Bandproberaum: Richtig gute Tipps für das laute Zimmer

MEHR KLANG UND EFFEKTIVTÄT

Nur wenige Instrumente lassen sich so spielen, dass nur der Musiker selbst davon etwas mitbekommt. Doch selbst wenn, ist es doch gänzlich ungeeignet, sobald mindestens zwei Personen miteinander musizieren möchten; die müssen sich gegenseitig hören. Der Proberaum ist bereits deshalb für viele Musikliebhaber ein großer Traum – aber auch, weil er gleichsam ein Lager für die vielfältige, oft sperrige Musiktechnik darstellt. Allerdings haben viele keine konkrete Vorstellung, was genau dieses „laute Zimmer“ umfasst, in dem sie ungestört (und ohne zu stören) musizieren können. Der folgende Ratgeber liefert deshalb die wichtigsten Tipps für alle, die noch auf Zimmersuche sind – aber auch jene, die bereits einen Raum haben.

1. Bitte nicht bloß „irgendein“ Keller

Garagen, Schuppen, Keller, teils sogar aufgegebene Luftschutzräume und ähnliche Räumlichkeiten stehen seit Jahrzehnten ganz oben auf der Wunschliste vieler Musiker. Denn oftmals bedeuten diese Locations automatisch, dass hier niemand gestört wird.

Verständlich ist der Wunsch, allerdings ist er oftmals in der Praxis schwierig. Am kritischsten: Solche Räume bieten oftmals nicht die nötigen klimatischen Bedingungen. Weder für das reine Bespielen der Instrumente und erst recht nicht deren dauerhafte Lagerung. Besonders bei Gitarren und ähnlichen Saiteninstrumenten ist gutes Raumklima ein zentraler Schlüssel zu Pflege und gutem Sound. Aber das Problem erstreckt sich auch auf die meisten anderen Instrumente und natürlich Elektronik.

Im Klartext: Ein Proberaum sollte dauerhaft (nicht nur während der Proben) ein „wohnraumähnliches“ Klima besitzen, sollte also weder übermäßig feucht noch zu kühl sein. Das bedeutet zumindest eine Heizungsanlage, aber auch festschließende Türen und Fenster.

2. Schallschutz ist Pflicht – nicht nur für Außenstehende

Schalloptimierung kann auch in simpler Heimwerkermanier geschehen. Hier mit höhergelegtem Boden und Trockenbau-Wandverkleidungen.

Warum sind Bunker als Proberaum so begehrt? Weil sich innerhalb ihrer massiven Wände selbst die lauteste Band von Außenstehenden ungehört austoben kann Allerdings gilt das für kaum eine andere potenzielle Location. Selbst in Kellern massiver Wohnhäuser ist es wahrscheinlich, dass mehr oder weniger Sound nach außen dringt.

Zudem haben praktisch alle Räumlichkeiten einen eklatanten Haken: Sie sind klangtechnisch nicht auf Proberaumnutzung hin optimiert. Das zeigt sich besonders unangenehm in oftmals erheblichem Hall. Der mag zwar gut klingen, wenn er in einer Philharmonie entsteht oder beigemischt wird; dann jedoch geschieht das kontrolliert, wo es in einem nicht schalloptimierten Proberaum willkürlich passiert.

Das bedeutet:

  1. Der Raum sollte nach außen hin schalldicht gemacht werden. Bei Kellern bzw. Räumen ohne darunterliegendes Geschoss umfasst das die Wände, Decke sowie Türen und Fenster. Gibt es darunter jedoch auch Bewohner, muss auch der Boden schalldicht gemacht werden. Das kann auf vielerlei Arten geschehen; nachträglich am einfachsten (und günstigsten) sind Trockenbau-Verkleidungen, hinter denen sich Schaumstoff, dichte Dämmwolle oder Ähnliches befindet.
  2. Der Raum sollte auch nach innen weiter optimiert werden. Extrem günstig kann das durch das Auskleiden mit (altem) Teppichboden geschehen; besser, weil speziell dafür hergestellt, ist allerdings akustischer Noppenschaumstoff.

Nur wenige Bands beherzigen beides buchstabengetreu. Wird es aber umgesetzt, hat der Raum eine Akustik, die weit über der vieler Proberäume liegt.

Tipp: Wenn die Wände verkleidet werden, sollte versucht werden, dabei die Parallelität gegenüberliegender Wände aufzuheben. Die Abwesenheit von rechten Winkeln klingt wegen der Reflexionsgesetze noch einen Tick besser.

3. Ein Fall für den Elektriker

Ein typischer Gitarrenverstärker für den Proberaum bringt es auf höchstens wenige hundert Watt Leistungsaufnahme. Das mag angesichts der Auslegung einer normalen Hauselektrik, die bei 230 Volt über 3600 Watt liefern kann, marginal wirken – und so finden sich in vielen Proberäumen die meisten Stromabnehmer an wenigen Steckdosen; mitunter sogar Mehrfachsteckern.

Beides ist jedoch falsch:

  1. Je weniger Steckdosen, desto mehr Kabel werden benötigt – auch so ist der Proberaumboden schon voller Stolperfallen.
  2. Dadurch wird die Aufstellung von Verstärkern und Co. oftmals von der zur Verfügung stehenden Kabellänge bestimmt, nicht von dem, was klangtechnisch optimal wäre.
  3. Die Leistung von 3600 Watt bezieht sich (bei normgerechter Installation) auf eine Steckdose – hängen an der aber mehrere Instrumente, vielleicht sogar am Mehrfachstecker, kann es schnell kritisch werden; dann besteht Brandgefahr!

