DS4: Ein Kompakter mit Noblesse

Innenraum – Schönester seiner Klasse

DS4: Ein Kompakter mit Noblesse

Langeweile: Ein Begriff, der gerne für die Kompaktklasse verwendet werden kann. Wer an ein Modell dieser Zunft denkt, hat oftmals den so genannten Klassenprimus, den Volkswagen Golf im Sinn. Und das ist grundsätzlich kein Fehler, stellt das Wolfsburger Derivat so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau dar. Nur der Charme des Außergewöhnlichen geht ihm ab. Davon hat der DS4 hingegen einiges zu bieten. Ist das nicht ein Citroen, wird sich mancher fragen? Eine eindeutige Antwort ist schwer zu treffen.

Design – Französischer Chic soweit das Auge reicht

Nun, der Doppelwinkel – das Markenemblem von Citroen – prangt durchaus am Bug des DS4. Dennoch werden die DS-Modelle als eigene Marke gehandelt. Eine Art Nobelmarke von Citroen, könnte man sagen. Und nobel wirkt der DS4 allemal: Chromzierleisten blitzen und blinken aus allen Blickwinkeln. Allerdings gibt sich der DS4 auch durchaus unkonventionell, wie sich an der Mischung aus Coupé, Limousine und SUV zeigt. An der Front kommt hingegen der böse Blick zum Tragen, wodurch der DS4 als Gesicht in der Menge hervorgeht. Betont wird dies durch die LED-Lichtbögen für das Tagfahrlicht, sowie die markant ausgestellte Motorhaube.

Seitlich fällt die leicht erhöhte Bodenfreiheit kaum auf. Erst in der Ausstattungslinie „Crossback“ wird dieses Attribut u.a. durch die Kunststoffbeplankung augenscheinlicher. Allen Versionen gemein sind hingegen die satten Karosserie-Flächen sowie die filigrane Dachpartie mit ihrem Coupé-haften Schwung. Besondere Betonung findet dies durch die elegant versteckten, hinteren Türgriffe. Ein optischer Genuss, funktional kann man diesen Design-Trick hingegen in Frage stellen, da Mitfahrer, die den DS4 noch nicht kennen, zunächst ins Leere greifen. Aber wer schön sein will…

Interieur – Der DS4 lebt das Unkonventionelle

Natürlich geht der DS4 im Innenraum auch einen leicht unkonventionellen Weg. Nobel gibt sich die Top-Version und gefällt mit Lack und Leder soweit das Auge reicht, während die geschwungene Abdeckung des Armaturenbretts und der Instrumente für alle Varianten vorgesehen ist – eine tolle Gestaltung. Das gilt auch für die Anzeigen: Die Rundinstrumente wirken nicht nur nobel gestaltet, sondern lassen sich auch in verschiedenen Farbtönen arrangieren – je nach Lust und Laune.

Doch wo Licht, da auch Schatten – und das gilt primär für die Rückbank. Zunächst missfällt der Zustieg, der aufgrund der schmalen Türen beschwerlich ausfällt. Hat man dann Platz genommen, wird man schnell bemerken, dass die Coupéform hier ihren Tribut fordert: Die Kopffreiheit ist beengt. Und noch ein Umstand stößt auf hochgezogene Augenbrauen: Die Fenster im Fond lassen sich nicht öffnen. Dafür bringt die Panoramadach immerhin viel Licht in den Innenraum.

In Sitzreihe eins herrscht hingegen eitel Sonnenschein. Hier sind die Platzverhältnisse großzügig und die leicht erhöhte Sitzposition gegenüber seinen Mitbewerbern vermittelen ein erhabenes Gefühl. Außerdem lassen sich alle Schalter gut erreichen – das passt. Für die Lenkradtasten sollte man sich allerdings eine gewisse Eingewöhnungszeit nehmen, da das Volant schlicht mit Knöpfchen überladen ist. Angenehmerweise hat sich Citroen – pardon – DS von der feststehenden Lenkradnabe früherer Modelle nicht infizieren lassen.

Unter dem Blech – Allerhöchstens „State of the Art“

Ok, der DS4 zeigt ein Exterieur, das extravagant wirkt. Auch das Interieur gibt sich unkonventionell. Und unter dem Blech? Hier bekommt man eher Hausmannskost, als „Haute cuisine“. Natürlich zeigt sich der Kompakte von der sicheren Seite, bietet Airbags rundum sowie zahlreiche elektronische Sicherheitssysteme. Aber ein Fahrer-Knieairbag beispielsweise? Fehlt! Ansonsten liest sich die Liste der Serienausstattung gut, lässt aber Finesse fehlen. Wobei man sich über die Annehmlichkeiten, die frei Haus kommen, kaum beklagen kann. Mit von der Partie sind immer eine Berganfahrhilfe, eine Einparkhilfe für vorn und hinten sowie ein Tempomat. Außerdem überwacht der DS4 gerne den toten Winkel. Und in der Top-Ausstattung „Business Class” überzeugt das Kompaktmodell mit einem modernen Infotainment-System mit 7-Zoll-Touchscreen, digitalem Radioempfang sowie mit Mirror Screen. Doch technische Leckerbissen sucht man vergebens.

