Volvo ES90 Single Motor Extended Range Ultra im Test: elektrische Oberklasse mit viel Reichweite

Zwei Wochen mit dem Volvo ES90: Stärken, Schwächen, Verbrauch und Ausstattung

Volvo ES90 | Große elektrische Limousinen sind inzwischen selten geworden. Viele Hersteller setzen lieber auf SUV-Modelle. Volvo geht mit dem ES90 einen anderen Weg. Das rund fünf Meter lange Elektroauto verbindet die flache Form einer Limousine mit einer großen Heckklappe, viel Platz und einer leicht erhöhten Sitzposition.

Ganz klassisch ist die Karosserie daher nicht. Der ES90 ist keine Stufenhecklimousine mit kleiner Kofferraumöffnung. Die Heckscheibe schwingt beim Öffnen gemeinsam mit der Heckklappe nach oben. Im Alltag ist das deutlich praktischer und erinnert eher an ein großes Fließheck.

Ich bin den Volvo ES90 Fully Electric Single Motor Extended Range Ultra zwei Wochen lang selbst gefahren. Zum Test gehörten Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahnetappen bei unterschiedlichen Temperaturen.

Mein erster Eindruck bestätigte sich während dieser Zeit recht schnell: Der ES90 möchte kein nervöses Sportgerät sein. Er setzt auf Ruhe, Komfort und entspanntes Reisen. Der Elektromotor an der Hinterachse leistet 245 kW beziehungsweise 333 PS. Das reicht für souveräne Fahrleistungen, ohne dass der Wagen bei jeder Berührung des Fahrpedals seine Passagiere in die Sitze drückt.

Die Fahrzeugspezifikation meines Testwagens nennt eine nutzbare Batteriekapazität von 88 kWh und eine WLTP-Reichweite von bis zu 630 Kilometern. Dazu kommen eine 800-Volt-Architektur, kurze Ladezeiten, ein adaptives Luftfahrwerk und eine lange Liste an Komfort- und Assistenzsystemen.

Günstig ist diese Kombination nicht. Der Grundpreis der getesteten Ultra-Ausführung lag laut Fahrzeugunterlagen bei 83.990 Euro. Mit den Extras des Testwagens stieg der Preis auf 92.620 Euro.

Für diese Summe darfst Du viel erwarten. Wie fährt sich der ES90 im Alltag? Wie bequem ist er auf langen Strecken? Reichen 333 PS bei einem Leergewicht von mehr als 2,4 Tonnen? Und welche Schwächen sind mir während des Tests aufgefallen?

Der getestete Volvo ES90 auf einen Blick

Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Fahrzeugspezifikation meines Testwagens mit Stand Juli 2025:

  • Elektromotor an der Hinterachse
  • Heckantrieb
  • 245 kW beziehungsweise 333 PS
  • maximales Drehmoment von 480 Nm
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,6 Sekunden
  • elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h
  • Lithium-Ionen-Batterie
  • 92 kWh nominale Batteriekapazität
  • 88 kWh nutzbare Batteriekapazität
  • 800-Volt-Bordnetz
  • WLTP-Reichweite von bis zu 630 Kilometern
  • innerstädtische WLTP-Reichweite von bis zu 751 Kilometern
  • kombinierter WLTP-Stromverbrauch von 15,9 kWh pro 100 Kilometer
  • DC-Laden von 10 auf 80 Prozent in rund 22 Minuten unter passenden Bedingungen
  • AC-Laden von 0 auf 100 Prozent an einer 11-kW-Wallbox in rund zehn Stunden
  • Leergewicht von 2.410 Kilogramm
  • maximale Zuladung von 490 Kilogramm
  • Kofferraumvolumen von 424 Litern
  • zusätzlicher Stauraum unter der Fronthaube mit rund 27 Litern
  • Grundpreis der getesteten Ultra-Ausführung von 83.990 Euro
  • Testwagenpreis inklusive Sonderausstattung von 92.620 Euro

Die Zahlen zeigen bereits die Ausrichtung des ES90. Volvo verzichtet beim Single Motor Extended Range auf einen zweiten Elektromotor und konzentriert sich stärker auf Reichweite und Effizienz.

Wer maximale Beschleunigung oder Allradantrieb sucht, findet stärkere Varianten. Für lange Strecken und den normalen Alltag wirkt der Einzelmotor auf dem Papier jedoch vernünftig.

Fast fünf Meter lang und alles andere als unauffällig – Volvo ES90

Der Volvo ES90 misst rund fünf Meter in der Länge. Mit Außenspiegeln ist er etwa 2,12 Meter breit. Der Radstand liegt bei gut 3,10 Metern.

Das sorgt für einen stattlichen Auftritt. Gleichzeitig merkst Du spätestens im Parkhaus, dass hier sehr viel Auto bewegt werden muss.

Optisch bleibt Volvo zurückhaltend. Die Karosserie besitzt klare Flächen, eine flache Dachlinie und wenige verspielte Details. Der ES90 wirkt modern, ohne jeden aktuellen Designtrend mitzumachen.

Bei meinem Testwagen passte die Lackierung Aurora Silver Metallic gut zu diesem Auftritt. Die Farbe wirkt je nach Licht hellsilbern oder leicht gräulich. Der Wagen fällt auf, ohne laut aufzutreten.

Die Front kommt ohne klassischen Kühlergrill aus. Die geschlossene Fläche macht den elektrischen Antrieb sofort erkennbar. Trotzdem wirkt der ES90 nicht wie ein futuristisches Experiment.

Typisch für Volvo bleibt die auffällige Lichtsignatur. Die schmalen Tagfahrlichter greifen das bekannte Motiv des sogenannten Thor-Hammers auf. Am Heck ziehen sich die Leuchten weit nach oben und betonen die Höhe des Fahrzeugs.

Limousine, Fließheck und Crossover zugleich | Volvo ES90

Volvo bezeichnet den ES90 als Limousine. Die Karosserie passt jedoch nicht vollständig in eine klassische Schublade.

Die Dachlinie fällt wie bei einem Fastback nach hinten ab. Gleichzeitig sitzt der Wagen etwas höher als viele klassische Oberklasse-Limousinen. Die große Heckklappe öffnet samt Heckscheibe und schafft einen breiten Zugang zum Gepäckraum.

Das ist im Alltag praktischer als eine kleine Stufenhecköffnung. Große Koffer, Taschen oder sperrige Gegenstände lassen sich leichter einladen.

Von einem SUV ist der ES90 trotzdem weit entfernt. Die Karosserie bleibt flach und gestreckt. Auch die Sitzposition fühlt sich eher nach Limousine als nach Geländewagen an.

Genau diese Mischung dürfte für einige Käufer interessant sein. Du bekommst den eleganteren Auftritt einer Limousine, musst beim Kofferraumzugang aber weniger Kompromisse eingehen.


Die Größe verlangt beim Rangieren Konzentration

In engen Innenstädten und älteren Parkhäusern lässt sich die Länge nicht wegdiskutieren. Wer bisher einen Kompaktwagen gefahren ist, braucht etwas Eingewöhnung.

Während meines Tests halfen mir die Kameras und Parksensoren spürbar. Die 360-Grad-Kamera zeigt das Fahrzeug aus einer berechneten Vogelperspektive. Zusätzlich lässt sich die Umgebung aus verschiedenen virtuellen Blickwinkeln anzeigen.

Das erleichtert das Einschätzen von Bordsteinen, Markierungen und benachbarten Fahrzeugen. Gerade mit den teuren 22-Zoll-Rädern ist ein genauer Blick auf die Felgen hilfreich.

Die Kameras lösen das Größenproblem jedoch nicht vollständig. Bei Regen können die Linsen verschmutzen. Weitwinkelbilder verzerren Entfernungen. Auch sehr niedrige Hindernisse bleiben manchmal schwer einzuschätzen.

Wer den ES90 in einer engen Tiefgarage abstellen möchte, sollte die tatsächliche Zufahrt während der Probefahrt testen. Eine breite Parkfläche beim Händler sagt wenig darüber aus, wie entspannt das Auto später zwischen Betonpfeilern steht.

