Noch nicht perfekt: Canon EOS M

Canon EOS M kompakte Systemkamera

Canon EOS M

Einst war es eine Flut von Kompaktkameras, jetzt fluten Systemkameras den Markt. Die Canon EOS M ist nun bereits gut über eineinhalb Jahre auf dem Markt. Der Preis liegt dementsprechend niedrig, der leicht fehlerhafte Autofokus ist bei den neu produzierten Modellen auch korrigiert worden. Dennoch für etwas mehr Geld, bekommt man bereits eine Einstiegs-DSLR.

Die Größe täuscht, denn die Systemkamera wiegt voll-betriebsbereit kräftige 590 Gramm. Ohne den Blitz, der Lob verdient hat, sind es dann noch immer 514 Gramm. Einen Großteil davon ist auch auf das 18-55mm Objektiv zurückzuführen, mit dem sich die alltäglichen Fotosituationen gut abdecken lassen. Zur Erweiterung gibt es von Canon auch noch eine kleine Auswahl von EF-M Objektiven. Ein Pancake, ein kleines Weitwinkelzoom und ein kleineres Zoom-Objektiv gehören dazu. Wer sich für den EOS M-Adapter entscheidet, der kann auch seine EF-S Objektive an die Systemkamera anschließen.

Die Handhabung ist für Canon-Verhältnisse schon fast ungewöhnlich kompliziert. Die kleinen Knöpfe, verlangen höchste Präzision bei der Bedienung. Die Einstellmöglichkeiten sind auch nicht unendlich. Die gröbsten Änderungen, wie etwa eine fixe Blenden- oder Belichtungszahl lassen sich, genauso wie die ISO-Werte festlegen. Danach hört der Spaß aber schon auf. Als die beste Möglichkeit zu Fotografieren hat sich die Programmautomatik erwiesen. Dabei geht die EOS M zwar gerne in hohe ISO-Werte, das Bild ist dafür aber meistens auch am gewollten Punkt scharf und für spätere Webanwendungen, wie etwa einen Blog zu gebrauchen.

Die Fokussierung über den drei Zoll großen Touchscreen ist meiner nach Ansicht nach nur bei schwierigen Motiven zu gebrauchen. Zu oft bin ich unabsichtlich auf den Touchscreen gekommen und hatte verwirrende Bilder in der Sammlung. Der korrigierte Autofokus muss entweder vor der Korrektur grausig gewesen sein oder in diesem Modell auch nicht korrigiert worden sein. In meinen Augen ist der Fokus noch immer langsam, selbst bei idealen Lichtverhältnisse, wie etwa am Vormittag oder am späten Nachmittag, wenn nicht mehr die Sonne mit voller Kraft strahlt.

Dann noch dauert es etwa zwei bis drei Sekunden, bis wirklich das gewollte Motiv scharf ist. Sportaufnahmen sind dadurch natürlich hinfällig. Mit viel Glück ist in der Serienaufnahme dann etwas Scharfes dabei. Diese schießt dann aber auch wie ein MG aus dem zweiten Weltkrieg mehrere Bilder deutlich schneller als durchschnittliche DSLRs. Kein Wunder fehlt ihr doch der „handelsübliche“ Spiegel. Daher rattern ohne Probleme fünf bis zehn Bilder durch, während eine DSLR (mittleres bis unteres Preissegment) in derselben Zeit nur gut 50-70% so viele Bilder machen kann.

Canon spricht selbst von „stimmungsvollen Aufnahmen bei wenig Licht“. Dem kann ich nur beipflichten. Lassen wir die hohen ISO-Werte außen vor, dann sehen in der Dämmerung und Nacht aufgenommene Bilder deutlich besser aus, als andere bei Tag. Insbesondere der rot-Stich bei Sonnenuntergängen oder der Dämmerung hat es der EOS M angetan. Dabei entstehen wahrhaftig eindrucksvolle Bilder gemessen an der Größe des Sensors.

Der Lithium-Ionen-Akku (LP-E12) soll für bis zu 230 Aufnahmen gut sein. Leider ist er es nicht wirklich. Besonders beim Einsatz der Videofunktion schrumpft die Batterie in Windeseile. 180 normale Aufnahmen sind ein realistischer Wert, die sich egal bei welcher Temperatur erreichen lassen. Sind darunter mehr Serienaufnahmen oder kleine Filme, dann geht der Akku eben entsprechend schneller in die Knie. Ein sinnvolles Extra direkt beim Kauf ist also ein Zusatzakku.

Vielleicht auch der Blitz Speedlite 90EX, der mich von der ganzen Kamera noch am meisten begeistert hat. Ein solch kleiner Blitz, versorgt von zwei AAA-Batterien, hat das Objekt zumindest frontal immer bestens ausgeleuchtet. Im Innenbereich (vor allem mit weißen Hintergrund) hat er oft einmal nicht gut genug Absprache mit der Kamera gehalten, sodass es etwas zu hell war, aber in anderen Fällen ist der Blitz mehr eine Empfehlung wert, als die EOS M.

 

Fotos & Text (c) Fabian Meßner