck „Fastback“, schließlich klingt die deutsche Variante schrecklich nach Opel Vectra A mit Holzperlen-Sitzbezügen und Klo-Rollen-Mützchen auf der Hutablage…

Das absolute Highlight der aktuellen Variante ist aber weder sein atemberaubendes Design, noch der V8 oder die Leistung von 421 PS. Nein, ich spreche von etwas grundlegend Anderem: Die Verfügbarkeit. Noch nie in der über fünfzigjährigen Geschichte des Ford Mustang gab es das Wildpferd offiziell in Deutschland zu kaufen – bis jetzt! Musste man bis vor kurzem noch den Importeur seines Vertrauens aufsuchen, reicht nun der Klick in den offiziellen Konfigurator auf der Ford-Website oder gar der Schritt ins Autohaus. Hier wird man eventuell aus den Cow-Boy-Stiefeln fallen, wenn man die Einstiegsversion erblickt.

Die Rede ist nicht vom Look, sondern vom Preis. Los geht es bei 38.000 Euro – ein Kampfpreis. Doch sobald man diese freudige Nachricht verdaut hat, wird es einem den Hamburger aus der Hand schlagen: Unter der Haube werkelt ein Vierzylinder-Motor! Skandal, Schande, Blasphemie? Oder einfach nur der Trend zum Downsizing. Schließlich leistet dieser Motor beachtliche 317 PS und holt diese mit einem Turbolader aus 2,3 Litern Hubraum. Kommt einem bekannt vor? Klar, schließlich werkelt das Aggregat in ganz ähnlicher Form im Ford Focus RS und wird dort zurecht gefeiert. Aber in einem Mustang?

Die Tradition schreit nach einem V8-Motor mit dickem Hubraum! So sei es: Für gerade einmal 5.000 Euro Aufpreis verdoppelt sich die Zylinderzahl und der 5.0 Liter Acht-Ender schlummert unter der gewölbten Haube mit ihrem ausgeprägten Powerdome. Damit verzichtet man zwar auf die Turbo-Aufladung des „Einstiegsmotors“, bekommt als Schmerzensgeld aber 431 PS Leistung und einen Sound, der bei jedem noch so kleinen Gasstoß immer wieder für Gänsehaut sorgt. Das Grinsen ist kaum von den Lippen zu bekommen und den moderaten Aufpreis jeden Cent wert.

Zumal der V8 nur mit der gehobenen GT-Ausstattung erhältlich ist. Sie bietet in aller erster Linie Features, die besonders dem Fahren zuträglich sind. So sind 19-Zoll-Räder mit 255er Reifen vorn und 275er Pneus hinten ebenso inbegriffen, wie eine enorm standfeste 6-Kolben Brembo Hochleistungsbremse. Hätte Frank Bullit diese Zutaten damals schon gehabt, wäre die nervenaufreibende Verfolgungsjagd sicherlich nicht so faszinierend ausgefallen.

Neben diesen Details kommt aber auch der Komfort nicht zu kurz. Die GT-Variante bietet – so nennt sich die mit dem großen Motor verknüpfte Ausstattung – beispielsweise Ledersitze, eine Klimaautomatik, den typisch amerikanischen Tempomaten oder sogar Xenon-Licht. Gerade das ist ganz unamerikanisch, macht das Gesamtpaket aber noch appetitlicher. Wenn man dann noch das Premium-Paket für gut 2.500 Euro wählt stattet man den Ford Mustang GT Fastback nahezu voll aus. Es beinhaltet ein Navigationssystem mit der recht logischen, hauseigenen Benutzeroberfläche Ford Sync 2 und lässt sich über einen Touchscreen bedienen.

Hinzu kommt ein Soundsystem mit 12 Boxen, das für satten Klang sorgt. Aber die Musik spielt doch eigentlich unter der Motorhaube, oder? Bevor wir aber nun zu den Fahreindrücken kommen, sei noch der Vollständigkeit halber erwähnt, dass man sich die Recaro-Sportsitze für 1.800 Euro Aufpreis gönnen sollte. Sie bieten einen guten Kompromiss aus Halt und Komfort, überfordern aber auch niemanden mit einer Schraubstock-Attitüde.

Wie dem auch sei, was beim Ford Mustang GT zählt, ist das Fahren. Ganz gleich, ob nun das Premium-Paket mitgeordert wurde oder die Optionssitze. Also den Zündschlüssel ins Schloss stecken und umdrehen. Pustekuchen: Der bartlose Smart-Key wandert in den Cupholder, da das wilde Pony neumodisch per Startknopf aus dem Schlaf geweckt wird. Egal, an dieser Stelle kann man auf den klassischen Bezug pfeifen. Also Bremse getreten und Knöpfchen gedrückt: Nach einem kurzen Anlasser-Schnarren erwacht der singfreudige V8 zum Leben und stellt die Nackenhaare ein erstes Mal auf. Das Lied, das hier gespielt wird, ist amerikanischer Achtzylinder Rock´n´Roll vom Feinsten.