Der Innenraum wirkt ruhig und aufgeräumt | Volvo ES90

Beim Einsteigen zeigt sich der typische Volvo-Stil. Der Innenraum wirkt hell, reduziert und aufgeräumt.

Das bedeutet nicht, dass wenig Technik vorhanden wäre. Viele Funktionen wandern in den zentralen Bildschirm. Dadurch gibt es weniger sichtbare Schalter und Tasten.

Die Sitzpolsterung meines Testwagens bestand aus Nordico. Volvo nutzt dieses lederfreie Material als Alternative zu klassischem Leder. Die Oberfläche fühlte sich während meines Tests angenehm und hochwertig an.

An Armaturentafel und Türen kommen je nach Konfiguration weitere Materialien und Dekore zum Einsatz. Deshalb würde ich Nordico nicht pauschal für den gesamten Innenraum nennen. Es handelt sich in erster Linie um die Sitzpolsterung.

Auch das Lenkrad kommt ohne klassisches Leder aus. Ob Dir die Haptik gefällt, solltest Du selbst ausprobieren. Gerade das Lenkrad gehört zu den Bereichen, die Du bei jeder Fahrt dauerhaft berührst.

Der ES90 setzt nicht auf dick aufgetragenen Luxus. Es gibt keine Flut aus glänzenden Zierleisten und beleuchteten Tasten. Die Gestaltung wirkt eher sachlich und nordisch kühl.

Mir hat diese Ruhe gut gefallen. Allerdings musst Du ein Bedienkonzept mögen, bei dem viele Einstellungen über den Touchscreen laufen.

Die Sitze passen gut zu langen Strecken

Die Vordersitze meines Testwagens ließen sich elektrisch einstellen. Fahrer und Beifahrer verfügten über eine elektrische Vier-Wege-Lendenwirbelstütze und eine Massagefunktion.

Auch die Sitzheizung vorne und auf den äußeren Rücksitzen gehörte zur Ausstattung.

Während meiner Fahrten saß ich bequem. Die Sitze boten guten Halt, ohne mich seitlich einzuengen. Gerade auf längeren Strecken passte die Sitzposition gut zum entspannten Charakter des Autos.

Die Massagefunktion ersetzt keine Pause. Sie sorgt unterwegs aber für Abwechslung und kann verspannte Bereiche etwas entlasten.

Die Memory-Funktion speichert die Sitzposition des Fahrers und die Stellung der Außenspiegel. Teilen sich mehrere Personen das Fahrzeug, spart das im Alltag Zeit.

Trotz meines positiven Eindrucks solltest Du die Sitze selbst testen. Körpergröße, Beinlänge und bevorzugte Sitzhaltung spielen eine große Rolle. Eine kurze Runde um das Autohaus reicht dafür kaum aus.

Mehr als drei Meter Radstand schaffen Platz

Der lange Radstand sorgt für gute Platzverhältnisse. Vorne wirkt der ES90 luftig. Auch hinten steht viel Beinfreiheit zur Verfügung.

Dadurch eignet sich das Auto nicht allein für Fahrer und Beifahrer. Erwachsene können auch auf der Rückbank bequem reisen.

Für Familien gibt es ISOFIX-Aufnahmen an den beiden äußeren Fondsitzen und eine elektrische Kindersicherung. Die Sitzheizung auf den äußeren hinteren Plätzen erhöht im Winter den Komfort.

Die flach abfallende Dachlinie sieht elegant aus. Große Mitfahrer sollten trotzdem prüfen, wie viel Kopffreiheit ihnen bleibt. Auch der Einstieg kann je nach Körpergröße und Sitzposition eine Rolle spielen.

Bei großen Kindersitzen zählt der praktische Versuch. Ein rückwärts gerichteter Sitz nimmt oft mehr Raum ein, als die Außenmaße vermuten lassen. Die Verstellung des Beifahrersitzes kann dadurch eingeschränkt werden.

Nimm Deinen eigenen Kindersitz am besten zur Probefahrt mit. Das liefert mehr Erkenntnisse als jede Maßzeichnung.


Vier Klimazonen und Vorklimatisierung – Volvo ES90

Die Klimaautomatik meines Testwagens arbeitete mit vier getrennten Temperaturzonen. Fahrer, Beifahrer und die Passagiere hinten können ihre Temperatur individuell einstellen.

Auf langen Fahrten ist das mehr als ein kleines Luxusdetail. Temperaturwünsche unterscheiden sich oft deutlich. Eine getrennte Regelung reduziert Diskussionen und sorgt für ein angenehmeres Klima.

Über die Vorklimatisierung lässt sich der Innenraum vor der Abfahrt heizen oder kühlen. Ist das Fahrzeug währenddessen mit einer Ladestation verbunden, kann ein Teil der benötigten Energie aus dem Stromnetz kommen.

So steht beim Losfahren mehr Akkuenergie für die Strecke zur Verfügung. Das ist vor allem im Winter hilfreich, wenn Innenraum und Batterie zunächst aufgeheizt werden müssen.

Die Wärmepumpe unterstützt das Heizen effizienter als eine reine elektrische Widerstandsheizung. Wie stark sie die Reichweite verbessert, hängt von Temperatur, Strecke und Nutzung ab.

Das Luftreinigungssystem arbeitet mit Feinstaub- und Aktivkohlefilter. Im Stadtverkehr, in Tunneln und während der Pollensaison kann das den Innenraum angenehmer machen.

Das Panoramadach lässt viel Licht hinein

Das feststehende Panorama-Glasdach macht den Innenraum heller und lässt die Kabine offener wirken. Gerade hinten entsteht dadurch ein großzügigeres Raumgefühl.

Bei meinem Testwagen ließ sich das Glas elektrochromatisch abdunkeln. Eine elektrische Spannung verändert dabei die Lichtdurchlässigkeit.

Eine mechanische Sonnenblende gibt es nicht. Das spart Bauraum und sieht sauber aus.

Wer empfindlich auf direkte Sonneneinstrahlung reagiert, sollte die Wirkung bei hellem Wetter selbst prüfen. Auch kleine Kinder oder Menschen mit wenig Haaren können direkte Wärme am Kopf stärker wahrnehmen.

Das Dach lässt sich nicht öffnen. Frische Luft kommt daher über Fenster und Klimaanlage ins Auto. Wer ein klassisches Schiebedach gewohnt ist, sollte das vor der Bestellung wissen.

424 Liter Kofferraum plus Frunk | Volvo ES90

Die Fahrzeugspezifikation meines Testwagens nennt 424 Liter Kofferraumvolumen. Unter der Fronthaube befindet sich ein zusätzlicher Stauraum mit rund 27 Litern.

Dieser kleine Frunk eignet sich gut für Ladekabel oder Dinge, die nicht zwischen dem normalen Gepäck liegen sollen.

Der große Vorteil des ES90 ist die weit öffnende Heckklappe. Da die Heckscheibe gemeinsam mit der Klappe nach oben schwingt, fällt die Öffnung deutlich größer aus als bei einer klassischen Stufenhecklimousine.

Zwei große Reisekoffer und kleinere Taschen lassen sich gut unterbringen. Für eine Urlaubsfahrt mit fünf Personen kann es trotzdem eng werden.

Das reine Litervolumen erzählt nur einen Teil der Geschichte. Form, Breite, Ladekante und Höhe sind im Alltag genauso wichtig.

Familien sollten Kinderwagen, Reisebett oder Hundebox zur Probefahrt mitnehmen. Geschäftsreisende können testen, ob mehrere Trolleys, Messetaschen oder Produktmuster hineinpassen.

Bei umgeklappter Rückbank wächst der Stauraum deutlich. Die genaue Maximalangabe hängt vom verwendeten Datenstand und von der Messmethode ab. Für den Alltag ist wichtiger, ob Deine typischen Gegenstände hineinreichen.

Die Zuladung verdient Aufmerksamkeit – Volvo ES90

Die maximale Zuladung meines Testwagens lag laut Fahrzeugunterlagen bei 490 Kilogramm.

Das klingt zunächst ausreichend. Bei voller Besetzung kann der Wert jedoch schneller erreicht werden, als viele Fahrer erwarten.

