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Mitsubishi L200 – Euro-Pick-Up mit Tradition

Es war 1978, da erblickte die erste Generation des Mitsubishi L200 das Licht der Welt. Damals noch als „Forte“ firmiert, wurde der Pick-Up auch nach Deutschland importiert und ist hier nun seit Generationen erfolgreich. Unser Testfahrzeug entstammt der mittlerweile fünften Generation und ist ein waschechtes Nutzfahrzeug, ohne jedoch moderne Technik oder den Komfort zu kurz kommen zu lassen. In unseren Breitengraden ist L200 als Single-Cab, als Club Cab oder als Doppelkabine erhältlich – wie der Testwagen. Erster Eindruck: Der Mitsubishi ist über die Generationen gut gereift und darf als Vollwert-Auto gelten. Oder doch eher als LKW?

Zum Marktstart des Mitsubishi Fort im Jahr 1978 kooperierten die Japaner noch mit Chrysler, die den Pick-Up unter dem Namen Dodge Ram bzw. Plymouth Arrow vertriebe. Klingt irgendwie cooler als „Forte“, oder? Aber die Zeiten sind schließlich vorbei und der Forte der ersten Generation vorwiegend im Nahen Osten bzw. in Afrika unterwegs. Kein Wunder, genießt er einen Ruf als Langläufer und ist äußerst robust. Ein Eindruck, der sich auch in der aktuellen Generation festigt.

Nach einer Pause von rund fünf Jahren stand schließlich der nächste Pick-Up aus japanischer Hand an, der Strada. Dieses Mal wurde das Nutztier ohne Partner entwickelt, sondern war eine Mitsubishi-Eigenentwicklung und ähnelt stark dem Pajero der 1990er Jahre. Während die dritte Generation in unseren Gefilden eher ein Schattendasein fristete, aber immerhin rund zehn Jahre produziert wurde, kommt einem der Nachfolger durchaus bekannter vor. Er wurde ebenfalls zehn Jahre gebaut und hörte endlich auf den Namen Mitsubishi L200. Hier kam erstmals eine neue Konzeptbezeichnung hinzu – SUT. Die drei Buchstaben stehen für Sports Utility Truck und zeigen, wohin die Reise geht. Der L200 ist mehr zum Lifestyle-Truck geworden, ohne jedoch sein Potential abzuwerfen. Nicht umsonst verwendet er den vom Pajero entliehenen Allradantrieb.

Im November 2014 wurde schließlich die aktuelle Variante des Mitshbishi L200 gezeigt, der sich viele Komponenten sowie seine Plattform mit dem Fiat Fullback teil. Der japanische Pick-Up ist als Doppelkabine, wie unser Testwagen, als Club Cab mit gegenläufig öffnenden Türen oder als Einzelkabine erhältlich. Je nach Wahl der Karosserie steht bis zu fünf Personen ein Sitzplatz zur Verfügung. Allen Varianten gemein ist hingegen das einheitliche Design – mal abgesehen von den Türen. So ist die Front gekennzeichnet von einem ernsthaften Blick aus den – je nach Ausstattung – optionalen Xenonscheinwerfern. Hinzu gesellt sich der Kühlergrill in Chrom-Ausführung sowie ein optionaler Bullenfänger. Damit wirkt der Japaner richtig martialisch und baut auf die klassischen Pick-Up-Tugenden auf.

Seitlich betrachtet ergibt sich erst die ganze Pracht des Mitsubishi L200. Erst hier sieht man ihm seine Gesamtlänge von gut 5,28 Metern an. Betont wird sie zusätzlich von einer Sicke, die vorn in den Kotflügeln beginnt und sich bis ins Heck zieht. Hinzu kommen große, bauchige Radkästen sowie Trittbretter aus verchromten Rohren. Mittlerweile typisch für den Mitsubishi L200: Die nach hinten ansteigende Fensterlinie mit samt des unteren Einzugs hin zur Ladefläche.

Auch von hinten erblickt man einen Pick-Up. Das auffälligste Merkmal sind noch die L-förmigen Rückleuchten. Besonders praktisch ist hingegen die Stufe in der Heckschütze, über die man die Ladefläche entern kann, um vernünftig an das Ladegut zu kommen. Installiert war zudem die Laderaumabdeckung „Sport 2“ inklusive eines massiven Überrollbügels. Sie bietet einen robusten Schutz für das Transportgut und ist nur für die Doppelkabine erhältlich und zudem den Vorteil, wetterfest und abschließbar zu sein. Damit haben Langfinger keine Chance mehr, sich auf der offenen Ladefläche zu bedienen. Dank installierter Gasdruckdämpfer öffnet sie kinderleicht.

Innen gibt sich das Nutztier komfortabel und verzichtet weitestgehend auf den rauen Charakter eines Pick-Up, sondern gibt sich PKW-artig. Für alle Passagiere steht genügend Platz zur Entfaltung bereit. Zwar ist die Rückbank etwas enger, als man es für ein Fahrzeug dieser Länge erwarten würde, doch wirklich beengt sitzt man hier nicht. Eher etwas steil, da die Rücksitzlehen durchaus aufrecht montiert sind.