Typisch amerikanisch auch die Getriebewahl: Das Schalten übernimmt eine Automatik. Zwar schaltet der Wandler mit seinen sechs Stufen meist treffsicher und verrichtet seinen Dienst an sich gut. Aber in einen Sportwagen gehört eine Handschaltung – auch in einen amerikanischen. Die Handschaltung bietet ebenfalls sechs Gänge, erhöht zu allem Unheil auch noch den Verbrauch von rund 12 auf 13,5 Liter. Aber sie bietet einen entscheidenden Vorteil: Nur mit ihr lassen sich so herrlich gezielte Zwischengasstöße geben, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft.

Doch unser Ford Mustang GT hat nun mal den Wandler und macht seinen Job ebenfalls hervorragend. Besitzt man etwas Feingefühl im rechten Fuß, kann man den Fastback in der gleichen Zeit von Null auf Einhundert jagen, wie mit dem Handschalter. Für diese Übung muss man im Optimalfall nur 4,8 Sekunden einplanen. Schluss mit dem Vortrieb ist bei politisch korrekten 250 km/h, aber das ist kaum von Bedeutung. Schließlich ist der Weg dahin das Ziel – immer und immer wieder.

Auf einer leeren Autobahn ist es ein Heidenspaß den Amerikaner über das Drehzahlband von Gang zu Gang zu fordern. Die Soundkulisse reicht dabei von Yacht-artigem Bollern bei niedrigen Drehzahlen, über düsteres Grollen im mittleren Drehzahlbereich bis hin zum bassig-grölendem Hard-Rock beim Ausdrehen. Ein hervorragendes Mittel, um zu zeigen, dass man überholen möchte, schließlich ist der Ford Mustang Fastback GT bei hohen Drehzahlen kaum zu überhören.

Wie sieht es aber abseits der Autobahn aus? Muscle und Pony Cars genießen nicht gerade den Ruf herausragende Kurvenkünstler zu sein. Schnell auf der Geraden und dann? Dann kommt für viele der Aha-Moment: Der Ami kann beides. Aufmerksam in die Kurve geworfen, zieht er sauber und straff gefedert seines Weges. Dabei gibt er klare Rückmeldung von der Topologie der Straße und demonstriert sich damit als echtes Fahrerauto.

Dennoch ist diese Rückmeldung durch die vorhandene Straffheit nicht so überbordend, dass man lange Etappen ausschließen muss – der Mustang ist zwar firm aber nicht unbarmherzig hart. Das lässt sich auch von der Lenkung behaupten. Einer ihrer entscheidenden Vorteile liegt allein schon im Konzept des Heckantriebs, der Antriebseinflüsse ausscheiden lässt. Darüber hinaus muss man schon beherzt zupacken, da die Servounterstützung dezent geriet und das Feedback zu den Vorderrädern nicht weichspült.

Den Könnern und Kennern wird sich eine besonders wichtige Frage stellen: Ist das ESP deaktivierbar? Ja, so wie es sich gehört. Und damit lassen sich geradezu leichtfüßig Heckschwenks erzeugen, dass es eine wahre Freude ist. Wie es manche Amerikaner in unzähligen Youtube-Videos schaffen, ihren Ford Mustang am Bordstein zerschellen zu lassen, bleibt ein großes Mysterium. Schließlich ist es um die Rückmeldung des Wildpferdes bestens bestellt und Hinterlist ein Fremdwort für ihn. Beim beherzten Tritt auf das Gas kommt das Heck (ohne ESP nur angedeutet und dann unterbunden) – glasklar und gut dosierbar.

Schließlich gibt der 5.0 Liter V8 seine Kraft sauber und linear ab. Und an der alten Weisheit, dass Hubraum durch nichts zu ersetzen sei, als durch noch mehr Hubraum ist immer noch etwas dran. Klar, der Ford Mustang GT ist nicht der schnellste Sportwagen aller Zeiten. Aber es ist die Art und Weise, wie er seine Kraft darbietet. Sie ist immer vorhanden, bullig-beruhigend und überfordert nicht.

Gibt es bei all der Lobhudelei auch Abstriche? Klar, die gibt es immer. Der Verbrauch von rund 13 Litern ist nicht von Pappe, das ist nicht zu leugnen. Vergleicht man diesen aber mit einem leistungsstarken Vierzylinder-Turbo, liegt er nicht wesentlich über diesem, nutzt man das Potential der kleinen Maschine aus. Und auch die Verarbeitung im Innenraum lässt etwas zu wünschen übrig. Von Premium ist sie weit entfernt.

Aber man erwartet beim Dargebotenen wohl kaum, vor allem bei seinem Sensationspreis, dass hier ein haptischer Hochgenuss vorfährt. Zum Schluss gibt es noch zwei weitere Kritikpunkte. Punkt eins: Die Automatik mag gut funktionieren, doch beraubt sie den Ford Mustang GT Fastback seiner Emotionen. Punkt zwei: Der Mustang wurde pünktlich abgeholt und ist nicht mehr bei mir. See you soon, Pony!

Ford Mustang GT Infos

Wer mehr über den Ford Mustang GT erfahren will, findet hier alle Details zu Ausstattungen, Preisen, etc. Eine Liste mit den Händlern, die den neuen Ford Mustang GT in Deutschland anbieten, ist dort ebenfalls zu finden.