Fünf Erwachsene bringen zusammen leicht 350 bis 450 Kilogramm auf die Waage. Gepäck, Ladekabel, Getränke und weitere Gegenstände kommen noch dazu.

Wer häufig mit fünf Personen und viel Gepäck unterwegs ist, sollte die Zuladung im Blick behalten. Das gilt ebenso für Urlaubsfahrten mit Dachbox oder anderem Zubehör.

Fast alles läuft über den zentralen Bildschirm

Der ES90 nutzt ein Infotainmentsystem auf Basis von Android Automotive. Google Maps, Google Assistant und der Google Play Store sind direkt in das Fahrzeug integriert.

Android Automotive ist nicht dasselbe wie Android Auto. Das System läuft eigenständig im Fahrzeug und benötigt für seine Kernfunktionen kein angeschlossenes Android-Smartphone.

Google Maps kann den aktuellen Batteriestand, den erwarteten Energieverbrauch und verfügbare Ladestationen in die Routenplanung einbeziehen. Auf langen Strecken nimmt das viel Unsicherheit aus der Planung.

Apple CarPlay steht ebenfalls zur Verfügung. Ein kompatibles iPhone lässt sich damit in das System einbinden.

Die Bedienoberfläche reagierte während meines Tests überwiegend schnell. Viele Funktionen befinden sich jedoch auf dem Touchscreen. Das betrifft Klima, Fahrzeugeinstellungen, Assistenzsysteme und Medien.

Das sieht aufgeräumt aus, erfordert aber Eingewöhnung. Einen echten Schalter kannst Du ertasten. Bei einer Bildschirmfläche musst Du häufiger hinsehen.

Weniger Tasten bedeuten nicht automatisch weniger Ablenkung / Volvo ES90

Volvo setzt auf ein minimalistisches Cockpit. Im Alltag zählt jedoch, wie schnell häufig genutzte Funktionen erreichbar sind.

Vor einer Bestellung solltest Du typische Abläufe ausprobieren:

  • Wie schnell lässt sich die Temperatur ändern?
  • Wo aktivierst Du die Sitzheizung?
  • Wie stellst Du One Pedal Drive ein?
  • Wie öffnest Du die Kameraansicht?
  • Wie wechselst Du zwischen Navigation und Musik?
  • Welche Warntöne lassen sich anpassen?
  • Wie gut versteht die Sprachsteuerung Deine Befehle?

Der ES90 besitzt einen physischen Audioregler in Kristallglasoptik. Das ist im Alltag angenehm. Lautstärke und Wiedergabe lassen sich dadurch bedienen, ohne eine kleine Bildschirmfläche treffen zu müssen.

Ein modernes System darf viele Funktionen besitzen. Die Bedienung sollte trotzdem verständlich bleiben.

Fahrerdisplay und Head-up-Display

Vor dem Fahrer sitzt ein freistehendes Display mit neun Zoll Bildschirmdiagonale. Es zeigt Geschwindigkeit, Reichweite, Navigationshinweise und weitere Fahrinformationen.

Die Anzeige fällt kleiner aus als bei manchen Wettbewerbern. Das empfand ich nicht automatisch als Nachteil. Wichtiger ist, dass die Informationen gut lesbar und sinnvoll angeordnet sind.

Das Head-up-Display projiziert Geschwindigkeit, Navigation und Hinweise der Assistenzsysteme in das Sichtfeld.

Auf langen Strecken ist das angenehm. Der Blick bleibt häufiger auf der Straße und muss seltener zur Instrumententafel wandern.

Trägst Du eine polarisierte Sonnenbrille, solltest Du das Head-up-Display während der Probefahrt prüfen. Je nach Gläsern kann die Anzeige schwächer wirken.

Vier USB-C-Anschlüsse statt zwei

Im Volvo ES90 stehen insgesamt vier USB-C-Anschlüsse zur Verfügung.

Zwei befinden sich vorne unter dem Zentraldisplay. Zwei weitere sitzen hinten an der Tunnelkonsole.

Damit können Fahrer und Mitfahrer mehrere Geräte gleichzeitig laden. Die Anschlüsse liefern laut Volvo jeweils bis zu 18 Watt und unterstützen Quick Charge 3.0.

Für Smartphones und Kopfhörer reicht das meist aus. Ein leistungsfähiges Notebook wird damit jedoch nicht besonders schnell geladen.

Dazu kommt eine induktive Ladefläche für kompatible Smartphones. Kabelloses Laden ist bequem, kann das Telefon aber erwärmen. Bei hoher Temperatur reduziert das Smartphone möglicherweise die Ladeleistung.


Digital Key Plus zeigte im Test Schwächen – Volvo ES90

Der digitale Fahrzeugzugang gehört zu den Punkten, die mich während des Tests am stärksten beschäftigt haben.

Bei meinem Testwagen lief der Zugang praktisch über das Smartphone. Ein klassischer separater Funkschlüssel stand mir während der zwei Wochen nicht zur Verfügung.

Grundsätzlich unterstützt der ES90 je nach Ausstattung und Übergabe mehrere Schlüsselarten:

  • einen kompatiblen digitalen Smartphone-Schlüssel
  • eine Schlüsselkarte
  • einen tastenlosen Schlüssel

Ein kompatibler distanzfähiger Digital Key kann das Fahrzeug beim Annähern entriegeln und beim Entfernen verriegeln. Eine Schlüsselkarte wird dagegen an den vorgesehenen Leser gehalten. Zum Starten liegt sie auf dem Lesefeld im Innenraum.

Das Problem bei meinem Testwagen war die Zuverlässigkeit. Mehrfach ließ sich der Wagen nicht sofort starten. Beim Weggehen verriegelten sich die Türen nicht immer so, wie ich es erwartet hatte.

Dadurch kontrollierte ich häufiger, ob das Auto tatsächlich abgeschlossen war. Das ist bei einem Fahrzeug für mehr als 80.000 Euro keine gute Alltagserfahrung.

Ein digitaler Schlüssel ist für mich nur dann komfortabel, wenn ich über seine Funktion nicht nachdenken muss. Sobald ich kontrollieren, erneut verbinden oder das Smartphone anders positionieren muss, wird aus Komfort zusätzlicher Aufwand.

Diese Kritik betrifft meinen konkreten Testwagen und die mir übergebene Schlüssellösung. Sie bedeutet nicht, dass jeder ES90 ausschließlich mit einem Smartphone genutzt werden muss.

Bei der Fahrzeugübergabe sollte der Händler alle Schlüsselmedien sauber erklären und gemeinsam mit Dir einrichten.

Digital Key hängt vom Smartphone ab / Volvo ES90

Nicht jedes Smartphone unterstützt sämtliche Funktionen des Digital Key Plus.

Für die automatische Erkennung aus größerer Entfernung wird passende Funktechnik benötigt. Bei Geräten ohne diese Unterstützung verhält sich der digitale Schlüssel eher wie eine Schlüsselkarte.

Auch Einstellungen wie Bluetooth, NFC und die Berechtigungen der Volvo-App spielen eine Rolle.

Ein leerer Smartphone-Akku muss nicht in jeder Situation bedeuten, dass der Zugang sofort unmöglich ist. Das Verhalten hängt vom Telefon und der verwendeten Technik ab. Trotzdem solltest Du immer eine alternative Zugangsmöglichkeit dabeihaben.

Die Schlüsselkarte gehört deshalb nicht dauerhaft in die Schublade zu Hause. Sie ist als Reserve unterwegs deutlich sinnvoller.

Bowers & Wilkins kostet 3.460 Euro Aufpreis – Volvo ES90

Mein Testwagen besaß das optionale Soundsystem von Bowers & Wilkins. Der Aufpreis lag bei 3.460 Euro.

Das ist viel Geld. Wer überwiegend Nachrichten, Podcasts oder leise Hintergrundmusik hört, braucht dieses Extra kaum.

Musikliebhaber können dagegen Freude daran haben. Die ruhige Grundakustik eines Elektroautos bietet gute Bedingungen. Stimmen, Instrumente und räumliche Effekte werden weniger von Motorengeräuschen überlagert.

Die Akustikverglasung der Seitenfenster unterstützt den ruhigen Eindruck. Bei Autobahntempo bleiben Wind- und Reifengeräusche hörbar, der Innenraum wirkte auf mich trotzdem angenehm gedämpft.

