Soest: Menü-Safari, Altstadt und Führung auf dem mittelalterlichen Stadtwall

Soest Altstadt: Geschichte, Grünsandstein und die besondere Menü-Safari

Soest war beim Bloggertreffen Möhnesee 2026 unsere letzte Station, und ehrlich gesagt eine der schönsten. Am Samstagnachmittag sind wir angekommen, haben im Hotel Susato eingecheckt und waren danach auf besondere Weise in der Stadt unterwegs. Am Sonntagvormittag gab es Workshops im Hotel, am Nachmittag dann noch eine Führung auf dem Stadtwall. Soest hat mich wirklich überrascht, denn die Stadt steckt voller echter Geschichte, echtem Charakter und Ecken, die man so in NRW nicht erwartet.

Kurz zur Info noch vorweg: Zu dieser Recherche-Reise wurde ich eingeladen. Vielen Dank dafür. Meine hier niedergeschriebene Meinung ist meine unbeeinflusste, ureigene. Für den Beitrag / Video erhielt ich kein Honorar. Die Basis für qualitative Berichte und Tests sind Unabhängigkeit und eine freie Meinung. Für mich steht deshalb euer Vertrauen immer an erster Stelle!

Die Menü-Safari: Vier Gänge, vier Lokale, eine Stadtführung

Den Samstagabend haben wir mit der Soester Menü-Safari verbracht. Das Konzept klingt ungewöhnlich, funktioniert aber hervorragend: ein Vier-Gänge-Menü, verteilt auf vier traditionsreiche Lokale in der Altstadt. Zwischen den einzelnen Gängen führt ein Stadtführer die Gruppe durch die Gassen, Gässchen und Plätze der Innenstadt und erzählt dabei Geschichte und Geschichten, die man in keinem Reiseführer findet.

Unsere Stationen an diesem Abend waren das Brauhaus Zwiebel, der Ratskeller St. Georg, das Restaurant Im Wilden Mann und das Pilgrimhaus. Alle vier Lokale haben Charakter, und jedes hat zudem seinen eigenen Stil.

Das Brauhaus Zwiebel ist ein über 400 Jahre altes, denkmalgeschütztes Fachwerkhaus und seit Jahrzehnten die einzige Brauerei der Stadt. Hier startete unser Abend mit einem ersten Gang und einem Glas der hauseigenen Biere. Der Ratskeller St. Georg beeindruckt dagegen mit seinem historischen Gewölbekeller, dessen Mauern aus dem typischen Soester Grünsandstein bestehen. Allein der Raum ist ein Erlebnis. Das Restaurant Im Wilden Mann und schließlich das Pilgrimhaus, das älteste Gasthaus Westfalens, rundeten den Abend ab.


Zwischen jedem Gangwechsel führte uns der Stadtführer durch die Altstadt. Und das war für mich mindestens genauso interessant wie das Essen selbst. Man spaziert durch enge Gassen mit Grünsandsteinmauern, vorbei an schiefen Fachwerkhäusern und kleinen Plätzen, die im Dunkeln besonders stimmungsvoll wirken. Der Stadtführer erklärte dabei, was es mit dem grünen Stein auf sich hat, welche Geschichte hinter einzelnen Gebäuden steckt und warum Soest einst zu den bedeutendsten Städten Nordwestdeutschlands zählte.

Soest: Eine Stadt mit ordentlich Geschichte im Gepäck

Um das alles zu verstehen, lohnt ein kurzer Blick in die Vergangenheit dieser Stadt. Soest taucht erstmals 836 in einer Urkunde auf und liegt am westfälischen Hellweg, einer wichtigen alten Handelsroute zwischen Rhein und Ostwestfalen. Im Mittelalter zählte die Stadt zu den wichtigsten Handelsstädten Westfalens und war außerdem Mitglied der Hanse. Ihr Stadtrecht, das sogenannte jus Susatense, war so fortschrittlich, dass viele andere Städte es übernahmen, darunter Lübeck, von wo aus es als lübisches Recht weit in den Ostseeraum ausstrahlte. Soest war also gewissermaßen ein Rechtsexporteur des Mittelalters.


