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Mazda 6 Facelift – Im Detail verfeinert

Die automobile Mittelklasse – gibt es so etwas noch? In Zeiten von immer weiter verschwimmenden Fahrzeugklassen und Crossovern ist es meist schwierig ein Fahrzeug einzustufen. Zumal die heutige Mittelkasse zumeist als Geschäftswagen genutzt wird, da die Preise für ein gut ausgestattetes Fahrzeug weit von „mittel“ entfernt sind. Die Japaner bleiben sich mit dem neuen Mazda 6 jedoch treu und bedienen dieses alt-vertraute Segment mit einer Limousine und einem Kombi –auch nach dem Facelift. Und bei eben jenem muss man schon sehr genau hinsehen, um es als solches auszumachen. Verbesserungen fanden im Detail und vor allem auf der technischen Seite statt.

Warum auch nicht, das Design des Mazda 6 ist sehr ansehnlich und gab nur wenig Anlass für Verbesserungen. Zwar wurden die üblichen Retuschen vorgenommen, doch so recht mag man dem Mittelklasse-Modell nicht ansehen, dass es überarbeitet wurde. Das ist gut für diejenigen, die sich für einen gebrauchten 6 interessieren und auch gut für die Verkäufer – schließlich ist ihr Verkaufsgegenstand nah am aktuellsten Modell. So kommt es wohl auch, dass das Exterieur nahezu unangetastet blieb.

Dafür wurden die Schürzen vorn wie hinten etwas anders gestaltet, die Rückleuchten mit einer neuen Grafik aufgewertet und … nun ja – das war es auch schon. Das kümmert aber auch nicht weiter, schließlich gehört der Mazda 6 zu den Schönlingen im Segment. Interessant nur, dass sich im Konkurrenzumfeld viele Kandidaten für ein eckiges und kantiges Design entscheiden, während die Japaner strikt bei den weichen, fließenden Linien bleiben. Uns gefällt es nach wie vor.

Nicht neu ist zudem, dass es den gelifteten Japaner nur noch in zwei Karosserie-Varianten gibt: Man hat die Wahl zwischen der Limousine und dem Kombi. Das war´s. Beim Vorgänger gab es noch die Fließhecklimousine, die ebenfalls ihre praktischen Vorzüge hatte. Doch dieses Design ist wenig gefragt, es sei denn, man nennt es viertüriges Coupé – aber das ist eine ganz andere Frage.

Bleiben wir bei den Neuerungen des Mazda 6. Besonders interessant ist die G-Vectoring-Control. Arbeitet ein Sperrdifferential über einen Bremseingriff bzw. mit der Umverteilung der Motorkraft auf das Rad mit dem besten Bodenkontakt, spielt die G-Vectoring Control eine andere Karte aus. So bekommt das kurvenäußere Rad zwar auch mehr Kraft zugeteilt, doch geschieht dies auf anderem Wege und mit einer besonderen Einschränkung: Nur die hauseigenen Motoren sind dazu fähig.

Wie das? Dank ihres enorm schnellen Ansprechverhaltens von gerade einmal 40 Millisekunden, können sie eine schnelle Momentenverteilung an die angetriebenen Räder bewirken. Ein zwischengeschaltetes Differential ist damit nicht mehr nötig. Im Mazda 6 ist es zum Facelift serienmäßig und kommt demnächst im Mazda 3. Es ist immer aktiv und arbeitet unabhängig vom Lenkeinschlag. Wirkung: Lenkkorrekturen werden durch das System überflüssig, Unter- und Übersteuertendenzen werden ausgeglichen.

Außerdem kann das System auf Seitenwind reagieren und ihn ausgleichen. Insgesamt dreht das Auto beim Kurvenfahren müheloser ein, ist also kurvengierig, und läuft besser geradeaus. Und das merken sogar die Passagiere, die nicht am Steuer sitzen: Ihre Oberkörpermuskulatur wird spürbar entlastet, sodass man die G-Kräfte – deshalb auch G-Vectoring Control – nur noch wenig ausgleichen muss. Das Fahren wird also entspannter und stressfreier.