Vor der Bestellung solltest Du das serienmäßige Audiosystem und die Bowers-&-Wilkins-Anlage mit denselben Liedern vergleichen. Nutze Musik, die Du gut kennst. Eine spektakulär produzierte Vorführdatei sagt wenig über Deinen Alltag aus.

333 PS und Heckantrieb

Der Single Motor Extended Range nutzt einen Elektromotor an der Hinterachse. Er leistet 245 kW beziehungsweise 333 PS und liefert maximal 480 Nm Drehmoment.

Der Heckantrieb passt gut zu einer großen Limousine. Beim Beschleunigen verlagert sich das Fahrzeuggewicht nach hinten. Das unterstützt die Traktion der angetriebenen Hinterräder.

333 PS wirken im Umfeld mancher Elektroautos fast zurückhaltend. Im normalen Verkehr reicht die Leistung locker aus.

Der ES90 beschleunigt in 6,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das ist schnell genug für Autobahnauffahrten, Überholvorgänge und zügiges Einordnen.

Während meines Tests wirkte der Antrieb kräftig, aber gut dosierbar. Der Wagen schoss nicht bei jeder kleinen Pedalbewegung nach vorne. Das passt zum komfortorientierten Charakter.

Wer extreme Beschleunigung sucht, wird sich eher für eine stärkere Variante interessieren. Für entspanntes und zügiges Reisen vermisste ich keine zusätzliche Leistung.

6,6 Sekunden reichen im Alltag völlig aus – Volvo ES90

Beschleunigungswerte unter vier Sekunden sehen in Datenblättern beeindruckend aus. Im täglichen Verkehr bringen sie selten einen echten Vorteil.

Der ES90 fühlt sich trotz seines Gewichts nicht langsam an. Der Elektromotor reagiert direkt und stellt seine Kraft ohne Schaltpause bereit.

Wichtiger als der Sprint aus dem Stand ist die Leistungsreserve bei höherem Tempo. Beim Überholen auf der Autobahn oder beim Einfädeln steht genug Kraft zur Verfügung.

Der Einzelmotor spart im Vergleich zu einer zweiten Antriebseinheit Gewicht und Energie. Fahrer, die keinen Allradantrieb benötigen, erhalten damit die vernünftigere Variante.

Bei 180 km/h ist Schluss | Volvo ES90

Volvo begrenzt den ES90 elektronisch auf 180 km/h.

Auf deutschen Autobahnen wird diese Grenze einige Käufer beschäftigen. In vielen anderen Ländern spielt sie kaum eine Rolle.

Bei hohem Tempo steigt der Energieverbrauch eines Elektroautos stark an. Der Luftwiderstand nimmt mit der Geschwindigkeit überproportional zu.

Wer die Reichweite des ES90 sinnvoll nutzen möchte, fährt daher deutlich langsamer. Ein gleichmäßiges Autobahntempo zwischen ungefähr 110 und 130 km/h bietet meist den besseren Kompromiss aus Reisezeit und Energieverbrauch.

Die Begrenzung passt zur Ausrichtung des Autos. Der ES90 ist eine komfortable Reiselimousine und kein Fahrzeug für dauerhafte Hochgeschwindigkeitsfahrten.

Mehr als 2,4 Tonnen bleiben spürbar

Das Leergewicht meines Testwagens lag bei 2.410 Kilogramm.

Ein großer Teil davon entfällt auf Batterie, Karosserie, Sicherheitsstruktur, Komfortausstattung, Fahrwerk und elektrische Komponenten.

Beim Beschleunigen kaschiert der Elektromotor das Gewicht gut. In engen Kurven, beim starken Bremsen und bei schnellen Richtungswechseln lässt sich die Masse jedoch nicht vollständig verstecken.

Der ES90 fühlt sich souverän an, aber nie klein oder besonders leichtfüßig.

Auch Reifen und Fahrwerk müssen hohe Kräfte verkraften. Wer häufig kräftig beschleunigt oder schnell durch Kurven fährt, kann den Reifenverschleiß erhöhen.

Im Alltag störte mich das Gewicht weniger als die schieren Abmessungen. Auf Landstraße und Autobahn passte die ruhige Straßenlage gut zum Fahrzeug.

Das Luftfahrwerk passt zum ES90

Mein Testwagen verfügte über ein adaptives Luftfahrwerk mit Four-C-Technik.

Das System passt die Dämpfung an Fahrzustand und Untergrund an. Die Luftfedern können die Karosserie je nach Situation anheben oder absenken.

Auf langen Strecken zeigte sich der ES90 angenehm komfortabel. Bodenwellen und normale Fahrbahnunebenheiten wurden ruhig verarbeitet.

Die Physik verschwindet trotzdem nicht. Der Testwagen stand auf 22-Zoll-Rädern mit vergleichsweise niedrigen Reifenflanken. Kurze harte Kanten können dadurch deutlicher im Innenraum ankommen als mit kleineren Rädern.

Wer maximalen Komfort sucht, sollte verschiedene Radgrößen ausprobieren. Die größte Felge ist nicht automatisch die beste Wahl.

22-Zoll-Räder sehen gut aus, kosten aber später weiter

Der Testwagen trug 22 Zoll große Leichtmetallräder im Fünf-Speichen-Design. Der Aufpreis betrug 960 Euro.

Vorne kamen Reifen im Format 255/40 R22 zum Einsatz. Hinten waren es 285/35 R22.

Die unterschiedlichen Größen unterstützen die Abstimmung von Traktion, Seitenführung und Fahrverhalten. Gleichzeitig erhöhen sie die Kosten beim Reifenwechsel.

Ein kompletter Satz hochwertiger Sommer- oder Winterreifen in diesen Größen kann teuer werden.

Breite Reifen und große Räder können den Verbrauch ebenfalls beeinflussen. Verantwortlich sind unter anderem Rollwiderstand, Gewicht und aerodynamische Gestaltung.

Vor der Bestellung lohnt sich daher eine nüchterne Frage: Ist Dir die Optik den möglichen Mehrverbrauch, die höheren Reifenkosten und den etwas härteren Abrollkomfort wert?

Mir gefiel die Optik. Für eine hohe jährliche Laufleistung würde ich trotzdem prüfen, ob eine kleinere Radgröße sinnvoller ist.

One Pedal Drive bremst bis zum Stillstand | Volvo ES90

Der ES90 unterstützt One Pedal Drive.

Nimmst Du den Fuß vollständig vom Fahrpedal, verzögert das Fahrzeug und gewinnt einen Teil der Bewegungsenergie zurück. Der Elektromotor arbeitet dabei als Generator und speist Energie in die Batterie.

Bei aktivierter starker One-Pedal-Funktion kann der ES90 bis zum Stillstand abbremsen. Das Bremspedal bleibt für stärkere, plötzliche oder gezielte Bremsmanöver notwendig.

Es gibt je nach Einstellung auch einen automatischen Modus. Dabei entscheidet das Fahrzeug abhängig von der Verkehrssituation, wie stark es beim Loslassen des Fahrpedals verzögert.

Im Stadtverkehr kann One Pedal Drive angenehm sein. Nach kurzer Eingewöhnung lassen sich viele Situationen allein über das Fahrpedal steuern.

Nicht jeder mag diese Abstimmung. Manche Fahrer bevorzugen freies Rollen.

Auf glatter oder rutschiger Fahrbahn empfiehlt Volvo, One Pedal Drive nicht zu verwenden. Die Verzögerung kann auf Schnee und Eis ungewohnt wirken. Winterreifen und eine angepasste Fahrweise bleiben unverzichtbar.

92 kWh nominal und 88 kWh nutzbar | Volvo ES90

Die Fahrzeugspezifikation meines Testwagens nennt eine nominale Batteriekapazität von 92 kWh. Davon stehen 88 kWh als nutzbare Energie zur Verfügung.

Die Differenz schützt die Batterie. Das Fahrzeug verwendet nicht die gesamte physische Kapazität. Reserven am oberen und unteren Ende reduzieren die Belastung der Zellen.

88 kWh nutzbare Energie bilden eine gute Grundlage für lange Strecken.