Das Markenzeichen der Stadt ist der Grünsandstein, ein regionaler Naturstein aus der Soester Börde, der dem Ort seinen unverwechselbaren Charakter verleiht. Kirchen, Stadtmauer, Bürgerhäuser, überall findet man dieses grünlich schimmernde Material. Das Grünsandstein-Ensemble der Altstadt gilt daher als eine besondere städtebauliche Eigenheit Soests. Von den ehemals zahlreichen Kirchen und Kapellen ist bis heute ein beeindruckendes kirchliches Erbe erhalten, darunter der Patroklidom, dessen mächtiger Turm oft als „Turm Westfalens“ bezeichnet wird. Die Soester Börde, das fruchtbare Land rund um die Stadt, sicherte zudem über Jahrhunderte den Wohlstand und den politischen Einfluss.

1444 bis 1449 kam es zur sogenannten Soester Fehde: Die Stadt sagte sich von ihrem Herrn, dem Kölner Erzbischof, los. Obwohl sie militärisch zeitweise unterlegen war, gewann Soest die Auseinandersetzung und stellte sich unter den Schutz des Herzogs von Kleve. Danach ging es wirtschaftlich bergab, jedoch blieb die Stadt erhalten, mit all ihren Kirchen, Gassen und ihrer mächtigen Stadtmauer. Ein Glück, muss man sagen.

Der Stadtwall: Deutschlands längste erhaltene mittelalterliche Wallmauer

Am Sonntagvormittag gab es zunächst Workshops im Hotel, bevor es am Nachmittag nach draußen ging. Wir hatten eine Führung auf dem Stadtwall, und die war bei Weitem besser als ich erwartet hatte.

Den Wall von Soest ließ Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg um 1180 bauen, und er umschloss das gesamte Stadtgebiet. Damit ist er die längste noch erhaltene mittelalterliche Wallmauer in Deutschland. Häufig vergleicht man den Soester Wall mit dem Stadtwall von Lucca in der Toskana. Der Unterschied: Während der Wall in Lucca stärker städtisch genutzt wird, ist der Soester Wall ein ruhiger Spazierweg mit Lindenbäumen, Blicken in alte Gärten und dem Geräusch von Wind in den Blättern.


Ursprünglich hatte die Stadtbefestigung einen Umfang von rund 3,8 Kilometern. Die Natursteinmauer war etwa 1,70 Meter dick, ab dem 13. Jahrhundert rund sieben Meter hoch und stand auf einem etwa drei Meter hohen Erdwall. Sie umschloss eine Stadtfläche von rund 102 Hektar, was Soest zu einer der größten mittelalterlichen Stadtanlagen im heutigen Deutschland machte. Davor lag die sogenannte Gräfte, ein 21 Meter breiter Wassergraben, den Spaziergänger heute als parkartigen Weg entlang der Außenmauer nutzen.

Soest im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert halbierte man die Mauerhöhe und riss fast alle Türme ab. Von den einst zahlreichen Türmen steht heute vor allem der Kattenturm als markanter Wehrturm. Er besteht aus Grünsandstein und trägt noch seine Zinnen. Auf dem Wall selbst erkennt man beim genauen Hinsehen noch die Grundrisse der ehemaligen Türme, an manchen Stellen stehen heute Bänke genau dort, wo früher Wächter standen.

Von den ursprünglich zehn Stadttoren existiert noch eines: das Osthofentor, das jüngste der historischen Tore, errichtet zwischen 1523 und 1526. Alle anderen Tore riss man im 19. Jahrhundert ab. Vom Jakobitor sind zwar noch Reste erhalten, der Rest ist jedoch Geschichte.

Heute sind noch rund 2,5 Kilometer der ehemals 3,8 Kilometer langen Befestigung erhalten. Den Rest opferte man unter anderem im 19. Jahrhundert dem Bau der Eisenbahn im Norden der Stadt. Was geblieben ist, reicht allerdings aus, um sich die Dimension dieser Befestigungsanlage vorzustellen. Wir hatten an dem Sonntagnachmittag gutes Wetter, und der Spaziergang auf dem Wall war wirklich schön. Der Blick ging nach innen auf die Altstadt mit ihren Türmen und nach außen auf die Gräfte mit ihren Rosen- und Sträuchergärten. Ein ruhiger, grüner Weg mit viel Geschichte unter den Füßen.