Im gesamten Innenraum zeigt sich indes eine gute Verarbeitung, die der eines Nutzfahrzeugs längst entwachsen scheint. Zwar ist der Mitsubishi L200 nicht auf dem Niveau eines Premium-Fahrzeugs anzusiedeln, doch ist er auch weit entfernt von einem Nutztier, in dem viel Hartplastik verbaut wurde. Vor allem die „Top“-Ausstattung – sie heißt tatsächlich „Top“ – bietet viel für das Auge und den Komfort. So sind hier eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, ein Multifunktionslenkrad, das Mitsubishi Multi Communication System – kurz Navi – sowie eine damit verknüpfte Rückfahrkamera inbegriffen. Diese erweist sich als nützliche Option, schließlich ist der Mitsubishi L200 – mit seiner langen Ladefläche nach hinten schwer einzuschätzen. Ebenfalls inklusive: Das Bluetooth-Audiostreaming sowie eine Freisprecheinrichtung. Schließlich muss der Handwerker in den heutigen Zeiten sein Büro auch mal im Auto aufschlagen.

Modern zeigt sich auch die Ausstattung mit Assistenzsystemen. Zwar sind sie nicht auf dem allerneuesten Stand, aber dennoch auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Außerdem würde man bei einem Pick-Up und seiner rustikalen Optik nicht unbedingt erwarten, dass er überhaupt welche hat. So findet man einen Spurhalte-Assistenten ebenso, wie eine Gespann-Stabilisierung oder eine Berganfahrhilfe. Je nach Ausstattung sind diese Systeme aber extra zu ordern. Doch nicht nur bei den Assistenten geht das Nutztier auf Nummer sicher: Der L200 bietet bis zu sieben Airbags und ist damit gut gerüstet, sollte es einmal zum Fall der Fälle kommen. Zudem bietet bereits die Basisvariante einen allmächtigen Allradantrieb, wodurch der Pick-Up bestens für den Geländeeinsatz taugt. Hier sind zudem eine Geländeuntersetzung und ein zu 100 Prozent sperrbares Hinterachsdifferenzial inklusive.

Daneben steht, je nach Ausstattung und Karosserie, auch das Allradsystem „Super Select 4WD-II“ zur Wahl. Der permanente Allradantrieb wird durch ein sperrbares Mittendifferenzial und eine Geländeuntersetzung ergänzt. So ausgerüstet, verträgt der Mitsubishi L200 einiges. Kippwinkel bis zu 45°, Steigungen bis zu 70%, Böschungswinkel vorn von 30 und hinten von 25° sowie ein Rampenwinkel von 24° stehen für sich. Da können die Mitbewerber kaum mithalten. Außerdem, sollte man tatsächlich mal in die Situation kommen, kann man mit dem L200 Flußdurchfahrten mit einer Tiefe von bis zu 60 cm passieren.

Dafür bestens geeignet sind auch die Motoren des Japaners. Wählen kann man einen von zwei 2.4 Liter Dieseln. Beide geben sich durchzugsstark, erheben aber den Anspruch dennoch sparsam zu sein. Sie leisten 154 oder 181 PS und wuchten 380 Nm respektive 430 Nm an die vier Räder. Die Kraftübertragung übernimmt serienmäßig ein Sechsgang-Schaltgetriebe, während die stärkere Variante optional mit einer 5-Gang-Automatik geordert werden kann. Leider erfüllen beide Aggregate aber nur die aktuelle Euro 5 Norm und stoßen im Optimalfall 169 Gramm CO2 pro Kilometer aus. In der Realität dürfte dieser Wert aber ebenso höher sein, wie der Durchschnittsverbrauch. Angegeben ist der Mitsubishi L200 zwar mit 6,4 Litern, im normalen Alltagsgebrauch fließen aber knapp zwei Liter mehr durch die vier Brennräume des rauen Vierzylinders. Daran kann auch das Start-Stopp-System nichts ändern.

Ernüchternd auch, dass die Fahrleistungen, trotz knapp 30 PS Unterschied, recht nah beieinander liegen. Während das kleinere Aggregat mit 169 km/h Höchstgeschwindigkeit und einer Zeit von 12,2 Sekunden für den Standardsprint klassenübliche Fahrleistungen an den Tag legt, wirkt der stärkere Motor nicht viel kräftiger. Zwar braucht er fast zwei Sekunden weniger für die Beschleunigung auf 100 km/h und schafft 10 km/h mehr, doch das wendet sich, wenn man die aufpreispflichtige Automatik dazu bestellt. Die Beschleunigung liegt fast auf dem Niveau des Basismotors und die Höchstgeschwindigkeit markiert ein Plus von lediglich 8 km/h. Auch im Durchzug von 80 auf 100 km/h ist die starke Variante nicht weit vom 156 PS starken Einstiegsmotor entfernt, der für den Zwischenspurt gute 5,2 Sekunden benötigt.

Die Preise für deninsgesamt überzeugenden Mitsubishi L200 starten bei 28.490 Euro für die Einstiegsvariante mit magerer Ausstattung als Single-Cab. Nicht wenig. Der große Diesel mit Automatik in Topausstattung kommt auf mindestens 40.290 Euro, was angesichts der Vollausstattung wiederum in Ordnung geht. Zumal der Pick-Up als Langläufer gilt. Wir freuen uns schon jetzt auf die Fortsetzung der Erfolgsstory des L200.

Weitere Informationen findet ihr unter www.mitsubishi-motors.de