Der kombinierte WLTP-Verbrauch meines Testwagens wurde mit 15,9 kWh pro 100 Kilometer angegeben.

Die WLTP-Verbrauchsangabe lässt sich nicht sinnvoll durch eine einfache Division mit der nutzbaren Batteriekapazität in eine exakte Reichweite umrechnen. Bei den Normwerten spielen Ladeverluste, Prüfbedingungen, Rundungen und die konkrete Fahrzeugkonfiguration eine Rolle.

Für den Alltag zählen ohnehin andere Faktoren:

  • Außentemperatur
  • Geschwindigkeit
  • Fahrstil
  • Beladung
  • Reifen und Felgengröße
  • Streckenprofil
  • Heizung und Klimaanlage
  • Regen und Gegenwind
  • Vorkonditionierung
  • viele kurze Einzelfahrten

Eine einzelne Reichweitenzahl kann deshalb nur eine Orientierung liefern.

Bis zu 630 Kilometer nach WLTP -92 kWh nominal und 88 kWh nutzbar | Volvo ES90

Für meinen Testwagen nennt die Fahrzeugspezifikation eine kombinierte WLTP-Reichweite von bis zu 630 Kilometern. Innerorts liegt der Normwert bei bis zu 751 Kilometern.

Das höhere Stadtergebnis wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Elektroautos arbeiten bei niedrigen Geschwindigkeiten jedoch häufig effizienter.

Der Luftwiderstand bleibt geringer. Beim Verzögern kann das Fahrzeug Energie zurückgewinnen. Ein Verbrennungsmotor verliert im Stadtverkehr dagegen viel Energie durch Leerlauf, Bremsen und häufiges Beschleunigen.

Auf der Autobahn steigt der Verbrauch deutlich. Hohes Tempo erhöht den Luftwiderstand. Gleichzeitig gibt es weniger Möglichkeiten zur Rekuperation.

Während meiner zwei Testwochen war ich mit der Reichweite zufrieden. Ich hatte im normalen Alltag nicht das Gefühl, ständig nach einer Ladesäule suchen zu müssen.

Einen belastbaren allgemeinen Autobahnverbrauch möchte ich daraus trotzdem nicht ableiten. Temperatur, Geschwindigkeit, Strecke und Verkehr beeinflussen den Wert zu stark.

Wer hauptsächlich mit 130 km/h oder schneller unterwegs ist, wird die 630 Kilometer nicht vollständig erreichen. Bei milden Temperaturen und ruhiger Fahrweise kann die reale Reichweite deutlich besser ausfallen als im kalten Winter.

Reichweite realistisch planen

Für lange Fahrten solltest Du nicht mit dem maximalen WLTP-Wert planen.

Eine Reserve von ungefähr zehn bis zwanzig Prozent macht Reisen entspannter. Staus, Umleitungen, Gegenwind und defekte Ladesäulen lassen sich nie vollständig ausschließen.

Kurze Winterfahrten können den Durchschnittsverbrauch erhöhen. Innenraum und Batterie müssen bei jeder Fahrt erneut erwärmt werden.

Auf längeren Etappen verteilt sich dieser anfängliche Energiebedarf auf mehr Kilometer.

Wer überwiegend Stadt und Landstraße fährt, kann die Effizienz des ES90 besser ausnutzen als jemand, der dauerhaft sehr schnell über die Autobahn fährt.

Die Fahrzeugnavigation hilft bei der Planung. Trotzdem lohnt es sich, vor längeren Reisen alternative Ladeparks entlang der Strecke zu kennen.

800-Volt-Technik verkürzt Ladepausen

Der ES90 nutzt eine 800-Volt-Architektur.

Eine höhere Spannung ermöglicht bei gleicher Leistung einen niedrigeren Stromfluss. Dadurch können Leitungsverluste und Wärmeentwicklung reduziert werden.

Die Technik schafft die Grundlage für hohe Ladeleistungen. Laut Fahrzeugspezifikation kann der Testwagen unter passenden Bedingungen in rund 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden.

Wichtig ist die genaue Formulierung: Eine 350-kW-Ladesäule bezeichnet die verfügbare Leistung der Station. Das bedeutet nicht, dass der ES90 während des gesamten Vorgangs konstant 350 kW aufnimmt.

Die Ladeleistung verändert sich während des Vorgangs. Sie steigt zunächst an, erreicht einen Spitzenwert und fällt mit zunehmendem Batteriestand wieder ab.

Temperatur, Ladezustand, Vorkonditionierung und Auslastung der Säule beeinflussen die Ladezeit.

Die 22 Minuten sind daher ein guter Idealwert, aber keine Garantie für jeden Ladestopp.

Vorkonditionierung hilft beim Schnellladen

Lithium-Ionen-Batterien laden in einem bestimmten Temperaturbereich am schnellsten.

Ist die Batterie im Winter zu kalt oder nach starker Belastung zu warm, reduziert das Fahrzeug die Ladeleistung zum Schutz der Zellen.

Wählst Du eine Schnellladestation im integrierten Navigationssystem als Ziel aus, kann der ES90 die Batterie vor der Ankunft auf eine passende Temperatur bringen.

Wer ausschließlich mit einer Smartphone-App zur Ladesäule navigiert, löst diese Vorbereitung möglicherweise nicht aus.

Für lange Reisen ist daher folgende Vorgehensweise sinnvoll:

  • Ladestation frühzeitig in Google Maps im Fahrzeug auswählen
  • mit ausreichender Reserve ankommen
  • möglichst eine leistungsfähige Station nutzen
  • Alternativen entlang der Route kennen
  • nur so weit laden, wie es für die nächste Etappe nötig ist

Die letzten Prozent benötigen an einer Schnellladesäule deutlich mehr Zeit. Auf Reisen sind mehrere kürzere Stopps oft schneller als das Laden bis 100 Prozent.

Von 10 auf 80 Prozent sind theoretisch 61,6 kWh

Die nutzbare Kapazität beträgt laut Fahrzeugunterlagen 88 kWh.

Der Bereich von 10 auf 80 Prozent entspricht 70 Prozent dieser Kapazität. Rechnerisch werden dabei rund 61,6 kWh im nutzbaren Batteriebereich ergänzt.

Die Ladesäule gibt wegen Ladeverlusten etwas mehr Energie ab. Die später abgerechnete Strommenge kann daher höher liegen.

Wie viele Kilometer nach dem Ladestopp möglich sind, hängt vom folgenden Verbrauch ab.

Bei 20 kWh pro 100 Kilometer reichen 61,6 kWh rechnerisch für rund 308 Kilometer.

Bei 17 kWh pro 100 Kilometer wären es etwa 362 Kilometer.

Diese Rechnungen sind für die Reiseplanung hilfreicher als die pauschale Umrechnung von 70 Prozent des WLTP-Wertes.

700 Kilometer mit einem Ladestopp bleiben eine Modellrechnung

Rein rechnerisch kann eine Strecke von 700 Kilometern bei mildem Wetter, ruhigem Autobahntempo und gut gewähltem Ladestopp mit einer Pause funktionieren.

Das ist keine Garantie. Ich habe während meines Tests keine kontrollierte 700-Kilometer-Vergleichsfahrt unter festgelegten Bedingungen durchgeführt.

Bei niedrigen Temperaturen, Regen, Gegenwind oder höherem Tempo können zwei kürzere Ladestopps sinnvoller sein.

Für eine realistische Planung zählen:

  • Verbrauch auf der ersten Etappe
  • Temperatur und Wetter
  • Entfernung zur Ladestation
  • verfügbare Ladeleistung
  • Ausweichmöglichkeiten
  • gewünschte Restreichweite am Ziel
  • Lademöglichkeit am Hotel oder Geschäftstermin

Bei einem Auto wie dem ES90 ist die Kombination aus großer Batterie und kurzer Ladezeit wichtiger als eine möglichst hohe Prospektzahl.

Rund zehn Stunden an der 11-kW-Wallbox

An einer dreiphasigen 11-kW-Wallbox benötigt der getestete ES90 laut Fahrzeugunterlagen rund zehn Stunden für eine Ladung von 0 auf 100 Prozent.