Optimierungsbedarf scheint es auch bei den Fahrassistenzsystemen gegeben zu haben: sie wurden nicht nur verbessert, sondern die Auswahl ausgeweitet. So vertrauen die Japaner mit dem Facelift auf eine hochauflösende Kamera anstatt eines Lasers. Sie bietet einen neuen, höheren Standard bei den Assistenten, die damit arbeiten, wie etwa dem Fernlichtassistenten, dem aktiven Spurhaltesystem, der Verkehrszeichenerkennung oder der City-Notbremsfunktion bis 80 km/h. Hinzu gesellt sich beim neuen Mazda 6 eine Ausparkhilfe, die für mehr Sicherheit in unübersichtlichen Situationen sorgen soll. Das soll auch der Spurwechselassistent Plus bewirken.

Auf langen Autobahnetappen wird man die neue adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Bremseingriff zu schätzen lernen, die bis 160 km/h arbeitet. Nicht nur hier zahlen sich die neuen Voll-LED-Scheinwerfer aus, sondern auch in der dunklen Jahreszeit auf Überlandfahrten.

Mazda 6 Facelift 2017

All das führt in seiner Gesamtheit schon zu dem, was Mazda primär beim Facelift erreichen wollte: Eine Steigerung des Komforts. Vor allem mit der G-Vectoring-Control haben die Japaner ein echtes Ass im Ärmel. Doch das genügte ihnen nicht. So wurde etwa die Geräuschdämmung verbessert – in allen Bereichen. Egal ob Wind-, Abroll- und Motorengeräusche. Auch der große Diesel, der Skyaktiv 175 wurde im Detail optimiert. Galt er bislang schon nicht gerade als lauter oder rauer Zeitgenosse, genügte das den Ingenieuren nicht.

Bei rund 3.500 Umdrehungen waren  minimale Resonanzschwingungen zu spüren, die nur die feinnervigsten Naturen verspüren konnten. Doch das war für Mazda Grund genug etwas zu unternehmen: Ein um 20 Gramm schwererer Schwingungstilger verhindert nun das Phänomen. Der ist aber auch damit ein kräftiger Zeitgenosse, der beim Durst geizt. Gerade einmal 4,5 Liter sollen im Durchschnitt durch die Brennräume fließen.

Alles beim Alten hingegen bei den Ausstattungen, was ein wenig schade ist. Grund dafür ist die Optionspolitik von Mazda. Wählt man die Basis, kann man den günstigen Grundpreis von 25.690 Euro kaum steigern. Optionen sind hier schlicht nicht vorgesehen. Allerdings muss man dazu sagen, dass die Prime-Line – so nennt sich die Basis – ab Werk schon gut ausgestattet ist. Auf ein Audio-System muss man hier ebenso wenig verzichten, wie auf eine Klimaanlage oder auf 17-Zoll-Leichtmetallräder. Den Einstieg macht man hier mit dem 2.0 Liter großen Benziner mit 145 PS, der ebenfalls über die Skyaktiv-Technologie verfügt und bereits ein durchaus dynamischer Zeitgenosse ist.

Über der Prime-Line rangieren die Ausstattungen Exclusive- Line und Sports-Line. Empfehlenswert scheint das Sondermodell „Nakama“, das einen Preisvorteil in Höhe von 2000 Euro verspricht. Interessant bei Mazda ist, dass es keinen preislichen Unterschied zwischen der Limousine und dem Kombi gibt. Erfreulich, schließlich ist Deutschland Kombiland, was den Anteil der praktischen Kastenwagens von rund 86 Prozent erklärt.

Einen Löwenanteil an den Verkäufen macht zudem die Topausstattung aus, die für rund 43.000 Euro im Showroom steht. Eine Stange Geld, doch die Hauptkonkurrenten vom Schlage eines Ford Mondeo oder Volkswagen Passat sind nicht günstiger – ganz im Gegenteil. Dafür erhält man aber den großen Diesel mit 2.2 Litern Hubraum im Mazda 6, den Skyactiv D 175 mit Sechsstufen-Automatik und Allradantrieb.

Leider ist hier immer noch das Infotainment der Vor-Facelift-Version enthalten. Mazda bietet zwar ein aufgeräumtes Cockpit mit einer ausgereiften Bedienung an, doch die Konnektivität ist nicht auf dem neuesten Stand. Android Auto oder Apple CarPlay sucht man vergebens. Ob das die Käufer aber davon abhalten wird, die neue Version des Mazda 6 zu kaufen? Wir glauben kaum!

Weitere Informationen findet ihr unter www.mazda.de