Das heißt: Im Idealfall erhält der Proberaum frühzeitigen Besuch von einem Elektriker, der in allen Ecken zusätzliche Steckdosen installiert, vielleicht sogar die Absicherung für diesen Raum noch weiter aufteilt. Wenn das (etwa, weil der Raum nur gemietet ist) gar nicht drin ist, sollte wenigstens eine Grundregel eingehalten werden: Eine Steckdose = Ein Stromabnehmer.

4. Langfristig besser mit Mischpult

Proberäume benötigen keine teure XL-PA. Ein simples Einsteiger-Mischpult genügt völlig, macht aber dennoch alles besser und simpler.

Der Schlagzeuger ist im Proberaum auch ohne laut genug. Bass und Gitarren haben jeweils eigene Verstärker, das Mikrofon ebenfalls – das, was bei vielen Bands gemacht wird, ist nicht nur sparsam, sondern auch flexibel. Abermals ist es allerdings fern von optimal.

Ganz einfach deshalb: All die Amps klingen anders, auch weil sie von jedem Bandmitglied unterschiedlich weit entfernt stehen. Und jeder muss anders reguliert werden. Das liefert längst nicht den Klang, der möglich wäre – besonders weil der Raum ja bereits aufwendig schalloptimiert gestaltet wurde.

Besser wäre es, die einzelnen Verstärker zuhause zu lassen und als Band langfristig eine sinnvolle Investition zu tätigen. Und zwar in Lautsprecher, einen gemeinsamen Verstärker und ein Mischpult – alternativ einen Powermischer, bei dem Verstärker und Mischpult zusammengefasst sind. Neu mag das zwar ziemlich teuer sein; aber auf den Kleinanzeigenportalen des Netzes findet sich auch viel günstigere Gebrauchtware.

Die Vorteile:

  1. Alle klinken sich in ein Mischpult ein (das sollte dementsprechend so viele Eingänge haben wie es Bandpositionen gibt).
  2. Nur dort werden Lautstärke und Co. reguliert. Und die Bedienung ist nicht so schwer wie die vielen Regler es vermuten lassen. Abermals geht das für alle Bandmitglieder auf die gleiche Weise – WahWah-Pedale und andere Effektgeräte können nach wie vor zwischengeschaltet werden.
  3. Durch die multiplen Lautsprecher kann jeder jeden optimal hören und sein Spiel darauf ausrichten.
  4. Es steht eine perfekte Möglichkeit offen, die Band professionell klingend aufzunehmen. Nicht nur wichtig für Demos, sondern auch wenn die Musiker einfach Aufnahmen von sich besitzen möchten.

Kurzum: Es klingt nicht nur besser, sondern macht den Proberaum auch viel professioneller – vielleicht lassen sich die Kosten ja senken, indem die Räumlichkeit mit anderen Bands geteilt wird. Wenn allerdings das Mischpult vorhanden ist, ist ein weiterer Schritt praktisch Pflicht:

5. Kampf dem Kabelsalat

Ausufernder Kabelsalat hat schon manchen Musiker nicht nur im übertragenen Sinn „zu Fall gebracht“. Besser der Proberaumboden bleibt frei von Kabelschlingen.

Ein typischer Fall, der so schon unzählige Male vorkam: Gitarrist oder Bassist verheddern sich mit dem Fuß in einem Instrumentenkabel. Sie stolpern entweder auf ihr eigenes Instrument und demolieren es oder fallen ins Schlagzeug. Zumindest Streit ist dann vorprogrammiert, vielleicht sogar Arztbesuche, Versicherungsprobleme…

Eine lange Kette von Ärger, die Bands sich ersparen sollten. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten für jedes Budget:

  1. Es werden längere Kabel angeschafft. Und zwar solche, die an einem Ende einen weiblichen 6,3mm Klinkenstecker haben. Diese werden ab dem Mischpult bzw. den Verstärkern direkt zur Decke hochgeführt, laufen daran entlang (Haken, Kabelkanal usw.) bis über die Musikerposition – wo dann der weibliche Stecker bereithängt und mit einem kurzen Instrumentenkabel verbunden wird. Natürlich: Alle Kabel eines Bandmitglieds sollten dann den gleichen Klangcharakter haben.
  2. Zumindest Bass, Gitarre(n) und Mikrofon werden mit Funksystemen ausgestattet. Das ist teurer, verursacht mitunter auch Unterhaltskosten, weil immer wieder frische Batterien nötig sind. Dafür aber ist jede Stolpergefahr für immer gebannt. Und wenn es moderne, das heißt, per Digitalfunk übertragende Sets, sind, unterscheidet sich die Klangbrillanz nicht vom Kabel.

Bedacht werden sollte auch, dass beides eine Menge Zeit für Auf- und Abbau spart, weil keine Kabel mehr zu entwirren, ab- und aufzuwickeln sind.

In einem solchen Proberaum lässt es sich nicht nur spielen, sondern wirklich „musizieren“. Oft genug geht mit einer derartigen Professionalisierung auch eine stark verbesserte Eigenwahrnehmung als Band einher – vielleicht will man ja doch nicht für immer bloß eine freundschaftliche Proberaum-Kombo bleiben…

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