Im Alltag lädt kaum jemand regelmäßig von völlig leer bis vollständig voll.

Kommst Du mit 40 Prozent nach Hause und möchtest bis 80 Prozent laden, dauert der Vorgang entsprechend kürzer.

Für viele Fahrer reicht eine 11-kW-Wallbox daher aus. Das Auto steht nachts meist länger, als der Ladevorgang benötigt.

Eine eigene Wallbox bietet mehrere Vorteile:

  • planbares Laden zu Hause
  • Nutzung günstiger Stromtarife
  • Vorklimatisierung während des Ladens
  • täglicher Start mit festgelegtem Batteriestand
  • geringere Abhängigkeit von öffentlichen Säulen
  • mögliche Nutzung von Solarstrom

Vor der Installation sollte ein Elektrofachbetrieb Hausanschluss, Leitung und Absicherung prüfen.

Was kosten 100 Kilometer?

Die Fahrzeugspezifikation meines Testwagens nennt einen Verbrauch von 15,9 kWh pro 100 Kilometer.

Bei einem Strompreis von 35 Cent pro kWh ergeben sich rechnerisch rund 5,57 Euro pro 100 Kilometer.

Bei 45 Cent pro kWh steigen die Kosten auf etwa 7,16 Euro.

An einer Schnellladesäule mit 59 Cent pro kWh kosten 100 Kilometer rechnerisch rund 9,38 Euro.

Bei 79 Cent pro kWh wären es etwa 12,56 Euro.

Diese Werte berücksichtigen keine Ladeverluste. Die Strommenge am Zähler liegt etwas höher als die später nutzbare Energie im Akku.

Auch der reale Verbrauch kann vom WLTP-Wert abweichen. Auf einer schnellen Autobahnetappe fallen die Kosten daher höher aus.

Der Unterschied zwischen Laden zu Hause und spontanem Schnellladen ist deutlich. Vielfahrer sollten neben dem Fahrzeug auch den Ladetarif sorgfältig auswählen.

Kosten einer vollständigen Ladung

88 kWh nutzbare Kapazität ergeben bei 35 Cent pro kWh rechnerische Energiekosten von 30,80 Euro.

Bei 45 Cent pro kWh wären es 39,60 Euro.

Bei 59 Cent pro kWh steigt der Betrag auf 51,92 Euro.

Bei 79 Cent pro kWh kostet dieselbe rechnerische Energiemenge 69,52 Euro.

Ladeverluste kommen noch hinzu.

Ein Privatkäufer mit Photovoltaikanlage rechnet anders als ein Dienstwagenfahrer mit Ladekarte. Deshalb gibt es keinen allgemeingültigen Kilometerpreis.

Vor dem Kauf solltest Du klären:

  • Kannst Du zu Hause laden?
  • Gibt es Ladepunkte am Arbeitsplatz?
  • Welchen Strompreis zahlst Du unterwegs?
  • Übernimmt der Arbeitgeber Ladekosten?
  • Benötigst Du regelmäßig Schnellladesäulen?
  • Kannst Du eigenen Solarstrom nutzen?

Erst danach lässt sich das persönliche Kostenbild vernünftig einschätzen.

Sicherheit gehört zum Konzept

Volvo verbindet die eigene Marke seit Jahrzehnten mit Sicherheit. Beim ES90 fällt die Liste der Systeme entsprechend lang aus.

Je nach Ausstattung überwacht das Fahrzeug den Bereich neben und hinter dem Auto, warnt vor Querverkehr und erkennt Verkehrsteilnehmer, die sich beim Öffnen einer Tür nähern.

Weitere Systeme erkennen Fußgänger und Radfahrer, unterstützen beim Halten der Spur und überwachen erkannte Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Eine adaptive Geschwindigkeitsregelung hält Abstand zum vorausfahrenden Verkehr. In kritischen Situationen können automatische Bremseingriffe helfen.

Solche Systeme können den Fahrer unterstützen und Unfälle vermeiden. Fehlerfrei arbeiten sie nicht.

Schlechte Markierungen, Baustellen, Regen, Schnee oder verschmutzte Sensoren können die Erkennung beeinträchtigen. Die Verantwortung bleibt beim Fahrer.

Fahrerüberwachung kann nützlich und lästig sein

Der ES90 überwacht, ob der Fahrer aufmerksam wirkt.

Erkennt das System Müdigkeit oder ausbleibende Reaktionen, kann es Warnungen ausgeben. In einer ernsten Situation kann der Emergency Stop Assist weitere Maßnahmen einleiten.

Der Sicherheitsgedanke ist nachvollziehbar. Auf langen Strecken kann eine frühe Warnung helfen.

Zu häufige Hinweise können jedoch nerven. Wenn ein System bei harmlosen Blickbewegungen ständig Alarm schlägt, gewöhnt sich der Fahrer an die Warnungen.

Während der Probefahrt solltest Du darauf achten, wie sich das System verhält und welche Einstellungen dauerhaft gespeichert werden.

Softwareupdates können die Abstimmung später verändern. Das kann Verbesserungen bringen, aber auch die Bedienung oder das Warnverhalten ändern.

Pilot Assist im Zusatzpaket

Mein Testwagen verfügte über ein Pilot-Assist-Paket für 2.400 Euro.

Das System unterstützt bei Geschwindigkeit, Abstand und Spurführung.

Pilot Assist macht aus dem ES90 kein selbstfahrendes Auto. Du musst den Verkehr beobachten und jederzeit eingreifen können.

Auf gut markierten Autobahnen kann die Unterstützung längere Fahrten entspannter machen. Das Fahrzeug hält Abstand, passt das Tempo an und hilft beim Führen in der Spur.

In Baustellen, bei schlechtem Wetter oder undeutlichen Markierungen kann die Funktion eingeschränkt sein.

Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt vom Fahrprofil ab. Für regelmäßige Autobahnfahrten ist das Paket interessanter als für kurze Wege in der Stadt.

360-Grad-Kamera und Pixel-LED-Licht

Die Rundumsicht mit 3D-Darstellung half mir beim Rangieren mit dem langen Fahrzeug.

Kameras an mehreren Seiten erzeugen ein zusammengesetztes Bild der Umgebung. So lassen sich Bordsteine, Markierungen und enge Durchfahrten besser einschätzen.

Ein automatischer Bremseingriff kann beim Rangieren unterstützen. Darauf verlassen solltest Du Dich nicht.

Zur Ausstattung meines Testwagens gehörten auch hochauflösende Pixel-LED-Scheinwerfer.

Das System passt die Lichtverteilung an Verkehr und Fahrsituation an. Es kann entgegenkommende oder vorausfahrende Fahrzeuge gezielt ausblenden und andere Bereiche weiter ausleuchten.

Wer häufig nachts fährt, sollte eine Probefahrt am Abend vereinbaren. Die Qualität eines Lichtsystems lässt sich bei Tageslicht kaum beurteilen.

Akustikverglasung unterstützt den Reisekomfort

Ohne Verbrennungsmotor treten Wind-, Reifen- und Fahrwerksgeräusche stärker in den Vordergrund.

Die Akustikverglasung meines Testwagens reduzierte einen Teil dieser Geräusche. Auf der Autobahn wirkte der Innenraum angenehm ruhig.

Die 22-Zoll-Reifen blieben je nach Fahrbahnbelag hörbar. Glatter Asphalt war deutlich leiser als grober Beton oder schlechter Straßenbelag.

Für Vielfahrer lohnt sich eine Probefahrt auf der Autobahn. Schalte dabei Musik und Lüftung kurz aus. Dann hörst Du schnell, wie viel Wind- und Reifengeräusch tatsächlich in den Innenraum gelangt.

Passt der ES90 zu Geschäftsreisenden und Familien?

Der Volvo ES90 kann für unterschiedliche Nutzer funktionieren.

Geschäftsreisende profitieren von bequemen Sitzen, Akustikverglasung, Head-up-Display und schneller Ladetechnik. Der Auftritt wirkt hochwertig, ohne übertrieben auffällig zu sein.

Vielfahrer erhalten ein Auto, das lange Etappen ruhig und komfortabel bewältigt. Die Kombination aus großer Batterie und kurzer DC-Ladezeit ist dafür wichtiger als extreme Motorleistung.