Selbst die Optionsliste bietet hier wenig Abhilfe. Eine, in verschiedenen Paketen erhältliche, Rückfahrkamera ist genauso state of the Art, wie ein Schlüssellos-System oder LED-Scheinwerfer. Ja, die LED-Blinker mit Lauflicht sind chic, aber auch keine französische Idee. Wo sind die Highlights? Schließlich gilt Citroen als der Erfinder des Kurvenlichts und des hydropneumatischen Fahrwerks. Und gerade bei einer Nobelmarke – nichts anderes möchte DS sin – könnte man ein paar technische Leckerbissen in petto haben…

Motoren – Wenn der Weg das Ziel ist

Eines kann man den Antrieben des DS4 nun wirklich nicht nachsagen: Umweltsünder sind sie wirklich nicht. Alle Aggregate erfüllen die Euro 6 Abgasnorm und genehmigen sich nur zurückhaltende Schlucke fossiler Brennstoffe. Dennoch bieten auch die Motoren Gewohntes, anstatt mit technischen Highlights zu glänzen. Der Einstiegsmotor bei den Benzinern ist ein 1.2 Liter Vierzylinder mit Turbo-Aufladung und 130 PS sowie einer 6-Gang-Handschaltung. Damit ist man bis zu 198 km/h schnell und spurtet binnen 10,8 bis 11 Sekunden 100 km/h – je nach Bereifung. Das passt genauso, wie der durchschnittliche Verbrauch von 4,9 bis 5,0 Litern auf 100km. Der Top-Benziner verfügt über 1.6 Liter Hubraum und generiert 165 PS. Er ist ausschließlich mit einer müden 6-Gang-Automatik erhältlich und kann zwischen 211 bis 218 km/h schnell sein. Für den Spurt auf 100 km/h geben die Franzosen 9,5 Sekunden an, der durchschnittliche Durst wird mit 5,5 bis 5,6 Liter/100km beziffert.

Bei den Dieseln startet die DS4-Welt mit 1.6 Litern Hubraum und 120 PS. Dieses Aggregat kann man mit einer 6-Gang-Handschaltung oder einer Automatik mit ebenfalls sechs Gängen kombinieren. Immer mit dabei ist das satte Drehmoment von 300 Nm. Wobei die Fahrleistungen eher zurückhaltend ausfallen: Mit 189 bis 193 km/h Höchstgeschwindigkeit und einer Beschleunigungszeit von 12,5 Sekunden (Automatik; Schalter: 12,3 bis 12 Sekunden) auf 100 km/h gewinnt man keine Herzen. Das macht auch der Top-Diesel, der BLUEHDI 180 mit 180 PS und gewaltigen 400 Nm kaum besser – hier täuscht die Papierform. Mit der ausschließlich verbauten 6-Gang-Automatik vergehen 9,3 Sekunden auf 100 km/h – für 180 PS kein Ruhmesblatt. Die 205 km/h Topspeed ebenfalls nicht. Dafür geht der Verbrauch mit 4,3 bis 4,4 Litern mehr als in Ordnung. Der 1.6 Liter-Bruder benötigt zwischen 3,7 und 3,8 bzw. 3,8 bis 4,1 mit Automatik.

Preise – Wer schön sein will…

Die Reise in die schöne DS4-Welt beginnt bei 23.990 Euro – nicht wenig für einen Kompakten. Dafür bekommt man den Basis-Benziner, der im Endeffekt vollkommen ausreicht, mit einer mehr als passablen Basis-Ausstattung. Hiermit kann man eigentlich schon glücklich werden. Für 1.500 Euro mehr erhält man eine Art Geländeoptik und den Beinahmen „Crossback“. Wem die Optik gefällt, kann hier zugreifen, ansonsten bietet der Crossback nur Zierrat. Der 165 PS starke Benziner kommt auf mindestens 27.000 Euro – in der Basis-Ausstattung wohlgemerkt. Diesen Aufpreis kann man sich aufgrund der verhalten besseren Fahrleistungen sparen.

Die Diesel starten bei 25.990 Euro, der Top-Diesel schlägt mit 30.390 schon ein großes Loch in die Kasse. Für die Top-Ausstattung Business-Class muss man nochmals rund 2.400 Euro mehr im Portemonnaie haben. Dann fährt man ein Fahrzeug, dass im Straßenbild nicht alltäglich ist und seinen eigenen Charakter hat. Mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Fazit – Mit einem verschmitzten Schulterzucken

Ja, er macht nicht alles perfekt, der DS4. Er ist der Außenseiter mit viel Avantgarde und großem Wiedererkennungswert, aber einem engen Fond und funktionalen Eigenheiten. Außerdem bietet er nur wenig futuristische Technik – da hätte man von Citroen, die im Hintergrund die Fäden spinnen, etwa mehr erwartet. Zumal ein DS4 kein günstiger Spaß. Dafür entschädigt das außergewöhnliche Design, der Wert des Ungewöhnlichen. Schließlich ist die neuste Pariser Mode auch nicht immer bequem, aber höchst adrett. Und diese kleinen Fehler stupst man doch auch gerne mit einem Zwinkern, einem verschmitzten Schulterzucken und einem kecken „na und?“ weg, oder?

Weitere Informationen findet ihr unter www.dsautomobiles.de