Was man in Soest noch gesehen haben sollte

Wer in Soest ist, sollte sich außerdem das Grünsandstein-Museum gönnen, das in der Walburgerstraße nahe der Wiesenkirche liegt und die Geschichte des besonderen Steins anschaulich erklärt. Die Wiesenkirche, auch als Maria zur Wiese bekannt, ist eines der bekanntesten gotischen Bauwerke der Stadt. Ihr berühmtes Westfälisches Abendmahl zeigt Jesus und seine Jünger mit westfälischen Speisen und Getränken wie Schweinskopf, Schinken, Roggenbrot, Bier und Schnaps auf dem Tisch, eine Besonderheit, die Kunsthistoriker bis heute beschäftigt.

Soest

Pumpernickel gehört übrigens fest zur Soester Identität. Das dunkle Brot hat hier eine lange Tradition, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, und ist weit mehr als nur eine Beilage.

Für Technikbegeisterte bietet die Stadt zudem die SoesTour-App, mit der man fünf historische Orte per Augmented Reality in ihrer ursprünglichen Form erleben kann. Bauwerke und Plätze, die heute nicht mehr existieren, erscheinen dabei als dreidimensionale Rekonstruktionen auf dem Smartphone. Eine schöne Idee für alle, die die Stadt auf eigene Faust erkunden möchten.

🏰
Soest – Auf einen Blick
Hansestadt in der Soester Börde, Nordrhein-Westfalen
Erste Erwähnung
836 n. Chr.
Lage
Westfälischer Hellweg
Stadtrecht
Jus Susatense
Bündnis
Hanse-Mitglied
Soester Fehde
1444 – 1449
Markenzeichen
Grünsandstein
Erbaut
um 1180
Urspr. Länge
3,8 km
Erhalten
ca. 2,5 km
Mauerdicke
ca. 1,70 m
Mauerhöhe
ca. 7 m (ab 13. Jh.)
Gräfte (Wassergraben)
21 m breit
Besonderheit
Deutschlands längste erhaltene mittelalterliche Wallmauer
  • Kattenturm – einziger vollständig erhaltener Wehrturm
  • Osthofentor – einziges erhaltenes Stadttor, erbaut 1523–1526
  • Stadtfläche einst: rund 102 Hektar
  • Vier-Gänge-Menü verteilt auf vier traditionsreiche Lokale
  • Stadtführung durch die Altstadt zwischen den Gängen
  • Brauhaus Zwiebel – über 400 Jahre alt, einzige Soester Brauerei
  • Ratskeller St. Georg – historischer Grünsandstein-Gewölbekeller
  • Im Wilden Mann – traditionsreiches Altstadtlokal
  • Pilgrimhaus – ältestes Gasthaus Westfalens (seit 1294)
  • Patroklidom – dessen Turm gilt als „Turm Westfalens“
  • Wiesenkirche (Maria zur Wiese) – gotisches Baudenkmal mit Westfälischem Abendmahl
  • Grünsandstein-Museum – Walburgerstraße, nahe der Wiesenkirche
  • SoesTour-App – 5 Augmented-Reality-Stationen in der Altstadt
  • Pumpernickel – Soester Tradition seit dem 16. Jahrhundert
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Fazit: Soest lohnt sich

Soest hatte ich ehrlich gesagt unterschätzt. Nach diesem Wochenende würde ich sagen: Fehler. Die Menü-Safari war ein cleveres Format, das Geschichte und Genuss gut verbindet. Die Wallführung hat mir außerdem gezeigt, welche Dimension diese Stadt im Mittelalter hatte. Und die Altstadt selbst, mit ihren Grünsandsteinmauern, den verwinkelten Gassen und der markanten Stadtsilhouette, ist schlicht sehenswert.

Wer die Region rund um Möhnesee und Bad Sassendorf besucht, sollte Soest deshalb unbedingt einplanen. Am besten einen ganzen Tag, gerne mit Stadtführung.