Familien profitieren von der geräumigen zweiten Sitzreihe, ISOFIX, Vier-Zonen-Klimaautomatik und Sicherheitsausstattung.

Beim Gepäckraum sollten Familien genauer hinsehen. 424 Liter plus Frunk reichen für viele Situationen, aber nicht automatisch für jeden Urlaub mit fünf Personen.

Auch die Zuladung von 490 Kilogramm kann bei voller Besetzung relevant werden.

Wer Fahrräder, Dachbox oder Anhänger nutzen möchte, sollte die zulässigen Lasten seiner konkreten Konfiguration beim Händler prüfen.

Die Ultra-Ausstattung des Testwagens

Die Ausstattung des von mir gefahrenen Ultra-Testwagens war bereits umfangreich.

Dazu gehörten laut Fahrzeugunterlagen unter anderem:

  • adaptives Luftfahrwerk i
  • elektrisch einstellbare Vordersitze i
  • Massagefunktion für Fahrer und Beifahrer i
  • Sitzheizung vorne und hinten i
  • Vier-Zonen-Klimaautomatik i
  • Wärmepumpe i
  • Head-up-Display i
  • Pixel-LED-Scheinwerfer i
  • feststehendes Panorama-Glasdach mit elektrischer Abdunklung i
  • Akustikverglasung i
  • 360-Grad-Kamera mit 3D-Ansicht i
  • Android Automotive mit Google-Diensten i
  • Apple CarPlay i
  • induktives Smartphone-Laden i
  • vier USB-C-Anschlüsse i
  • Digital Key Plus i
  • One Pedal Drive i
  • elektrische Sitzverstellung mit Memory-Funktion i
  • Luftreinigungssystem i
  • zahlreiche Fahrerassistenzsysteme i

Ausstattungsinhalte können sich je nach Modelljahr und Konfiguration ändern. Für eine Bestellung zählt daher immer die konkrete schriftliche Bestellübersicht.

Die Sonderausstattung meines Testwagens

Die Extras des Testwagens kosteten zusammen 8.630 Euro.

Pilot-Assist-Paket: 2.400 Euro

Für Vielfahrer kann das Paket sinnvoll sein. Auf Autobahnen und im dichten Verkehr kann die Unterstützung entlasten.

Winter-Paket: 300 Euro

Welche Funktionen das Paket bei der konkreten Konfiguration ergänzt, sollte aus der Bestellliste klar hervorgehen.

Aurora Silver Metallic: 1.000 Euro

Die Lackierung gefiel mir gut. Ob sie den Aufpreis wert ist, bleibt Geschmackssache.

22-Zoll-Leichtmetallräder: 960 Euro

Die Räder prägen die Optik. Sie können jedoch höhere Reifenkosten, etwas mehr Verbrauch und einen härteren Abrollkomfort mit sich bringen.

Abgedunkelte Seiten- und Heckfenster: 510 Euro

Sie reduzieren Einblicke und können die Sonneneinstrahlung im Fond verringern.

Bowers & Wilkins Soundsystem: 3.460 Euro

Das Audiosystem ist der teuerste einzelne Zusatzposten. Für Musikliebhaber kann es interessant sein. Wer kaum einen Unterschied zum serienmäßigen System hört, spart hier viel Geld.

Mit allen Extras lag der Gesamtpreis bei 92.620 Euro.

Welche Extras würde ich genauer abwägen?

Das Pilot-Assist-Paket passt zu Fahrern, die häufig Autobahn fahren.

Beim Winter-Paket solltest Du prüfen, welche Funktionen darin enthalten sind und ob sie nicht bereits an anderer Stelle zur Ausstattung gehören.

Lackierung und abgedunkelte Scheiben betreffen hauptsächlich Optik und Komfort.

Die 22-Zoll-Räder würde ich bei hoher Jahresfahrleistung kritisch betrachten. Eine kleinere Felge könnte besser zu einer komfortorientierten Reiselimousine passen und später Geld sparen.

Das Bowers-&-Wilkins-System lohnt sich nur, wenn Du den Unterschied tatsächlich hörst und viel Musik im Auto genießt.

Eine gute Konfiguration besteht aus Extras, die Du während der gesamten Haltedauer regelmäßig nutzt.

Preis und Gegenwert

83.990 Euro Grundpreis und 92.620 Euro für den Testwagen sind eine klare Ansage.

Der Gegenwert besteht nicht allein aus Leistung und Reichweite. Der Käufer erhält ein großes Elektroauto mit Luftfahrwerk, bequemen Sitzen, schneller Ladetechnik, hochwertigen Lichtsystemen und umfangreicher Komfortausstattung.

333 PS wirken in dieser Preisklasse nicht außergewöhnlich. Der Single Motor Extended Range verfolgt jedoch keinen Leistungswettbewerb.

Der Heckantrieb reicht für souveränes Reisen. Die hohe Reichweite und die kurze Ladezeit passen besser zum Charakter des Fahrzeugs als ein brutaler Sprintwert.

Als reines Fortbewegungsmittel ist der ES90 sehr teuer. Als komfortable elektrische Oberklasse-Limousine mit großer Heckklappe und umfangreicher Ausstattung wirkt das Konzept nachvollziehbarer.

Die größten Vorteile

Volvo ES90 im Test

Stärken und Schwächen auf einen Blick

Viel Komfort, hohe Reichweite und starke Ladetechnik treffen auf einen hohen Preis, viel Gewicht und Schwächen beim digitalen Fahrzeugzugang.

Die größten Vorteile

  • Angenehmer Fahrkomfort
  • Hohe angegebene Reichweite
  • Schnelle DC-Ladung
  • 800-Volt-Technik
  • Gut dosierbarer Heckantrieb
  • 333 PS und 480 Nm
  • Bequeme Sitze
  • Massagefunktion
  • Adaptives Luftfahrwerk
  • Viel Platz in der zweiten Sitzreihe
  • Ruhiger Innenraum
  • Akustikverglasung
  • Vier-Zonen-Klimaautomatik
  • Wärmepumpe
  • Gute Google-Integration
  • Head-up-Display
  • Hilfreiche 360-Grad-Kamera
  • Große und praktische Heckklappe
  • Zurückhaltendes Design
  • Gute Eignung für lange Strecken

Die wichtigsten Nachteile

  • Hoher Grundpreis
  • Testwagenpreis von mehr als 92.000 Euro
  • Hohes Leergewicht von 2.410 Kilogramm
  • Maximale Zuladung von nur 490 Kilogramm
  • Kofferraum nicht übermäßig groß
  • Große Außenabmessungen
  • Hohe Folgekosten der 22-Zoll-Reifen
  • Viele Funktionen im Touchscreen
  • Unzuverlässiger Smartphone-Zugang bei meinem Testwagen
  • Elektronische Begrenzung auf 180 km/h
  • Reale Reichweite stark von Tempo und Temperatur abhängig
  • Hohe Stromkosten bei teuren spontanen Schnellladetarifen

Nicht jeder Nachteil betrifft jeden Nutzer gleich stark.

Wer zu Hause lädt, bewertet die Stromkosten anders als ein Laternenparker. Ein Fahrer mit breiter Garage empfindet die Außenmaße weniger störend als jemand mit engem Stellplatz.

Für wen passt der Volvo ES90?

Der ES90 passt gut zu Fahrern, die eine ruhige und komfortable Elektrolimousine suchen.

Geschäftsreisende profitieren von der guten Langstreckentauglichkeit, dem hochwertigen Auftritt und dem leisen Innenraum.

Vielfahrer erhalten viel Reichweite und eine schnelle Ladetechnik.

Familien finden auf der Rückbank viel Platz und profitieren von den Sicherheitsfunktionen. Sie sollten den Kofferraum und die Zuladung vor dem Kauf praktisch prüfen.

Dienstwagenfahrer bekommen eine repräsentative Limousine, die modern wirkt, ohne unnötig aggressiv aufzutreten.

Weniger gut passt der ES90 zu Menschen, die ein handliches Stadtauto, einen riesigen Gepäckraum oder einen günstigen Einstieg in die Elektromobilität suchen.

Fahrer, die regelmäßig deutlich schneller als 180 km/h fahren möchten, werden mit der elektronischen Begrenzung ebenfalls nicht glücklich.

Was Du bei der Probefahrt testen solltest

Eine kurze Runde um das Autohaus reicht bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse nicht.

Plane ausreichend Zeit ein und fahre Stadt, Landstraße und Autobahn.

Achte dabei auf folgende Punkte:

  • Sitzkomfort nach mindestens einer Stunde
  • Bedienung des Touchscreens
  • Reaktion der Sprachsteuerung
  • Sicht nach vorne und hinten
  • Rangieren in engen Parklücken
  • Qualität der 360-Grad-Kamera
  • Verhalten des Luftfahrwerks auf schlechten Straßen
  • Abrollkomfort der gewählten Radgröße
  • Wind- und Reifengeräusche bei Autobahntempo
  • Platz mit eigenen Kindersitzen
  • Kofferraum mit Deinem üblichen Gepäck
  • Einrichtung des Digital Key
  • automatische Ver- und Entriegelung
  • Nutzung der Schlüsselkarte
  • Verbindung mit Deinem Smartphone
  • Ladeplanung in Google Maps
  • Verhalten der Assistenzsysteme
  • Lesbarkeit von Fahrerdisplay und Head-up-Display
  • Bedienung bei Dunkelheit
  • Wirkung des Panoramadachs bei Sonne

Lass Dir auch den bisherigen Durchschnittsverbrauch anzeigen. Ein komplett zurückgesetzter Bordcomputer liefert weniger Erkenntnisse als ein realistischer Wert aus dem bisherigen Fahrbetrieb.

Fragen vor der Bestellung

Vor der Unterschrift solltest Du einige Punkte schriftlich klären:

  • Welche Reichweite gilt für die bestellte Radgröße?
  • Welche Verbrauchsangabe gehört genau zu Deiner Konfiguration?
  • Welche Schlüssel und Schlüsselkarten werden mitgeliefert?
  • Welche Smartphones unterstützen Digital Key Plus vollständig?
  • Welche Funktionen enthält das Pilot-Assist-Paket?
  • Welche Ausstattung umfasst das Winter-Paket?
  • Welche maximale DC-Ladeleistung gilt für die konkrete Variante?
  • Welche Ladekabel liegen bei?
  • Wie lange sind die vernetzten Google-Dienste enthalten?
  • Welche Kosten entstehen danach?
  • Welche Garantie gilt für Fahrzeug und Batterie?
  • Welche Wartungsintervalle nennt Volvo?
  • Wie teuer sind passende Winterräder?
  • Welche Lieferzeit gilt schriftlich?
  • Welche Softwareversion besitzt das Fahrzeug bei Übergabe?
  • Richtet der Händler alle Nutzerprofile und Schlüssel gemeinsam mit Dir ein?
  • Welche Rückgabebedingungen gelten beim Leasing?

Mündliche Aussagen geraten schnell in Vergessenheit. Die schriftliche Bestellübersicht ist daher wichtiger als ein freundliches Verkaufsgespräch.

Fazit zum Volvo ES90 Single Motor Extended Range Ultra

Der Volvo ES90 Single Motor Extended Range Ultra ist eine elektrische Oberklasse-Limousine für Fahrer, die Komfort, Ruhe und Reichweite höher bewerten als extreme Leistungswerte.

Ich bin den ES90 zwei Wochen lang in der Stadt, auf Landstraßen und auf der Autobahn gefahren. Mit dem Fahrverhalten, dem Komfort und der Reichweite war ich sehr zufrieden.

333 PS und 480 Nm passen gut zum Fahrzeug. Der ES90 beschleunigt kraftvoll, bleibt dabei aber angenehm dosierbar. Mir fehlte keine zusätzliche Motorleistung.

Die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h reicht für meinen Alltag. Wer regelmäßig deutlich schneller fahren möchte, wird das anders beurteilen.

Die nutzbare Batteriekapazität von 88 kWh schafft eine gute Grundlage für lange Strecken. Die für meinen Testwagen angegebene WLTP-Reichweite von bis zu 630 Kilometern und die 800-Volt-Technik machen den ES90 für Vielfahrer interessant.

Unter passenden Bedingungen soll der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent rund 22 Minuten dauern. Die tatsächliche Zeit hängt von Batterie, Temperatur und Ladesäule ab.

Der Innenraum bietet bequeme Sitze, Massagefunktion, Vier-Zonen-Klimaautomatik, ein großes Panoramadach und eine ruhige Atmosphäre.

Das adaptive Luftfahrwerk passt sehr gut zu einer komfortorientierten Reiselimousine. Auch die Akustikverglasung trägt zum entspannten Fahrgefühl bei. Auf der Rückbank steht viel Platz zur Verfügung. Der Kofferraum mit 424 Litern fällt für ein fünf Meter langes Auto nicht außergewöhnlich groß aus. Die große Heckklappe und der zusätzliche Frunk verbessern jedoch die Nutzbarkeit.

Kritik gibt es beim Preis und bei der digitalen Schlüsseltechnik meines Testwagens.

Mehrfach ließ sich das Fahrzeug nicht sofort starten. Beim Weggehen verriegelten sich die Türen nicht immer zuverlässig. Dadurch musste ich kontrollieren, ob das Smartphone erkannt wurde und ob das Auto tatsächlich abgeschlossen war.

Bei einer Grundfunktion wie Öffnen, Starten und Verriegeln darf moderne Technik keine neue Unsicherheit schaffen.Diese Probleme betreffen nicht den Antrieb, die Reichweite oder den Fahrkomfort. Sie beeinflussen aber den Alltag deutlich.

Unterm Strich überwiegen für mich die positiven Eindrücke. Der Volvo ES90 fährt ruhig, bequem und souverän. Er passt sehr gut zu langen Strecken und wirkt modern, ohne seine Passagiere ständig mit unnötiger Hektik zu belasten.

Ich kann den Volvo ES90 Single Motor Extended Range Ultra daher empfehlen. Voraussetzung ist, dass der digitale Fahrzeugzugang beim konkreten Auto zuverlässig funktioniert und alle Schlüsselmedien bei der Übergabe sauber eingerichtet werden.Wer eine elektrische Oberklasse-Limousine für Geschäftsfahrten, Familie oder lange Reisen sucht, sollte den ES90 selbst fahren.

Die Probefahrt sollte nicht auf eine kurze Stadtrunde beschränkt bleiben. Nimm Dir Zeit für eine Autobahnetappe, teste das Fahrwerk auf schlechten Straßen und probiere Smartphone-Schlüssel sowie Schlüsselkarte mehrfach aus.Dann merkst Du schnell, ob der Volvo zu Deinem Alltag passt.

Bonus-Tipp: Digitalen Schlüssel direkt bei der Übergabe testen

Lass Dir Digital Key Plus nicht nur kurz zeigen. Richte die Funktion gemeinsam mit dem Händler vollständig ein und teste alle Abläufe mehrfach.

Entferne Dich vom Fahrzeug und kontrolliere, ob es sich wirklich verriegelt.

Nähere Dich erneut, öffne die Türen und starte den Wagen.

Prüfe auch:

  • Was passiert bei deaktiviertem Bluetooth?
  • Funktioniert der Zugang über NFC?
  • Welche Funktion bleibt bei niedrigem Smartphone-Akkustand erhalten?
  • Wo muss die Schlüsselkarte angelegt werden?
  • Wie wird das Auto mit der Schlüsselkarte gestartet?
  • Bekommst Du eine zweite Schlüsselkarte?
  • Kann ein zweiter Fahrer einen eigenen digitalen Schlüssel einrichten?
  • Welche Ersatzlösung gibt es bei Verlust des Smartphones?

Bewahre die Schlüsselkarte nicht dauerhaft zu Hause auf. Sie bringt Dir wenig, wenn Du unterwegs vor einem Auto stehst, das Dein Smartphone gerade nicht erkennt.

Diese zusätzlichen Minuten bei der Übergabe können später viel Ärger verhindern. Bei einem Fahrzeug für mehr als 80.000 Euro sollten Öffnen, Starten und Verriegeln schließlich zu den einfachsten Dingen gehören.